SanierungsstauVernachlässigter Kindergarten

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Der Kindergarten im Kinderhaus St. Johann Baptist ist marode. Wie es mit der Einrichtung weitergeht, ist ungewiss.
Der Kindergarten im Kinderhaus St. Johann Baptist ist marode. Wie es mit der Einrichtung weitergeht, ist ungewiss. (Foto: Johannes Simon)
  • Der katholische Kindergarten in Gröbenzell ist marode und dringend sanierungsbedürftig, Küche und Turnhalle wurden bereits geschlossen.
  • Die Kirche als Träger favorisiert einen Neubau statt einer Sanierung, doch die Verhandlungen mit der Gemeinde ziehen sich seit Jahren hin.
  • Bürgermeister Schäfer, der bei der Kommunalwahl nicht mehr antritt, verweist auf fehlende Zuständigkeit für fremde Liegenschaften.
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In Gröbenzell ist die katholische Kita seit längerer Zeit dringend sanierungsbedürftig. Küche und Turnhalle wurden bereits geschlossen. Die Kirche will das in die Jahre gekommene Haus durch einen Neubau ersetzen. Doch die Verhandlungen mit der Gemeinde werden zur Hängepartie.

Von Gerhard Eisenkolb, Gröbenzell

In den Anfangsjahren der 1952 gegründeten Gemeinde Gröbenzell war der katholische Kindergarten eine der maßgeblichen Einrichtungen für das Zusammenwachsen und das Miteinander in der jungen, familienfreundlichen Gemeinde. Trotz dieser Tradition und obwohl die Kirchenstiftung St. Johann Baptist als Träger die Kita unbedingt erhalten will, ist deren Zukunft zurzeit ungeklärt. Der Grund ist der marode Zustand des in die Jahre gekommenen Kindergartengebäudes. Laut dem Ordinariat lohnt sich eine Generalsanierung nicht. Deshalb favorisiert die Kirche einen Neubau. Aber die Verhandlungen mit der Gemeinde über das Projekt sind zu einer Hängepartie geworden.

Während es im Hortgebäude keine größeren Baumängel gibt, wie die Pressestelle des Ordinariats auf Anfrage erklärt, besteht nach deren Angaben für den Kindergarten im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit und die Aufrechterhaltung des Betriebs ein baldiger Handlungsbedarf. Um Abhilfe zu schaffen, verhandeln seit Längerem Kirchenvertreter mit der Gemeinde beziehungsweise dem Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) über die Zukunft des Kinderhauses St. Johann Baptist. Ein Ergebnis, wie es mit dem Kindergarten weitergehen soll, gibt es noch nicht.

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Die Frage zum Stand der Gespräche beantworteten weder der Rathauschef noch das Ordinariat. Beide Seiten berufen sich dabei auf die Vertraulichkeit der Verhandlungen. Im Gemeinderat wurde das Thema bisher nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit behandelt. Deshalb sind auch dessen Mitglieder zum Schweigen verpflichtet.

Weil sich die Gespräche trotz des dringenden Handlungsbedarfs schon über Jahre hinziehen, ohne dass Verbesserung in Sicht ist, reagieren einige Gemeinderäte inzwischen mit Unmut und Unverständnis. Peter Falk, der Vorsitzende der SPD-Fraktion, hat nach eigenem Bekunden den Eindruck gewonnen, es bestehe inzwischen die Gefahr, dass das katholische Kinderhaus irgendwann schließen müsse, also untergehe. Sollte das passieren, wäre das eine Folge der Untätigkeit des Bürgermeisters, der bereits seit fünf Jahren in dieser Sache verhandle.

So musste die vom Sommerhochwasser 2024 in Mitleidenschaft gezogene Turnhalle bereits gesperrt werden. Die Kindergartenküche ist ebenfalls seit längerer Zeit stillgelegt. Seither liefert ein Caterer das Essen. Auch das Landratsamt, das die Kindergartenaufsicht innehat, bestätigt, dass das 1965 in der Nähe des Gröbenbachs in einfacher Bauweise errichtete Gebäude sanierungsbedürftig ist.  Das betreffe beispielsweise Böden und Fenster sowie einzelne Wände, an denen sich Feuchtigkeit bilde.

