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Hilfen in der Corona-Zeit:Rückenwind für die Togohilfe

Trio im neuen Brucker Laden der Pit-Togohilfe (von links): Thomas Karmasin, Margret Kopp und Katrin Staffler

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der Verein aus dem Landkreis erhält 1,35 Millionen Euro vom Entwicklungsministerium, um die medizinische Versorgung in dem westafrikanischen Land aufzubauen. Im Blickpunkt steht dabei auch die Corona-Pandemie

Für den Aufbau flächendeckender Hilfe gegen die Corona-Pandemie in Togo erhält der Verein Aktion Pit Togohilfe 1,35 Millionen Euro vom Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Mit dem Geld sollen unter anderem ein Callcenter für medizinische Fragen aufgebaut sowie Rohstoffe für medizinisches Schutzmaterial angeschafft und in dem ganzen afrikanischen Land verteilt werden. Die seit 40 Jahren bestehende Togohilfe arbeitet dabei mit dem afrikanischen Verein Aimes Afrique, einem langjährigen Kooperationspartner, zusammen. Gemeinsam haben sie ein Konzept erstellt und dafür Geld beim Ministerium beantragt. Voraussetzung für die Unterstützung aus Berlin ist allerdings, dass die Togohilfe zehn Prozent der benötigten Summe von 1,5 Millionen Euro, also 150000 Euro, selbst beisteuert.

"Da bin ich aber ganz zuversichtlich. Denn wenn ich den Spendern sagen kann, eure Hilfe ist eigentlich das Zehnfache wert", habe sie keinerlei Bedenken, erklärt die Vereinsvorsitzende Margret Kopp. Tatsächlich sind bis zum Dienstagabend laut Homepage (www.aktionpit.de) bereits 40 Prozent der Spendensumme eingegangen. Am Dienstagnachmittag sind Bundestagsabgeordnete Katrin Staffler und Landrat Thomas Karmasin, beides Parteifreunde von der CSU und schon lange Unterstützer der Togohilfe, vorbeigekommen. Die Bundestagsabgeordnete Staffler hat ihre guten Kontakte zu Gerd Müller genutzt. "Wir haben kurze Wege ins Ministerium", sagt sie und lacht. Und dass der Entwicklungsminister, übrigens ebenfalls Mitglied der Christsozialen, von der Arbeit der Togohilfe "total überzeugt" sei. Müller war schon zu Besuch bei dem kleinen Verein mit seinen 24 "Mitwirkenden", wie Kopp sie nennt; damals war der Laden noch in der ehemaligen Post in Maisach, jetzt in Bruck.

"Ich bin der Herr der kleinen Summe", scherzt Landrat Karmasin. Im Verhältnis zu dem Betrag aus dem Ministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit fallen die Förderbeträge des Landkreises an einen Verein wie die Togohilfe entsprechend niedriger aus. Und dennoch, so Karmasin mit Blick auf die großen Unterschiede zwischen Deutschland und Togo, "was bei uns Peanuts sind, könnte da unten wahnsinnig viel bewirken". Karmasin ist Schirmherr des Projekts Santé pour tous, zu deutsch: Gesundheit für all. Es ist die Kooperation zwischen Togohilfe und Aimes Afrique, Ziel ist die flächendeckende medizinische Versorgung im ganzen Land.

Dank dieser Kooperation gibt es laut der Vereinsvorsitzenden inzwischen im ganzen Land ein Netzwerk, "bis auf die Gemeindeebene". Jedes Dorf hat einen Ansprechpartner zu medizinischen Belangen. Dieses Netzwerk soll nun helfen, medizinisches Schutzmaterial beziehungsweise die Rohstoffe dafür in Togo zu verteilen. Geplant ist, mit dem Geld aus Berlin Material zur Herstellung von Seifen, Desinfektionsmitteln und Mund-Nase-Masken zu beschaffen und dieses in alle Dörfer weiterzugeben. An zentralen Stellen sollen Waschstellen entstehen, damit die Bevölkerung die Hygieneempfehlungen befolgen kann. Kinderreiche, bedürftige Familien - laut Kopp lebt die Hälfte der Bevölkerung unter dem Existenzminium - sollen mit Lebensmittelspenden, Hygieneprodukten und Moskitonetzen unterstützt werden. Und schließlich wollen Aimes Afrique und die Togohilfe für 300 000 Euro ein Callcenter mit medizinisch geschultem Personal aufbauen. "So dass wir schon eine Voruntersuchung ohne physischen Kontakt machen können." Je nach Symptomatik würden die Anrufer an die entsprechenden Stellen verwiesen, sagt Kopp. Da das Handynetz in Togo "besser funktioniert als in Stefansberg", wo Kopp seit Jahrzehnten lebt, und Santé pour tous dank des Netzwerks eine gewisse Bekanntheit hat, ist die Vereinsvorsitzende optimistisch, dass das Callcenter oft angerufen wird. Denn aktuell ist die Verunsicherung in der Bevölkerung wegen des Coronavirus Sars-CoV-2 groß. Teils herrscht Panik, da es viele Falschmeldungen gibt. All die Maßnahmen könnten nach Kopps Einschätzung helfen, das Virus in Schach zu halten und seine Ausbreitung zu verhindern.

© SZ vom 26.06.2020

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