Wirtschaft120 Jahre Lebensmittel und Gegenstände des täglichen Bedarfs

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Haushaltswaren sind ein Standbein der Familie Miller. Ihr Geschäft ist das drittälteste in Olching.
Haushaltswaren sind ein Standbein der Familie Miller. Ihr Geschäft ist das drittälteste in Olching. (Foto: Leonhard Simon)

Die Familie Miller eröffnete ihre Gemischtwarenhandlung, als Olching noch ein Dorf war. Es entstand ein kleines Kaufhaus. Doch jetzt gibt es starke Konkurrenz.

Von Karl-Wilhelm Götte, Olching

Draußen an der Fassade prangt „120 Jahre Miller“ und dazu noch: „Werkzeug – Haushalt & Co.“ Im Geschäft an der Olchinger Hauptstraße nehmen Friedrich Miller und sein Sohn Wolfgang Miller die Ehrungen des Gewerbeverbands und vom Stadtmarketing Olching entgegen. Miller senior, 79 Jahre alt, ist vor einigen Tagen gut gelaunt aus seinem Südtirol-Urlaub gekommen und verbreitet auch am Jubiläumstag Fröhlichkeit. Beide Millers stehen für mehrere Generationen Geschäftstätigkeit in Olching. Wie lange es noch weitergeht? Da gibt es Fragezeichen.

Das Geschäft im Jahre 1964. Kurz danach wurde das Haus abgerissen und neu gebaut.
Das Geschäft im Jahre 1964. Kurz danach wurde das Haus abgerissen und neu gebaut. (Foto: Privat)

Erst einmal gibt es Ehrenurkunden von Rainer Saalfeld, dem Vorsitzenden des Olchinger Gewerbeverbands, der zum Bund der Selbständigen (BDS) gehört. Dann auch noch eine für Friedrich Miller persönlich für seine 50-jährige Mitgliedschaft im Verband, dessen Vorsitzender er viele Jahre selbst gewesen ist. Miller Vater Sebastian war Gründungsmitglied.

Den Millers ist der Marktsonntag zu verdanken, ebenso die Installation der bis heute viel beachteten Weihnachtsbeleuchtung auf der Einkaufsmeile der Amperstadt. Zum Jubiläum überreichen Sandra Pfend-Strobl und Marcel Gemmeke vom Stadtmarketing einen Lebensmittelkorb, in dem Nudeln dominieren. Friedrich Miller hat das Geschäft 2017 an seinen Sohn übergeben. Doch er schaut regelmäßig vorbei und kommentiert, was er sieht. „Das muss ich schon machen“, sagt er und schmunzelt vergnügt.

Vor 120 Jahren eröffneten die Millers in Olching ihr Geschäft. Dafür bekommen Wolfgang und Friedrich Miller (dritter und vierter von links) Urkunden. Otmar Nöth und Rainer Saalfeld (links und Zweiter von links) vom Gewerbeverband Olching sowie Stefan Jakobs und Sandra Pfend-Strobel (rechts und Zweite von rechts) vom Stadtmarketing Olching überreichen sie.
Vor 120 Jahren eröffneten die Millers in Olching ihr Geschäft. Dafür bekommen Wolfgang und Friedrich Miller (dritter und vierter von links) Urkunden. Otmar Nöth und Rainer Saalfeld (links und Zweiter von links) vom Gewerbeverband Olching sowie Stefan Jakobs und Sandra Pfend-Strobel (rechts und Zweite von rechts) vom Stadtmarketing Olching überreichen sie. (Foto: Leonhard Simon)

Alles begann 1904 mit einer Gemischtwarenhandlung, die Sebastian und Walburga Miller am heutigen Standort eröffneten. „Damals waren die Millers nach der Bäckerei Rackl (1899) und der Holzhandlung Widmann (1848) die drittälteste Firma in Olching“, erklärt Saalfeld. Vor 120 Jahren war Olching ein kleines Dorf mit exakt 1398 Einwohnern. Es folgen Aus- und Anbauten, bis der Laden 1927 erstmals komplett umgebaut und vergrößert wird.