Das Hortgebäude weist laut Kirchenverwaltung im Gegensatz zum Kindergarten keine großen Mängel auf.
Das Hortgebäude weist laut Kirchenverwaltung im Gegensatz zum Kindergarten keine großen Mängel auf. (Foto: Johannes Simon)

Das Landratsamt weist auf Anfrage darauf hin, „dass im Fall von Wasserschäden mit Schimmelbildung oder anderen hygiene- oder sicherheitsrelevanten Schäden unter Umständen einzelne Gruppenräume oder auch die gesamte Einrichtung unverzüglich geschossen werden“ müssten. Vor einem Jahr habe ein Architekt des Ordinariats dem Landratsamt schriftlich bestätigt, dass er bei einer Besichtigung „keine Problematik feststellen konnte, die die betreuten Kinder gefährden würde“. Die Betriebserlaubnis für das Kinderhaus sei weder befristet, noch sei bisher deren Aufhebung von Seiten der Kindertagesstätten-Aufsicht angedroht worden. Allerdings kündigt die Aufsichtsbehörde an, sich anlässlich der SZ-Anfrage demnächst bei einer Begehung ein Bild über den Bauzustand zu machen.

Laut Ordinariat trägt die Gröbenzeller Kirchenstiftung nicht nur einen großen Teil des Defizits ihrer Einrichtung. Sie hat in den vergangenen Jahren zudem auf ihre Kosten mit der Prüfung und Planung einer Sanierung beziehungsweise eines Neubaus die Voraussetzung für eine Entscheidung geschaffen. Offensichtlich brachte auch das die Verhandlungen nicht voran. Während die Kirche einen Neubau auf ihrem Grundstück favorisiert, drückt sich der Bürgermeister um die Beantwortung der Frage, welche Lösung er bevorzuge. Stattdessen verweist er darauf, dass die Gemeinde Gröbenzell „keinen Einfluss auf fremde Liegenschaften“ habe. Auch zum Handlungsbedarf sagt Schäfer nichts. Seine Begründung: Beim Kita-Gebäude handle es sich um das Eigentum eines „externen Trägers“ sei. Da der Rathauschef bei der Kommunalwahl nicht mehr antritt, gilt es als unwahrscheinlich, dass bis zum Ende seiner Amtszeit im Frühling 2026 noch eine Entscheidung fällt.

Von den im Haus betreuten Kindern sind etwa zehn Prozent katholisch

Über die Gründe, warum die Verhandlungen stocken, lässt sich nur spekulieren. Es liegt auf der Hand, dass ein Neubau oder eine Sanierung des Kindergartens mit vier Gruppen einen höheren einstelligen Millionenbetrag kosten dürfte. Erschwerend kommt hinzu, dass das etwa 8000 Quadratmeter große kirchliche Grundstück im Hochwasserschutzgebiet liegt. Nach unbestätigten Informationen soll der Träger dazu bereit sein, das Areal der Gemeinde in Erbpacht zu Vorzugskonditionen zur Verfügung zu stellen. Dieses angebliche Angebot ist wohl an die Bedingung geknüpft, dass der Neubau nicht von der Kirchenstiftung errichtet wird, diese aber weiterhin Träger der Kita bleibt.

Zur Alternative Erbpacht nimmt das Ordinariat nicht Stellung. Man strebe jedoch an, dass in Gröbenzell weiterhin Kindern unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit und ihrem kulturellen Hintergrund in einer katholischen Kita die Möglichkeit geboten wird, ihre Persönlichkeit auf der Basis des christlichen Menschenbildes zu entfalten. Zurzeit sind etwa zehn Prozent der im Haus betreuten Kinder katholisch.

Etwa 100 Kitaplätze können laut Ulrike Breitkopf (CSU), der Kindergartenreferentin des Gemeinderats, in Gröbenzell wegen des Mangels an Betreuungskräften zurzeit nicht vergeben werden. Trotzdem sei es in diesem Herbst gelungen, allen Elternwünschen nach einem Platz nachzukommen. Das sei nicht die Regel. In Gröbenzell habe es immer große Probleme gegeben, genügend Plätze zur Verfügung zu stellen. Allerdings weiß die Referentin nicht, wie viele Gröbenzeller in diesem Kindergartenjahr ihren Nachwuchs in einer Nachbargemeinde untergebracht haben. Das katholische Kinderhaus hält sie für eine wichtige und beliebte Einrichtung, mit der die Gemeinde schon sehr lange und vor allem immer gut zusammengearbeitet habe.

In dieser aktualisierten Fassung wurde ein Zitat von Bürgermeister Martin Schäfer korrigiert. Schäfer hat nicht behauptet, die Gemeinde Gröbenzell sei nicht zuständig.

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