Hagelschäden in Puchheim "Es ist eine Katastrophe"

Georg Huber ist vom Unwetter schwer getroffen. Die Sojapflanzen auf Feldern des Kreisobmanns der Bauern sind wohl verloren, ebenso das meiste Getreide. Der finanzielle Schaden kann wohl teilweise ersetzt werden, aber die viele Arbeit war umsonst

Von Ingrid Hügenell, Puchheim

"Die Ross' sind durchgegangen, raus aus dem Stall, durch den Zaun." Das Unwetter am Abend des Pfingstmontag hat den Kreuthof in Puchheim-Ort schwer getroffen, berichtet Bauer Georg Huber - er geht von einem sechsstelligen Schaden aus. Der Hagel, der auf das Dach prasselte, versetzte die Pferde in Panik, die Zugang zum Außenbereich haben. Draußen wurden sie von den riesigen Hagelkörnern getroffen, auf der Flucht durchbrachen sie die Elektrozäune zwischen den einzelnen Koppeln. Glücklicherweise sei keines der 28 Pferde auf die angrenzende B2 gelaufen, sagt Huber. Vielmehr stellten sich die Tiere auf einer der Koppeln zusammen, wo sie halbwegs geschützt waren.

Am Dienstag ist bei den Pferden wieder Ruhe eingekehrt. Manche haben weiße Flecken im Fell, von einer Salbe gegen Blutergüsse. Auf dem Hof des Kreisobmanns blieb kein einziges Dach heil. Den Stadel hat es besonders übel erwischt, kaum ein Dachziegel ist unbeschädigt. Die Firste von Ställen und Halle bestehen aus Glasscheiben um Tageslicht einzulassen. In viele haben die Hagelkörner Löcher geschlagen, faustgroß und größer. Es regnet hinein. Heu- und Strohballen, die in der Halle aufgestapelt sind, stehen im Wasser, sie werden wohl bald schimmeln.

Gravierender sind die Schäden auf den Flächen. Huber ringt um Fassung, als er neben seinem besten Sojafeld steht. Der zehn Hektar große Acker steht noch teilweise unter Wasser, von den jungen Pflanzen sind praktisch nur noch die Stengel übrig. Unwahrscheinlich, dass da noch etwas nachwächst. Der Rest der Blätter liegt als braungrüner Matsch am Rand des Triticale-Felds und trocknet langsam vor sich hin. Auch das Getreide schaut schlimm aus, fast alle Halme sind geknickt, reif wird so nichts mehr. Wenn er Glück habe und der Gutachter der Versicherung bald komme, könne er es wenigstens ernten und zur Biogasanlage bringen. Sonst würde es auf dem Feld vergammeln, er müsste es unterpflügen. Befahrbar sind die Flächen aber nicht, der Boden ist zu feucht.

Und dabei, sagt Huber, seien Soja und Getreide prächtig dagestanden, und das im ersten Jahr nach der Umstellung auf Bio-Landwirtschaft. Den finanziellen Ausfall kann die Versicherung wenigstens zum Teil ausgleichen. Aber was der Bauer an Arbeit, Planung und auch an Herzblut hineingesteckt hat, das ist verloren. Er kann den Anblick kaum ertragen. Das zweite große Sojafeld hat er noch nicht gesehen, aber er rechnet damit, dass es ebenso schlimm aussieht. "Es ist eine Katastrophe. Man macht und tut, und dann . . ." Das Gras auf den Wiesen, das bald hätte gemäht werden sollen, liegt niedergedrückt da. Der erste, besonders wertvolle Schnitt ist wohl verloren, und das, wo schon voriges Jahr das Heu knapp war.

Einige Felder, die Richtung Alling liegen, sind wohl nicht ganz so schlimm getroffen. Die kleine Christbaumplantage schon. "Verheerend", sagt Huber. Die Tannen, die er ab Hof verkauft, hatten gerade ausgetrieben, die hellgrünen Triebe sind ganz weich und entsprechend empfindlich. Versichern könne man sich gegen Schäden an künftigen Christbäumen nicht, fügt er hinzu. Immerhin sei den Schafen nichts passiert, die bei den Tannen den anderen Bewuchs kurz halten.