Dann kommt der Krieg. „Der 22. Februar 1944 ist ein schwarzer Tag in Olching“, heißt es in der Miller-Firmenchronik. Bei einem Fliegerangriff wird der Ort schwer getroffen, das Haus mit Laden stark beschädigt. Durch die Tatkraft des Seniorchefs, seiner Familie, den Mitarbeitern und unter Mithilfe von vielen Kunden gelingt es, das Chaos aus Schutt und Asche innerhalb von drei Tagen so weit zu ordnen, dass der Verkauf weitergehen kann.

Sebastian Miller junior übernimmt vier Jahre später die Firma. Das Sortiment ist umfassend. Ein Kohlelager wird 1953 gebaut, die Verkaufsfläche vergrößert. Heizöl und Baustoffe wurden geliefert; Lebensmittel sind dabei und ein Drogerieangebot.

Kinderbestecke, Kuchenformen, Pfeffermühlen - Millers sind gut sortiert.
Kinderbestecke, Kuchenformen, Pfeffermühlen - Millers sind gut sortiert. (Foto: Leonhard Simon)

Friedrich Miller tritt 1960 direkt nach der Handelsschule in das elterliche Geschäft ein. Fünf Jahre später wird das alte Vordergebäude abgerissen und durch das heutige Wohn- und Geschäftshaus ersetzt. Es entstehen eine Lebensmittel-, eine Eisenwaren- und eine Modeabteilung. „1975 haben wir den Lebensmittelverkauf aufgegeben“, erzählt Friedrich Miller. „Die Konkurrenz von EKZ und Penny war zu groß.“ 1980 geht die Geschäftsleitung an ihn über. 1989 wird das alte Kohlelager abgerissen, ein Neubau mit Tiefgarage entsteht.

Ein Jahr später etabliert sich im Rückgebäude auf zwei Etagen ein Werkmarkt und eine Haushaltswarenabteilung. Die Modeabteilung bleibt im Haupthaus. 1998 zieht die Haushaltswarenabteilung nach vorn ins Haupthaus um. Das Modegeschäft bezieht die Räume im Nachbargebäude. Wolfgang Miller wird neben seinem Vater Geschäftsführer der Firma. 2010 gibt es erneut eine Veränderung. Der Werkmarkt im Rückgebäude wird geschlossen, im Haupthaus wird die Verkaufsfläche komplett umgebaut und neu gestaltet. Nun gibt es bei Miller Haus &Co Geschenkartikel, Haushaltswaren, Eisenwaren, Werkzeuge und Gartenartikel zu kaufen. Ein zweites Modegeschäft entsteht ebenfalls.

Internet und Baumärkte sind die große Konkurrenz

Mit dem Internet und dem dort explodierenden Online-Einkauf der Menschen wird das Geschäft, das inzwischen Wolfgang Miller in der vierten Generation übernommen hat, jedoch spürbar mühsamer und weniger. „Wir tun uns schwer“, sagt Wolfgang Miller, 53. „Auch die Baumärkte sind eine große Konkurrenz.“ Inzwischen gibt es nur noch zwei Einzelhandelsgeschäfte mit Haushaltswaren im Landkreis – das der Millers und Tienemann in Fürstenfeldbruck. Wie lange die Millers noch durchhalten, ist ungewiss. „Der Preiskampf mit dem Internet nimmt stetig zu“, sagt Wolfgang Miller, er klingt nicht sehr zuversichtlich. Manchmal sieht er Waren im Internet billiger zum Verkauf angeboten, als er sie selbst einkaufen kann. Dabei steht das Versprechen bei Miller draußen über der Eingangstür: „Bei uns finden Sie mehr, als Sie erwarten.“

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