TuS Fürstenfeldbruck:Handball-Fest ohne Happy End

Lesezeit: 3 min

TuS Fürstenfeldbruck: Ausverkauft: So voll wie im Pokalspiel gegen den HSV Hamburg war die Wittelsbacher Halle seit Corona nicht mehr.

Ausverkauft: So voll wie im Pokalspiel gegen den HSV Hamburg war die Wittelsbacher Halle seit Corona nicht mehr.

(Foto: Tanja Eikerling/www.xklicks.com)

Bundesligist HSV Hamburg nimmt das Pokalspiel sehr ernst und wirft die Panther mit 42:26 aus dem Wettbewerb. Die leidenschaftlich kämpfenden Brucker können dennoch erhobenen Hauptes auf den Ligaalltag blicken.

Von Ralf Tögel, Fürstenfeldbruck

Kurz sah es so aus, als müsste man sich Sorgen um Jogi Bitter machen. Mit einem dicken Eisbeutel am linken Sprunggelenk humpelte der Handball-Profi durch die Wittelsbacher Halle und die Traube an Kindern, die ihn wie ein Schwarm Fruchtfliegen umgab, wollte nicht kleiner werden. Aber Bitter, nach wie vor der bekannteste Spieler im Kader des HSV Hamburg, erfüllte tiefenentspannt jeden Wunsch nach einem Handyfoto oder Autogramm. Er wusste, dass der Bus ins Hotel nach München auf den Weltmeister von 2007 warten wird.

"Es hat unheimlich Spaß gemacht hier zu spielen", sagte der Torhüter, nachdem er auch den letzten Selfie-Wunsch erfüllt hatte: "Die Stimmung war wie immer geil, ich war ja schon ein paarmal hier." Bisher allerdings nur zu Testspielen, an diesem Abend aber führte die Arbeit den langjährigen Nationaltorwart, der bekanntlich zuletzt für die Europameisterschaft im Januar reaktiviert worden war, nach Fürstenfeldbruck. Das Spiel der zweiten Runde im DHB-Pokal beim Drittligisten stand an, eine Aufgabe, die von den Gästen sehr ernst genommen und mit einem 42:26-Sieg entsprechend seriös gelöst wurde.

TuS Fürstenfeldbruck: Gefragter Mann bei den Autogrammjägern: der ehemalige Weltmeister-Torhüter Johannes Bitter

Gefragter Mann bei den Autogrammjägern: der ehemalige Weltmeister-Torhüter Johannes Bitter

(Foto: Tanja Eikerling/www.xklicks.com)

Der 40-jährige Torwart-Routinier war das erste Mal zu einem Pflichtspiel in der Halle, Bitter ist nach dem Aufstieg seines ehemaligen Vereins in die erste Bundesliga zu diesem zurückgekehrt. Vor eineinhalb Jahren, als der ehemalige Meister noch in der zweiten Liga zu Gast war, hatten die Panther Hamburg mit 29:27 düpiert, das hat Trainer Torsten Jansen, der im Übrigen wie Bitter 2007 Weltmeister wurde, nicht vergessen: "Damals hätten sie uns beinahe den Aufstieg versaut", erinnerte er sich, "deshalb haben wir uns auf ein schweres Spiel eingestellt. Ich bin sehr froh, dass wir hier gewonnen haben."

Die Mannschaft freilich, die am Mittwochabend auf das Parkett lief, hat mit jener der Zweitligasaison 2020/21 nicht mehr viel gemeinsam. Drei Spieler nur sind verblieben, der Kader wurde enorm verstärkt. An erster Stelle sind die dänischen Nationalspieler Jacob Lassen, mit elf Toren bester Schütze, und Casper Mortensen (fünf Tore) zu nennen, die kürzlich noch für den Weltmeister im EHF-Euro-Cup im Einsatz waren. Zudem wirbelt der Niederländer Dani Baijens im Rückraum (neun Tore), der mit Luc Steins und Kay Smits Teil jenes Rückraum-Trios war, das bei der EM im Januar noch für viel Aufsehen gesorgt hatte. Und natürlich der 2,04-Meter-Hüne Johannes Bitter im Tor, der die Brucker Angreifer immer wieder vor unlösbare Aufgaben stellte.

