Gröbenzell:Zu viel Bevormundung

Gröbenzeller Grüne scheitern mit Antrag, bei Festen der Gemeinde nur Biofleisch anzubieten

Von Gerhard Eisenkolb, Gröbenzell

Darf eine Großgemeinde wie Gröbenzell ihre Bürger dazu verpflichten, bei beliebten Großveranstaltungen wie Marktsonntagen oder Bürger- und Starkbierfesten nur noch Fleisch oder Fleischprodukte aus biologischer Erzeugung oder zumindest aus artgerechter Haltung zu verzehren? Und sie damit zwingen, etwas Gutes für Tiere, die Umwelt und ihre eigene Gesundheit zu tun. Wie sehr eine solche, sicherlich berechtigte Grundsatzfrage polarisiert, war in den beiden Februarsitzungen des Gröbenzeller Gemeinderats zu erleben.

Es ging um die Vorreiterrolle und Vorbildfunktion einer Kommune - und um einen als "schwierig" bezeichneten Antrag der Grünen, mit einer solchen Vorgabe an Gastwirte, Vereine und andere Vertragspartner gemeindlicher Veranstaltungen einen Beitrag zum Tierschutz und gegen das Leid zu tun, das mit der Massentierhaltung einhergeht. Die Fair-Trade-Gemeinde Gröbenzell, so die Mehrheit von 18 zu fünf Gemeinderäten bei der Abstimmung, wird es weiterhin den Konsumenten überlassen, ob sie sich für Biofleisch oder die billigere Alternative aus der Massentierhaltung entscheiden wollen, sofern sie überhaupt die Auswahl haben.

Soll nämlich Bioware oder Fleisch aus artgerechter Erzeugung auf den Teller kommen - auch das war ein Ergebnis der kontroversen Debatte -, müsste der Gemeinderat künftig auf das gemeinsame Jahresessen in einem Gröbenzeller Lokal verzichten. Weil, so die einhellige Meinung, bisher noch kein Gastwirt so etwas im Angebot habe. Man kann allerdings schon jetzt seinen Grundsätzen treu bleiben und trotzdem ein solches Lokal besuchen. Bei der Frage, was sie sich beim letzten Jahresessen bei einem Griechen bestellt habe, ging die Antragstellerin und Umweltreferentin Monika Baumann (Grüne) ihren Kontrahenten nicht auf den Leim. Sie outete sich nicht als Mitschuldige am Tierleid und antwortete politisch korrekt und lächelnd: "einen Salat".

Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) beschwor angesichts des Ansinnens der Grünen sogar den Untergang der Gröbenzeller Festkultur herauf. Marktsonntage und Bürgerfeste werde es nicht mehr geben, sollten die Anbieter dazu verpflichtet werden, nur noch Biohendl zu verkaufen, sagte er. Grundsatzdebatten wie die über Biofleisch gewähren Einblicke in das Konsumverhalten von Kommunalpolitikern. So outete sich Schäfer, seine letzten Bio-Grillbratwürste bei Aldi eingekauft zu haben. Thomas Breitenfellner (CSU), der in Eichenau selbst ein Lokal betreibt, beteuerte, in seinem Haushalt würden "ausschließlich Bioprodukte" verzehrt. Trotzdem bewertete der Christsoziale das Ansinnen der Grünen als "Anschlag auf die Freiheit der Verbraucher, der Veranstalter, der Vereine und der Gastronomen". Deren Vorschlag verglich Breitenfellner mit dem ebenfalls früher mal geforderten Veggiday, der den Grünen viel Spott eingebracht hatte. SPD-Fraktionssprecher Peter Falk setzte ganz die soziale Karte. Er verwies darauf, dass es auch im reichen Gröbenzell Familien gebe, die sich ein halbes Festhendl zu einem Preis von 27 Euro nicht leisten könnten. Nicht einmal der Kompromissvorschlag von Brigitte Böttger (CSU), die Verwendung von Bioprodukten nur zu empfehlen, fand Unterstützer. Ebenso vergeblich wies Martin Runge (Grüne) darauf hin, dass es viele Vorgaben der Gemeinde für Feste gebe. So sei die Art von Teller und Besteck festgelegt worden.

© SZ vom 01.03.2017
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