Verletzte habe es zum Glück nicht gegeben, sagt Huber. Er selbst sei während des Unwetters im Auto auf der B2 festgesessen. Der Wagen hat einen Hagelschaden, am Auto der Tochter ist die Windschutzscheibe zerborsten. Die Familie war im Haus, Hofhund Leopold hatte sich im Schlafzimmer versteckt. Nach dem ersten Aufräumen am Pfingstmontag haben sich viele Puchheimer spontan getroffen, um zu reden und ein paar Bier zu trinken, berichtet Huber. "Wenn was Schlimmes passiert, ist die Gemeinschaft da." Das helfe. Auch, dass ein früherer Lehrling spontan zum Helfen kam. Am Dienstag geht es erst einmal darum, den Hof aufzuräumen. Überall liegen Blätter und Zweige herum, die Scherben sind schon beseitigt.

Unwetter-Abfälle

Nach dem Hagelsturm stellt sich für die Betroffenen die Frage, wohin mit dem ganzen abgerissenen Grüngut und den Baumaterialien. Blätter und abgerissene Äste, auch aufgewirbelter Unrat könne jeder selbst beseitigen, heißt es von der Stadt Germering. Grünabfälle gehörten auf die Großen Wertstoffhöfe. Allerdings hat der Hagel vor allem die mit dem Baustoff Eternit verkleidenden Fassaden getroffen. Eternit galt einmal als Wunderbaustoff, war aber mit Asbestfasern angereichert, der sich erst in wissenschaftlichen Untersuchungen als gesundheitsgefährdend herausstellte. So sind nicht nur die Platten für die Verkleidung daraus hergestellt worden, sondern auch Balkonkästen, Pflanzgefäße und Welldachplatten. Wer also Eternit entsorgen muss, sollte sich beim Abfallwirtschaftsbetrieb vorher erkundigen (awb-ffb.de). Auf der Homepage gibt es ein Merkblatt zum Herunterladen über den Umgang mit Asbest. Darin ist unter anderem aufgeführt, dass größere Mengen asbesthaltigen Materials - und das dürfte vor allem in Germering der Fall sein - in sogenannte Big Bags zu verpacken seien. Dabei sei zu beachten, dass das Material weder geworfen, noch geschüttet werden dürfe. Die Spezialsäcke können auf den Großen Wertstoffhöfen - in Germering am Starnberger Weg, sowie in Fürstenfeldbruck - in verschiedenden Größen erworben werden. Auch die Entsorgung auf der Bauschuttdeponie Jesenwang kostet Geld. Wer privat asbesthaltiges Material abliefert, zahlt bis zu 100 Kilogramm laut aktueller Gebührenliste pauschal 17,10 Euro, bis 200 Kilo sind es 34,20 Euro. Schnellentschlossene sollten mit der Entsorgung jedoch noch warten, denn am Mittwoch ist die Deponie in Jesenwang geschlossen.ecs

"Uns geht's ja noch gut", sagt Huber. "Wir haben noch ein Haus." Einem Landwirtskollegen in Germering habe es am Wohnhaus das Dach, die Fassade und die Fenster "zammghaut", außerdem das Auto. Auch andere hat es schlimm getroffen: Einem Pferdehalter in Germering seien die Tiere ganz weggelaufen, ein blindes Pferd wurde erst nach Stunden gefunden. Bei Hubers Mitarbeiter Matthias Darchinger, der in der Oberen Bahnhofstraße in Germering lebt, sind Dach, Fassade, Gewächshaus und Auto kaputt. Ein Kartoffelfeld des Landwirts Andreas Hatzl in Puchheim steht teilweise unter Wasser, die Pflanzen sind zerrupft. Auf einem Blumenfeld ragen traurige Sonnenblumenstengel mit Blattresten in die Höhe.

Waldschäden hat es laut Günter Biermayer, Leiter des Amts für Landwirtschaft und Forsten, im Landkreis Fürstenfeldbruck kaum gegeben. Die seien im Landkreis Landsberg viel gravierender. Denn die Schneise der Verwüstung zog über Puchheim und Germering, wo es kaum Wald gibt. Umso schlimmer traf es die Bauern, deren Höfe in der Hagelschneise liegen. Bis die Schäden feststehen, wird es noch einige Tage dauern.

Glimpflich davongekommen sind dagegen die Gartentage Fürstenfeldbruck. "Wir haben sie eine Dreiviertelstunde früher beendet", sagt Veranstalter Martin Lohde. Es seien ohnehin kaum noch Leute da gewesen. "Wir haben das Gelände geräumt und den Leuten gesagt, sie sollen in die Häuser gehen", berichtet Veronika Lichtenstein, die für das Programm der Gartentage zuständig ist. Die Aussteller hätten alles gesichert, zum Beispiel Schirme abgebaut. Die Hagelkörner seien zum Glück nur etwa einen Zentimeter groß gewesen. "Nach einer halben Stunde war alles vorbei", sagt Lichtenstein.