Den Brucker Panthern fehlt ihr bester Spieler berufsbedingt, das sagt alles über den Unterschied der beiden Teams

Panther-Trainer Martin Wild wusste nach dem Spiel nicht so recht, wohin mit seinen Gefühlen. Einerseits standen da diese 42 Gegentore auf der Anzeigetafel, auf der anderen Seite war er mit dem Auftritt seiner Spieler dennoch zufrieden, die immerhin die ersten 15 Minuten ausgeglichen gestalten konnten. Nicht selten wird ja die Plattitüde, dass der Pokal seine eigenen Gesetze hat, in der Realität durch Sensationssiege bestätigt. In diesem Fall aber musste man schon einen Vereinsbrille mit flaschenbodendicken Gläsern tragen, um Ähnliches zu erwarten. Auf der einen Seite der aufstrebende ehemalige Champions-League-Sieger, gespickt mit Nationalspielern, auf der anderen Seite eine Ansammlung hochtalentierter Amateure, die seit Jahren mit leidenschaftlichem Handball an der Tür zum Profi-Handball scharren.

Und denen in Jonas Link ihr Bester fehlte, der war beruflich verhindert - was den Unterschied in Sachen Professionalität treffend beschreibt. Grämen müssen sich aber weder Wild noch seine Spieler, die sich durchaus ansehnlich dem haushohen Favoriten entgegenstellten. Alexander Leindl etwa, der viermal traf und mit enormer Sprungkraft und knallharten Würfen aus dem Rückraum glänzte. Topscorer Gianni Huber, der sich bei seinen fünf Treffern von Linksaußen auch nicht vom Weltmeister-Torhüter einschüchtern ließ. Rückkehrer Johannes Stumpf mit seinen überraschende Schlagwürfen aus der Hüfte oder Torhüter Michael Luderschmid, der einen Ball von Hamburgs russischem Rückraumriesen Azat Valiullin sicher fing und mehrere freie Würfe spektakulär parierte. Wild bedauerte hernach die 60-minütige Ernsthaftigkeit des Gegners, der das Tempo bis zur Schlusssirene hoch hielt und seinem Team "nie eine Chance gab".

TuS Fürstenfeldbruck: Trotz der deutlichen Niederlage verkaufen sich die Brucker Handballer gut, hier setzt sich Alexander Leindl (links) in Szene.

Trotz der deutlichen Niederlage verkaufen sich die Brucker Handballer gut, hier setzt sich Alexander Leindl (links) in Szene.

(Foto: Tanja Eikerling/www.xklicks.com)

Dennoch ist es dem Brucker Trainer erneut gelungen, trotz der alljährlichen Weggänge von Leistungsträgern, aus vielen Talenten einen leistungsstarken Kader zu bauen, der als Tabellenzweiter ein gewichtiges Wörtchen im Kampf um den Zweitliga-Aufstieg mitredet. Letztlich war der Spielverlauf wie erwartet, je mehr die Gastgeber die Kräfte verließen, desto weiter setzte sich der Favorit ab, gnadenlos bestraften die hanseatischen Profis jeden Fehler mit sicher abgeschlossenen Tempogegenstößen.

Die eigentlichen Gewinner aber waren die Zuschauer in der proppenvollen Halle, die nach Jahren des coronabedingten Darbens wieder ein Handball-Fest feiern durften. Stehend gaben die offiziell 800 Zuschauer in der Schlussphase den Protagonisten minutenlang Applaus, was Fürstenfeldbrucks Abteilungsleiter Michael Schneck noch bei den Aufräumarbeiten ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Bei Punktspielen liegt der Schnitt aktuell etwa zwei- bis dreihundert Zuschauer unter den Vor-Corona-Zahlen, Energiekrise und erwartete Corona-Winterwelle geben zudem wenig Anlass für Optimismus.

Wild richtete daher in der Pressekonferenz einen Appell an die Fans, sie mögen doch am kommenden Samstag zum Spiel gegen Kornwestheim (19.30 Uhr) die Panther im Kampf um den Aufstieg in Liga zwei ebenso zahlreich unterstützen. Wofür auch Gäste-Trainer Jansen viel Glück wünschte: "Da gehört Fürstenfeldbruck auch hin."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema