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Grüne nach der Wahl:Eine Partei in Schockstarre

Für die Grünen ist es nicht einfach, das Ausscheiden von Martin Runge aus dem Landtag zu verkraften. Sie hoffen, dass der Gröbenzeller in der Politik bleibt. Auch eine Bürgermeisterkandidatur gilt als möglich

Die Landkreis-Grünen müssen den Verlust des Landtagsmandats von Martin Runge erst noch verkraften. In Schockstarre hat laut dem Kreisvorsitzenden Jan Halbauer Runges Niederlage den Kreisverband versetzt. "Ein Landtag ohne ihn war bis Dienstagabend nicht vorstellbar", sagte Halbauer am Mittwoch.

Herbstklausur der Grünen in Bayern

Ende der Grünen-Spitze: Martin Runge (rechts neben Margarete Bause) gehört dem neuen Landtag nicht mehr an.

(Foto: dpa)

Einziger Trost für den Grünen-Chef ist die Hoffnung, dass der 55-Jährige nach dem Ausscheiden aus dem Landtag im Landkreis weiter politisch aktiv bleibt. Erste Äußerungen Runges deuteten zumindest darauf hin. Vorerst will Halbauer dem Gröbenzeller, der dem Kreistag und dem Gemeinderat in seinem Wohnort angehört, Zeit geben, die Folgen seiner Niederlage zu verkraften. Halbauer glaubt nicht, dass Runge nun aufhören wird, Politik zu machen.

Schon am Dienstagabend begannen die Spekulationen darüber, ob der langjährige Fraktionsvorsitzende der Landtags-Grünen sich im beginnenden Kommunalwahlkampf auf eine Bürgermeisterkandidatur in Gröbenzell einlassen will. Runge ließ das am Mittwoch zumindest noch offen. Halbauer erklärte, er könne sich das gut vorstellen. "Das wäre ein Paukenschlag und würde uns im Landkreis gefallen", sagte der Kreisvorsitzende fast euphorisch. Er wies aber auch darauf hin, dass diese Entscheidung alleine Runge zu treffen habe.

Der frühere SPD-Kreisvorsitzende und Gröbenzeller Gemeinderat Peter Falk glaubt dagegen nicht, dass Runge nun wirklich eine Bürgermeisterkandidatur anstreben wird. "Man muss wissen, wann es in der Politik vorbei ist", meinte Falk. Da Gröbenzell einen neuen Bürgermeister brauche, der integrierend wirke, wäre Runge laut Falk zudem nicht gut beraten, sich für dieses Amt zu bewerben.

Der SPD-Kommunalpolitiker erinnerte daran, dass die Landtags-Grünen ihren Fraktionschef auch durchaus kritisch sahen. Nach Falks Wahrnehmung verkörpert Runge den Geist, "der auf eine populistisch schwierige Weise stets verneint". Selbst wenn man, wie Runge, ein heller Kopf sei, könne man auf Dauer nicht auf diese Weise Politik machen. "Zur Politik gehört es, abwählbar zu sein", lautet Falks Fazit.

"Es ist für jeden bitter, der so abgewählt wird", stellte die SPD-Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnenholzner fest. Die wiedergewählte Jesenwangerin beschreibt Martin Runge als einen hochkompetenten, in seinen Bereichen gelegentlich etwas detailverliebten Politiker. Zudem sei Runge ein Mensch, der sich für seine Themen und Anliegen mit großem Engagement einsetze.

Sonnenholzner wies aber auch darauf hin, bei ihrer Arbeit im Landtag nur wenige inhaltliche Berührungspunkte mit dem Grünen aus Gröbenzell gehabt zu haben. So habe sie im Maximilianeum bis auf die zweite S-Bahnröhre, die Runge konsequent ablehnt, in der Frage des Ausbaus der S 4 im Landkreis Fürstenfeldbruck mit dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen immer an einem Strang gezogen.

"Die Wahrheit liegt in der Wahlurne", sagte der wiedergewählte CSU-Landtagsabgeordnete Reinhold Bocklet zur Niederlage des Fraktionschefs der Grünen. Der CSU-Abgeordnete aus Gröbenzell räumte aber auch ein, dass er durchaus erstaunt gewesen sei, dass Runge nicht genügend Stimmen bekommen habe.

Er sei nicht davon ausgegangen, dass dem Abgeordneten ein Teil der eigenen Anhänger die Unterstützung versagte. Schließlich sei der Fraktionsvorsitzende der Grünen weit über den Landkreis hinaus bekannt. Härter als zu Runges Niederlage fiel Bocklets Urteil über den Zustand der Partei der Grünen aus. "Die Grünen haben den Zenit überschritten und ihr Potenzial ausgeschöpft", sagte der CSU-Politiker zum Zustand der Oppositionspartei.