bedeckt München

Gröbenzell:Vortrag mit Nachspiel

Coronakritisches Referat Thema im Gemeinderat

Von Ariane Lindenbach, Gröbenzell

Ein kurzes, aber pointiertes Nachspiel hat die Veranstaltung "Mit Weitblick durch die Krise" von voriger und dieser Woche am Donnerstagabend im Gemeinderat nach sich gezogen. Cordula Braun, Gemeinderätin in der UWG-Fraktion, hatte den Vortrag der Ärztin Birgit Hörger organisiert, die in Gröbenzell eine Praxis hat und in Olching schon auf den Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen gesprochen hat. Nun wollte Ingo Priebsch von den Grünen von ihr und der gesamten UWG-Fraktion wissen, wie sie zu den von Hörger verbreiteten Thesen stehe.

"Einmal abgesehen davon, dass Sie den Titel geklaut haben", sagte der ehemalige Bürgermeisterkandidat der Grünen und verwies auf eine Veranstaltung der Landtags-Grünen vor ein paar Monaten mit dem selben Titel. Doch die etwas peinliche, da mangelnde Sorgfalt bei der Vorbereitung offenbarende Doppelung nutzte Priebsch nur als Rampe für eine zugespitzte Frage. Er hatte vorab recherchiert und war bei der AfD fündig geworden. Die Landesvertretung der rechtspopulistischen Partei behauptete demnach unlängst in ganz ähnlicher Manier wie die Hausärztin aus Gröbenzell, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes zu einer erhöhten CO2-Konzentration im Blut führe und damit vor allen Dingen bei Kindern die körperliche, geistige und psychische Entwicklung gehemmt werde.

Das Bundesumweltamt hat klargestellt, dass diese Behauptung falsch ist. Priebsch fragte also bei der Gemeinderatssitzung nach der Haltung der Veranstalterin und der ganzen Fraktion zu den von Hörger geäußerten "Verschwörungstheorien". Dabei deklarierte er die Gröbenzeller UWG-Kommunalpolitiker provokant-scherzhaft als "AfD-Fraktion".

Bürgermeister Martin Schäfer, ebenfalls UWG- Mitglied, erklärte, die Organisatorin habe den Vortrag von Anfang an als Privatperson veranstaltet und das auch kommuniziert. "Das ist ganz klar gedeckt von der Meinungsfreiheit", sagte er. Er genehmige auch andere Veranstaltungen ohne deren Inhalte automatisch zu seiner eigenen Meinung zu machen.

Persönlich hätte er sich statt der öffentlichen "Diffamierung" ein Gespräch im kleinen Kreis gewünscht. "Ich distanziere mich ganz klar davon, dass man hier Leute öffentlich vorführt", sagte der Bürgermeister. Fraktionssprecherin Ursula Bauer sagte schließlich noch, "dass die Veranstaltungen nichts mit der UWG zu tun haben".

© SZ vom 24.10.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema