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Großes Bauprojekt:Exklusive Angebote für Einheimische

Bauherr Thomas Vilgertshofer bewirbt Wohnungen im Kreuzlinger Feld mit Rabatt und Auswahl vor Verkaufsstart

Von Karl-Wilhelm Götte, Germering

Thomas Vilgertshofer versucht alles, um die Akzeptanz für sein großes Bauprojekt "Kreuzlinger Feld" bei den Germeringern zu erhöhen. Der Bauunternehmer lädt zu einem Pressegespräch in seine Firmenzentrale ins Allinger Gewerbegebiet - ein Novum in der Geschichte des Unternehmens. Gleich nebenan residiert die "Tortenfee" mit ihrem reichhaltigen süßen Angebot. Vilgertshofer hält ebenfalls eine süße Mitteilung für alle Germeringer bereit: Zwei Prozent Rabatt räumt er den Einheimischen auf den Kaufpreis einer Wohnung ein; und den Germeringern unterbreitet er das Angebot, sechs Wochen vor dem offiziellen Verkaufsstart "exklusiv ihre Wohnung auszusuchen".

Die zwei Prozent Kaufpreisminderung bekommen allerdings nur Germeringer, die bereits 18 Jahre vor Ort leben. Diese Bedingung stellt der Bauunternehmer. Mit dem Rabatt will Vilgertshofer auch seine besondere Verbundenheit mit Germering unterstreichen. "Ich selbst und meine Kinder sind dort zur Schule gegangen, so sind uns die Sorgen und Nöte nicht fremd", erklärt er. Etwa 1600 Menschen - so der jüngste Stand - werden auf dem riesigen Areal einmal in 750 Wohnungen ein neues Zuhause finden. Nach einem Gesamtausbau werden es über 2000 sein. Eine Grundschule, eine Kita und ein großer Supermarkt sind eingeplant.

"Wir wollen mal unsere Sicht der Dinge erklären", beginnt Vilgertshofer das Gespräch, und der ebenfalls anwesende Geschäftsführer Mario Schmölz nickt zustimmend dazu. Gab und gibt es doch viel Gegenwind gegen die Bebauung des Kreuzlinger Feldes. Besonders die eigens zur Verhinderung des Projekts gegründete Bürgerinitiative opponiert massiv. Zu großes Baugebiet, zu viele neue Bewohner, Verkehrs- und Parkchaos und fehlende Frischluftzufuhr sind die Hauptargumente der Bebauungsgegner.

Vilgertshofer kann eigentlich zufrieden sein, hat doch schon mal der Bauausschuss des Germeringer Stadtrates in der vergangenen Woche in der Vorberatung des Bauprojektes Wohnen alle diese Einwände der Bürgerinnen und Bürger mehrheitlich zurückgewiesen. Der Stadtrat mit der Mehrheitsfraktion CSU samt Oberbürgermeister Andreas Haas aus derselben Partei dürften das demnächst genauso sehen und den Bebauungsplan sicherlich absegnen. Trotzdem unterstreichen Vilgertshofer und Schmölz aus ihrer Sicht noch einmal die Vorteile des neuen Wohnquartiers: Kurze Wege zu Fuß und mit dem Fahrrad, "nahezu komplett autofrei an der Oberfläche", keine Reihenhaus- oder Doppelhausbebauung und damit "deutlich weniger Flächenversiegelung", eine breite Grünpromenade und sechs Innenhöfe - alles soll auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Sogar "Urban Gardening", also Gemeinschaftsgärten in jedem Innenhof, stellt Vilgertshofer in Aussicht. Ein besonderes Bonbon komme mit dem geplanten Nahversorger auf die Bewohner des ganzen Germeringer Westens hinzu, die seit Jahren keinen Supermarkt mehr in ihrer Nähe haben. "Die müssen dann nicht mehr mehrere Kilometer durch Germering fahren, um Produkte des täglichen Bedarfs einzukaufen", erläutert Mario Schmölz. "Damit wird sich auch der Verkehr reduzieren."

An der Alfons-Baumann-Straße gegenüber dem TSV-Sportzentrum könnten sich ein Café, ein Restaurant, aber auch ein Bäcker und ein Metzger ansiedeln. Auch ein Ärztehaus und eine Apotheke hält Vilgertshofer dort für machbar, ebenso "Räume zur bürgerschaftlichen Nutzung". Der Bauunternehmer ist sich sicher: "All dies kommt auch und gerade den Nachbarn zugute."

Das Kreuzlinger Feld wird nach eigener Aussage das größte Bauprojekt in der Vilgertshofer-Firmengeschichte werden. Den ersten Lageplan hatte der Vater von Thomas Vilgertshofer bereits 2007 vorgelegt. Der Sohn brachte einige Jahr später erstmals die 16 Grundstückseigentümer an einen Tisch. "2016 wurden die Verträge geschlossen", so der Firmenchef. Die Eigentümer der "Zirkuswiese", der etwa 15 bis 20 Meter breite Streifen an der Kreuzlinger Straße und zwei Grundstücke in der Nähe der Feuerwehr Unterpfaffenhofen gehören nicht oder noch nicht zum Umgriff des Bebauungsplanes. Das wird das Projekt jedoch nicht verhindern. Vilgertshofer rechnet mit einem Baubeginn im Jahre 2022 und einer Bauzeit von vier bis fünf Jahren.

Eine Sache ist ihm noch wichtig - die "Immissionsduldungsverpflichtung". Das bedeutet, dass jedem Eigentümer per Grundbucheintragung die Klagegrundlage genommen wird, gegen einen angeblich zu lauten Nachbarn rechtlich vorzugehen. Vilgertshofer nachdrücklich: "Ich wohne jetzt hier und der TSV ist mir zu laut, wird es nicht geben."

© SZ vom 28.09.2020

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