Helfer feiern Jubiläum:Das soziale Herz von Gröbenzell

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Helfer feiern Jubiläum: Bilanz jahrzehntelanger Hilfe: Winfried Bauer, mehr als ein Vierteljahrhundert Vorsitzender des Oekumenischen Sozialdiensts, mit der Zeitschrift, die er zum Jubiläum des Vereins verfasst hat.

Bilanz jahrzehntelanger Hilfe: Winfried Bauer, mehr als ein Vierteljahrhundert Vorsitzender des Oekumenischen Sozialdiensts, mit der Zeitschrift, die er zum Jubiläum des Vereins verfasst hat.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der Oekumenische Sozialdienst feiert sein 50-jähriges Bestehen mit einer Chronik. Bei der Präsentation erzählt der Verfasser und langjährige Vorsitzende Winfried Bauer Anekdoten - und wünscht sich eine Demenz-WG

Von Ariane Lindenbach, Gröbenzell

Dass er vor 50 Jahren seine Arbeit in einer Wohnung aufgenommen hat und seine spezielle Schreibweise auf ein Versehen bei der Vereinseintragung zurückzuführen ist, das waren zwei Anekdoten, die bei der Präsentation zum 50-jährigen Jubiläum des Oekumenischen Sozialdienstes zur Sprache kam. Bei der pandemiebedingt klein gehaltenen Veranstaltung im Oeks mitten in Gröbenzell zwischen katholischer und evangelischer Kirche wurde nicht nur die Bedeutung des rund 1000 Mitglieder zählenden Vereins für die Gemeinde deutlich, sondern auch, wie stark sich die Gesellschaft im vergangenen halben Jahrhundert verändert hat: Der Kinderpark zum Beispiel, 1971 das erste Angebot des Vereins nach der Betreuung pflegebedürftiger Menschen, existiert inzwischen mangels Bedarfs nicht mehr. Dafür sieht man bei der Betreuung von Senioren einen nach wie vor steigenden Bedarf an Pflege sowie Unterstützung pflegender Angehöriger. Eine Demenz-WG und ein Mehrgenerationenhaus das wünscht sich der Verein für die Zukunft.

Winfried Bauer, der 26 Jahre lang Vorsitzender des Sozialdienstes und drei Jahre im Aufsichtsrat war, ist der Verfasser der Chronik. Wie er eingangs erläutert, hat er die ersten 25 Jahre aus der alten Chronik übernommen. Bauer berichtet, dass er bei der Recherche noch auf alte Aufzeichnungen gestoßen ist aus der Zeit vor dem Oekumenischen Sozialdienst, als die häusliche Krankenpflege noch von den Kirchen organisiert wurde. Dabei hat er entdeckt, dass die Krankenschwestern damals in die Häuschen im Moos heißes Wasser aus dem Ortszentrum mitzubringen pflegten. Damit kochten sich die Moosbewohner eine Suppe - die Qualität des Wassers aus der Ortsmitte war offenbar deutlich besser.

Im Februar 1968 wird der evangelische Diakonie-Verein Gröbenzell-Puchheim von engagierten Christen gegründet. Wie Bauer in seiner 92 Seiten langen Chronik schreibt, war der offenbar ein "Motor" für die Entstehung des Oeks: "Mit dem schnellen Anwachsen der Gemeinden Ende der Sechziger- und Anfang der Siebzigerjahre erweist es sich als notwendig und sinnvoll, auch in Gröbenzell eine eigene soziale Einrichtung zu schaffen." Als der Oekumenische Sozialdienst 1971 von zwölf Gröbenzellern gegründet wird, steht der Name schnell fest. Weil beide Kirchen "entscheidend beteiligt" waren, muss er Ökumene im Namen tragen. Die Eigenheit mit dem Oe am Anfang anstatt des kürzeren Ö kam der Chronik zufolge durch einen Fehler bei der Eintragung ins Vereinsregister zustande. Ob das Resultat damals zu Streitigkeiten führte, bleibt unerwähnt. Doch aus heutiger Sicht ist das Oe ein "schönes Alleinstellungsmerkmal" und im digitalen Zeitalter sowieso schon wieder passend, findet Bauer.

Meilensteine für den Oekumenischen Sozialdienst war die Einweihung des Hauses mitten in Ortszentrum vor 23 Jahren (davor war er in der alten Post beheimatet) und die Konzeption für das 2010 eröffnete Betreute Wohnen am Gröbenbach. Wie Bauer betont, der damals Vorsitzender war, erhielt die Anlage bei ihrer Eröffnung eine Zertifizierung nach Din-Norm, die bis heute gilt und gute Qualität bescheinigt. Geschickt findet er bis heute, dass sich die Gemeinde durch ein großzügigeres Baurecht 13 der insgesamt 68 Wohnungen sichern konnte. Diese kommunalen Wohnungen werden nach sozialen Kriterien vergeben. Die meisten der restlichen 65 Wohnungen, "wurden von Berliner und Münchner Millionären gekauft", berichtet Bauer. Nach seinem Eindruck "ist ein enormer Bedarf da". Auch bei der Tagespflege mit ihren zwölf Plätzen, ergänzt er und äußert den Wunsch nach einer Demenz-WG, eventuell in der Bahnhofstraße; für die gibt es nämlich nun einen Bebauungsplan.

Christian Wrba, geschäftsführender Vorstand des Sozialdienstes, äußert seine Idee von einem Mehrgenerationenhaus in der Bahnhofstraße. Der Oekumenische Sozialdienst könne dann die Begegnungsstätte dorthin auslagern und im Zentrum mehr Plätze in der Tagespflege anbieten - vorausgesetzt freilich, es findet sich genug Pflegepersonal. Es gebe viele Wünsche für die Zukunft, sagt Gregor von Uckermann (SPD), der in seiner Eigenschaft als Dritter Bürgermeister zu der Präsentation gekommen ist. "Der Sozialdienst ist das soziale Herz von Gröbenzell", sagt er zur Bedeutung der Einrichtung für den Ort. Und Bauer unterstreicht mit Blick auf die zwölf Ressorts des Oeks von Ambulanter Krankenpflege über Begegnungsstätte bis zur Tagespflege: "Die vielfachen Angebote, die wir haben, gibt es in Puchheim nicht."

Eine große interne Veränderung gab es außerdem 2018. Damals wurde der Verein mit seiner bisherigen Struktur mit Vorstand und Mitglieder-Vollversammlung angesichts der wachsenden Aufgaben verändert. Seither gibt es einen geschäftsführenden Vorstand für das operative Geschäft und einen sechsköpfigen Aufsichtsrat. Seit März führt Wrba die Geschäfte.

Der Kinderpark übrigens, Anfang der Siebzigerjahre mangels Alternativen ein dringend notwendiges Angebot zur Kinderbetreuung, wurde vor ein paar Jahren aufgegeben. Er sei nicht mehr nachgefragt worden, berichtet Bauer. "Zum Schluss war es so, dass nur noch zwei, drei Kinder da waren", das Angebot habe sich einfach nicht mehr gelohnt. Eine Erklärung liefert der langjährige Vorsitzende und frühere Rektor des Gröbenzeller Gymnasiums gleich mit: "Es gibt jetzt genügend Kindergarten- und Kitaplätze."

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