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Gröbenzell und Olching gegen neues Gleis:´´Für uns wäre das eine riesige Belastung``

Die Bürgermeister von Gröbenzell und Olching halten eine Bahnverbindung zwischen der Lindauer und der Augsburger Strecke für indiskutabel.

Peter Bierl

Die Bürgermeister von Gröbenzell und Olching lehnen eine Bahnspange von Eichenau nach Gröbenzell strikt ab. "Wir bekämen ein gigantisches dreistöckiges Brückenbauwerk mitten in Gröbenzell", sagte Dieter Rubenbauer (CSU). Sein Olchinger Amtskollege Andreas Magg (SPD) bezeichnete die Idee, die zwei Münchner entwickelt haben, als "völlig utopisch" und "auf keinen Fall diskussionswürdig". Magg stört, dass eine solche Umgehung des Engpasses bei Pasing über Olchinger Flur verlaufen würde.

Um einen Zehn-Minuten-Takt auf der S 4 möglich zu machen, müssten Güterzüge diese Strecke meiden. Ein Extra-Gleis soll dies möglich machen, schlägt ein Verkehrsplaner vor.

(Foto: Günther Reger)

Magg und Rubenbauer reagierten auf das Modell von Thomas Kantke und Stefan Baumgartner, das ein Gleis von Eichenau nach Gröbenzell sowie einen viergleisigen Ausbau zwischen Buchenau und Grafrath vorsieht und einen durchgehenden Zehn-Minuten-Takt auf der S4 erlauben soll. "Ich möchte auch, dass sich die Situation auf der S4 verbessert, aber nicht so", sagte Magg der SZ. Denn die Trasse würde auf der gesamten "Südflanke" quer durch das Gemeindegebiet Olchings verlaufen.

Rubenbauer kritisiert in erster Linie eine Brücke, die notwendig wäre, um die zwei neuen Gleise, auf denen Regionalzüge fahren sollen, über die viergleisige Augsburger Strecke zu führen und auf deren nördliches Gleis einzufädeln. Nach Ansicht des Gröbenzeller Bürgermeisters würde dieses Brückenbauwerk etwa dort entstehen, wo der Ascherbach durch eine kleine Unterführung unter dem Bahndamm fließt. Zuvor würden die Bahngleise über die Ascherbachwiese zwischen dem Olchinger See und Gröbenzeller Wohngebiet verlaufen.

"Für uns wäre das eine riesige Belastung und nicht akzeptabel", sagte Rubenbauer der SZ.

Nach Angaben Rubenbauers hätten Vertreter des Ingenieurbüros Vieregg & Rößler aus München ihm ein ähnliches Projekt schon vor einigen Jahren angedeutet. Er habe daraufhin sofort bei der Bahn AG beantragt, die Trasse, die in den 1940er Jahren als Teil einer Umgehung für Güterzüge ausgewiesen worden war, im Gröbenzeller Bereich als Verkehrsfläche zu entwidmen. "Das ging ganz schnell", erzählte Rubenbauer und empfahl den Olchinger Nachbarn, genauso vorzugehen.

Auf der alten Trasse wurden während des Krieges bereits teilweise ein Bahndamm aufgeschüttet und Gleise verlegt, die Strecke aber nie in Betrieb genommen. Laut Gröbenzeller Bürgermeister handelt es sich heute um ein Landschaftsschutzgebiet mit "extrem seltener Flora und Fauna".

Sowohl Rubenbauer als auch Magg übten scharfe Kritik an dem Gröbenzeller Grünen-Landtagsabgeordneten Martin Runge, der den Vorschlag als diskussionswürdig vorgestellt hatte. "Was Runge reitet, weiß ich nicht. Er hat den ganzen Landkreis-Osten im Kopf, aber nicht Gröbenzell". Magg bekundete "enormes Unverständnis". Runge hatte jedoch betont, dass die Belange Gröbenzells und Olchings berücksichtigt werden müssten.

Verkehrsplaner Thomas Kantke wies die Kritik Rubenbauers zurück. Das neue Gleis ab der Roggensteiner Kurve bei Eichenau würde sich drei Kilometer vor Gröbenzell gabeln. Die wenigen Güterzüge würden geradeaus fahren und über die Augsburger Strecke zum Güterverkehrs-Nordring gelangen. Für die Regionalzüge müsste nicht mitten in Gröbenzell sondern einen Kilometer nordwestlich davon eine Brücke gebaut werden, die zwei- und nicht dreistöckig ausfallen würde.

© SZ vom 13.05.2011

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