Kultur:Ein bisschen wie Fellini

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Kultur: Ungläubige, erstaunte Blicke auf der Bühne: Nina Lutz (von links), Lena Sammüller, Matthias Weber, Jakob Kurz.

Ungläubige, erstaunte Blicke auf der Bühne: Nina Lutz (von links), Lena Sammüller, Matthias Weber, Jakob Kurz.

(Foto: Klaus Schraeder/oh)

Das Theater 5 inszeniert Henrik Ibsens "Peer Gynt" in einer stark gekürzten und dafür sehr persönlichen Version. Die Hauptfigur wird dabei auf alle Schauspielerinnen und Schauspieler aufgeteilt.

Von Florian J. Haamann, Fürstenfeldbruck

Noch einmal streift sich Lia Fesno Vazquez das improvisierte Geschirr über, mit dem sie als Peer Gynt die sterbende Mutter im Kinderbett hinter sich herzieht. Mehrmals hat sie die Szene bereits gespielt, aber Regisseur Jakob Roth ist noch nicht ganz zufrieden. Vom Technikpult kommt er mit langen, schnellen Schritten auf die Bühne. "Wenn du sagst 'was stierst du so', schaust sie aber nie an, dann verstehe ich nicht ganz, warum du es sagst", erklärt er. "Sorry, aber das ist jetzt eine wichtige Stelle", ruft er noch zu den auf die nächste Szene wartenden Schauspielerinnen und Schauspielern hinter der Bühne, bevor er mit ebenso raumgreifenden Schritten wie zuvor zurück an sein Pult eilt. Im Gegensatz zu den Schauspielern, die allesamt ambitionierte und talentierte Laien sind, ist Roth Profi. Er hat an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin studiert und an der Volksbühne unter anderem bei Christoph Marthaler und René Pollesch gearbeitet, bevor er als freier Regisseur und Dramaturg nach München gekommen ist.

Nur noch wenige Abende bleiben, bis das Theater 5 unter der Regie von Roth am Samstag, 25. Juni, zur Premiere von "Peer Gynt" in die Räume der Neuen Bühne Bruck lädt. Lange haben sie auf die Inszenierung vorbereitet, eigentlich sollte es schon Anfang des Jahres losgehen, aber wegen der damals geltenden Schutzmaßnahmen wurden die Auftritte verschoben. Die Zeit hat das Ensemble genutzt, um die geplante Inszenierung noch einmal kräftig zu überarbeiten und zu verdichten. Denn normalerweise muss man für eine Peer-Gynt-Inszenierung mehrere Stunden und mehrere Dutzend Schauspieler einplanen, Roths Version ist auf 90 Minuten angelegt und kommt mit sechs Personen auf der Bühne aus. Damit das funktioniert, hat sich das Ensemble entschieden, sich auf bestimmte Themen zu konzentrieren und diese herauszuarbeiten. "Es geht stark um das Mutter-Sohn-Verhältnis und um Peer und die Frauen", sagt Theaterleiter Matthias Weber, der auch als Schauspieler dabei ist. Außerdem haben sie sich dazu entschieden, die Figur des Peer Gynt unter allen Schauspielern aufzuteilen. "Jeder konnte sagen, welcher Text ihn besonders interessiert. So können alle ihre Persönlichkeit in die Figur einbringen", so Weber.

Gerade ist es Finnegan Pulfer, der den Gynt spielt. Er soll sich von seinem Gefolge (Nina Lutz, Jakob Kurz) bedienen und umsorgen lassen, bevor er langsam einschläft. "Wie ein römischer Herrscher oder ein Satyr. So ein bisschen Fellini-mäßig", gibt ihm Regisseur Roth mit auf den Weg. Und Pulfer liefert ab, absolut satyrisch liegt er da, bekommt Wind zugewedelt und Obst gereicht, döst schließlich weg. "Ja", ruft Roth immer wieder begeistert aus dem Off.

Als Erzählerin sorgt Lena Sammüller dafür, dass die Zuschauer der stark eingekürzten Handlung folgen können, ergänzt die Informationen, die fürs Verständnis nötig sind. Und entwickelt ihren eigenen Kopf, wenn sie kurzerhand aus der Rolle ausbricht und einen Exkurs in die Entstehungsgeschichte des Werkes unternimmt. Ob sie mal ein Bild von Ibsen sehen könne, ruft sie der Regie zu. "Hallo Pferdebär", begrüßt sie dann das Porträt des bärtigen Autors. "Wie geht es dir? Bist du glücklich?" Eine Frage, die man auch Peer Gynt immer wieder stellen möchte.

"Peer Gynt", Theater 5, Premiere am Samstag, 25. Juni, 20 Uhr an der Neuen Bühne Bruck. Weitere Termine: 26. Juni, 8., 11., 14., 17., 21. und 22. Juli, jeweils 20 Uhr. Karten unter 08141/66 64 444 oder vorverkauf@fuerstenfeld.de. Eintritt regulär 15 Euro, ermäßigt 8.

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