Süddeutsche Zeitung

Gröbenzell:Kindergarten-Rücklagen für Kirchenumbau

Der Umbau der Zachäuskirche ist teuer. Eltern fürchten nun, wegen der Pläne höhere Gebühren für evangelische Kindergärten zahlen zu müssen.

Müssen die Eltern ab September höhere Gebühren für die evangelischen Kindergärten von Gröbenzell bezahlen, damit genug Geld für den Umbau der Zachäuskirche vorhanden ist? Diese Frage möchten die Mitglieder der evangelischen Gemeinde vom Kirchenvorstand beantwortet haben. Sie fordern nicht nur Aufklärung über die Finanzierung des 180.000 Euro teuren Umbaus, sondern wollen überdies erreichen, dass der Vorstand seine Entscheidung für die umstrittene Planung zurücknimmt.

"Der Kirchenvorstand hat sich nicht an das Votum der Gemeindeversammlung gehalten, als er in nichtöffentlicher Sitzung die Entscheidung getroffen hat", sagte Max Stadelmann, der bei einer Pressekonferenz die Meinung der Gemeinde vertrat. Die Gemeindeglieder hatten den jetzt vom Kirchenvorstand beschlossenen Entwurf des Architekten Stefan Köppel abgelehnt und sich für einen eigenen entschieden.

Da die Zachäuskirche den Umbau des Altarraums ohne Zuschuss der Landeskirche finanzieren muss und derzeit dafür nur 100.000 Euro zur Verfügung stehen, sollen die fehlenden 80.000 Euro teilweise über Spenden finanziert werden. Der Rest soll den Rücklagen für die Kindergärten entnommen werden. Stadelmann und seine Mitstreiter gehen davon aus, dass nach der Vorstandsentscheidung weitaus weniger Protestanten bereit sind zu spenden. Deshalb müsse der Kindergartentopf zwangsläufig angezapft werden.

Dass es einen Zusammenhang zwischen den Rücklagen und den Kindergartengebühren gibt, wies Corinna Westphal, die im Kirchenvorstand für die Kontakte zu den Medien zuständig ist, zurück. Die Entscheidung, die Gebühren für die beiden von der evangelischen Kirche betriebenen Kindergärten (Arche Noah und Zachäus) an die gemeindlichen Gebühren anzupassen, sei viel früher gefallen als die für den Umbau. Westphal wirft den Kritikern vor, unsachlich zu argumentieren.

Aus den Rücklagen für die Kindergärten würden ihres Wissens nach nur etwa 40.000 Euro benötigt. "Sonst müssten wir das Geld von der Bank holen." Es sei genau geprüft worden, ob die Rücklagen für die Kindergärten benötigt werden, auch die jeweiligen Leiterinnen hätten keine Ansprüche geltend gemacht. Das Geld werde als zinsloses Darlehen intern übertragen und im Laufe von zehn Jahren wieder zurückgezahlt. Frühere Kirchenvorstände hätten Rücklagen für das Kirchengebäude gebildet, so dass heute 100.000 Euro für den Umbau zur Verfügung stünden. Weitere 20.000 Euro kämen aus Überschüssen, es werde mit etwa 17.000 Euro an Spenden gerechnet. "Das ist unserer Erfahrung nach die übliche Summe."

Den Vorwurf von Stadelmann und Co., die Entscheidung über den Entwurf des Architekten Köppel sei undemokratisch gewesen, wollte Westphal nicht stehen lassen. Der Kirchenvorstand habe das letzte Mal nichtöffentlich getagt, weil "in aller Offenheit über den Zustand der Gemeinde gesprochen werden sollte, wobei auch Namen genannt wurden", sagte die Pressesprecherin.

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SZ vom 30.07.2010/sonn
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