Hattenhofen:Vorwürfe an Bahn und Bürgermeister

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Ein geplanter Funkturm erregt weiter die Gemüter der Hattenhofener

Von Manfred Amann, Hattenhofen

Trotz aller Proteste weicht die Deutsche Funkturm GmbH nicht von ihrer Planung ab, bei Hattenhofen an der Bahnlinie einen etwa 30 Meter hohen Funkmasten zu errichten. Martin Bentenrieder, der nur etwa 200 Meter Luftlinie vom Standort entfernt wohnt, ist enttäuscht und hat "den Glauben an die gewählten Volksvertreter verloren". Wie Bürgermeister Franz Robeller auf Anfrage der SZ erläuterte, hatte die Gemeinde nach den Protesten dem Unternehmen erneut einige Ersatzstandorte vorgeschlagen. Diese seien aber abgelehnt worden mit den Hinweisen, sie seien von der ICE-Strecke zu weit entfernt oder zu klein. Zudem sei ein weitere Standortsuche abgelehnt worden, weil die Baugenehmigung für den Funkturm bereits erteilt und dafür Geld investiert worden sei.

Bentenrieder gibt an der Entwicklung nicht nur dem Gemeinderat und dem Bürgermeister die Schuld, dass der Mast gebaut werden kann, sondern auch dem Eigentümer des Grundes. Dieser habe die Fläche bereits 2018 verpachtet. "Fakt ist: Wenn niemand ein Grundstück so nah an der Ortschaft zur Verfügung stellt, wird auch kein Sendemast gebaut", stellt der Hattenhofener in einem Schreiben fest. Der erste Bauantrag sei vom Gemeinderat im Januar 2020 abgelehnt worden, dem neu gewählten Gremium sei dann "in einer nicht üblichen Vorgehensweise" der Sachverhalt erneut vorgelegt worden, bis dieser zugestimmt habe. "Man legt vor, bis es passt", kritisiert Bentenrieder und möchte es allen Mitbürgern ans Herz legen, sich für die Belange der Gemeinde und ihre eigenen Interessen einzusetzen, "sonst ergeht es ihnen wie uns, die wir plötzlich vor vollendete Tatsachen gestellt wurden".

Bentenrieder stellt auch die Frage, warum es im Vorfeld oder nach dem Vorliegen der Planung keine Informationen für die Bürger gegeben habe. Gemeindechef Robeller habe dies damit begründet, dass "bereits alles besprochen und nicht abwendbar sei", behauptet er. Robeller habe daher keine Notwendigkeit gesehen, die Bürger darüber zu informieren. "Offensichtlich hat selbst unsere Unterschriftenaktion mit riesiger Resonanz keinerlei informationspolitische Einsicht bei den handelnden Akteuren ausgelöst", spekuliert Bentenrieder. "Wie könnte es sonst sein, dass der Bürgermeister auch weiterhin keine Notwendigkeit sieht, die Bürgerinnen und Bürger besser und einfacher zu informieren". Als Beispiel führt er die jüngste Gemeinderatsentscheidung an, dass ein Antrag, Niederschriften auf der Gemeindehomepage und Sitzungsprotokolle zu veröffentlichen, mehrheitlich abgelehnt worden sei. Somit bleibe weiterhin nur der nicht immer einfache Weg, zu den begrenzten Öffnungszeiten der Gemeinde persönlich vorstellig zu werden und Protokolleinsicht zu fordern.

Bürgermeister Robeller weist jedoch darauf hin, dass eine Veröffentlichung einen sehr großen Aufwand erfordere, da aus Datenschutzgründen alle Angaben zu Personen geschwärzt werden oder herausgenommen werden müssten. Die Bürgermeister der acht Kommunen der Verwaltungsgemeinschaft Mammendorf seien sich einig, dass dieser Aufwand zu viel Zeit beanspruchen würde. Bezüglich des Funkturms erläuterte Robeller, dass die Gemeinde vor dessen Bau eine Strahlungsmessung durchführen lasse. Nah der Errichtung des Turmes soll dann eine weitere folgen, um die Auswirkungen der neuen Strahlungsquelle feststellen zu können. Bentenrieder sieht darin lediglich eine "Maßnahme zur Beruhigung der Bürger". Robeller weist dies zurück und kündigte an, die Bürger in Kürze zu einer Info-Veranstaltung einzuladen.

© SZ vom 03.09.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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