Gröbenzell:Spielplätze ohne Fehl und Tadel

Gröbenzell: Ohne Mängel: Hans Fendt (links), Katharina Bader und Helmut Berger inspizieren das ein Jahr alte Kombigerät.

Ohne Mängel: Hans Fendt (links), Katharina Bader und Helmut Berger inspizieren das ein Jahr alte Kombigerät.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Bei der diesjährigen Begehung äußern Bürger keinerlei Wünsche

Von Ariane Lindenbach, Gröbenzell

Wunschlos glücklich scheinen die Gröbenzeller derzeit mit ihren Kinderspielplätzen zu sein. Zur alljährlichen Begehung am Mittwochnachmittag jedenfalls ergreift kein Kind, Jugendlicher oder Erwachsener die Möglichkeit, Wünsche und Anregungen zu äußern. Sonst gibt es manchmal ganz konkrete Forderungen des Nachwuchses, beispielsweise nach einer Torwand oder aber auch Anregungen seitens Erwachsener, etwa das Gelände einzuzäunen, um Hunde fernzuhalten.

Doch an diesem Nachmittag bleiben Katharina Bader vom Umweltamt des Rathauses und Hans Fendt vom Bauhof weitgehend unter sich, wenn man einmal die Anwesenheit des noch neuen Referenten für Vereine, Helmut Berger, und der Presse außer Acht lässt. Bader und Fendt sind ein eingespieltes Team. Er kümmert sich um die Wartung und Instandhaltung, sie ist für den regelmäßigen Austausch der Geräte verantwortlich. Für den Kinderspielplatzwart Fendt ist es die letzte Begehung seiner Berufslaufbahn. "Im nächsten Jahr, da bin ich schon in Rente", lächelt er. "Ein Verlust", sagt Bader prompt.

Und sie ergänzt, welch unschätzbaren Wert für den Zustand der Spielplätze seine Tätigkeit hat. Denn es ist nicht sehr übertrieben, zu behaupten, Fendt kenne jede locker sitzende Schraube an jedem der 15 gemeindeeigenen Plätze. Denn mindestens einmal in der Woche besucht er sie alle, überprüft die Geräte auf Standfestigkeit und Funktionsfähigkeit. "Da könnt' was rausstehen oder wegstehen. Oder es wurde gezündelt", zählt er häufige Probleme auf. Auch Scherben und Zigarettenkippen, häufige Hinterlassenschaften Jugendlicher, die sich ebenfalls gerne an den Spielplätzen treffen, weil sie dort ungestört sind, muss der Spielplatzwart immer wieder beseitigen. Solange das nicht überhand nimmt, zeigt er sogar noch ein gewisses Verständnis dafür - schließlich bräuchten die auch irgendwo einen Platz, an dem sie sich ungestört treffen können.

Aber wenn es dann solche Ausmaße annimmt, wie gelegentlich am Spielplatz am Freizeitheim, dann trifft das Fendt und auch Bader schon hart. Der ist nämlich bei den Jugendlichen sehr beliebt, da er von Büschen umgeben ist. Ein Ereignis, das das Duo fast schon persönlich getroffen hat, war eine komplett angekokelte Bodenplatte an der damals neuen Rutsche. "Die war gerade mal zwei Wochen alt", sagen die beiden fast gleichzeitig und man hört die Enttäuschung heraus, über die Entwertung der eigenen Arbeit und über die Ignoranz gegenüber den Nutzern der Geräte, den Kindern. Fendt behob das Problem damals mit einer Metallplatte. Die ist auch zwei Jahre danach noch komplett intakt.

Erneuert worden ist laut Bader in diesem Jahr das Holzhäuschen, im letzten Jahr das Kombigerät mit Hängebrücke zum Klettern und Rutschen. Wie sie betont, konnte sie das Spielgerät bei der selben Firma bestellen, von dem der Vorgänger stammte. Das ist nicht nur deshalb erfreulich, weil man in Gröbenzell gute Erfahrungen mit dieser Firma gemacht hat und sie auch vieles mit Holz anbietet, dem im Gröbenzell bevorzugten Material. Es kann auch Geld und Ressourcen schonen, da man bei geschickter Auswahl auf ein neues Fundament verzichten kann, was wiederum eine kostspielige Entsorgung des Betons unnötig macht, wie Bader erläutert.

Etwa 15 Jahre überleben die Rutschen, Klettergeräte und Schaukeln, abhängig von ihrer Nutzung, der Witterung sowie den Attacken der Menschen. An einer Schaukel, deren Gerüst mit dicken Seilen im Boden verankert ist, entdeckt Bader einen kleinen Riss, keinen Zentimeter lang. Das habe wohl jemand mit einem Messer traktiert, sagt Fendt nach einem kurzen Blick darauf. Und beruhigt seine Kollegin, die schon darüber nachdenkt, ob allein die Seile ausgetauscht werden könnten. Fendt erklärt ihr, dass das Innere aus dicken Stahlseilen besteht, die nur von Stoff überzogen sind, und von diesem Gerät keine Gefahr ausgeht. Dann steigen die beiden in den kleinen, orangefarbenen Lastwagen und steuern gleich den nächsten Spielplatz an.

© SZ vom 23.07.2021
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