BürgermeisterwahlkampfReichlich Aufgaben auf dem Gröbenzeller Weg

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Podiumsgespräch der Gröbenzeller Bürgermeisterkandidaten (von links): Gregor von Uckermann (SPD), Daniel Holmer (Grüne), Moderator Thomas Breitenfellner, Alisa Riechmann (FDP), Jens Wäcken (CSU) und Claudia O'Hara-Jung (UWG).
Podiumsgespräch der Gröbenzeller Bürgermeisterkandidaten (von links): Gregor von Uckermann (SPD), Daniel Holmer (Grüne), Moderator Thomas Breitenfellner, Alisa Riechmann (FDP), Jens Wäcken (CSU) und Claudia O'Hara-Jung (UWG). (Foto: Johannes Simon/Johannes Simon)
  • Fünf Kandidaten bewerben sich um das Bürgermeisteramt in Gröbenzell, bei einer Podiumsdiskussion mit geschätzt 500 Gästen wurden die großen Herausforderungen deutlich.
  • Die Gemeinde muss ihre Finanzen konsolidieren, das Rathaus personell aufstellen und seit Jahrzehnten geplante Projekte zur Ortsmitte endlich umsetzen.
  • UWG-Kandidatin O'Hara-Jung distanzierte sich überraschend klar von Bürgermeister Schäfer und kündigte einen anderen Stil an.
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Zwei Frauen und drei Männer bewerben sich um den Bürgermeistersessel in Gröbenzell. Bei der Diskussion der Kandidaten werden die Herausforderungen deutlich, mögliche Lösungen weniger.

Von Gerhard Eisenkolb, Gröbenzell

Eingesessene Gröbenzeller sind als Lokalpatrioten stolz darauf, etwas Besonderes zu sein. Deshalb geht man gelegentlich in der Kommunalpolitik eigenwillige Wege, wofür der Begriff des „Gröbenzeller Wegs“ steht. Diese für die Gemeinde typische Gemengelage prägte am Donnerstagabend die Podiumsdiskussion im Saal des Stockwerks mit den fünf Bewerbern für das Bürgermeisteramt. Das Interesse war riesig, weil der Amtsinhaber nicht mehr antritt. Mehr als eine halbe Stunde vor Beginn gab es nur noch Stehplätze, an der Bar und im Foyer sowie hinter und zwischen den 360 Stühlen. Als bei geschätzt annähernd 500 Gästen fast kein Durchkommen mehr gab, wurde wegen Überfüllung geschlossen.

Für Gröbenzeller Maßstäbe war der Moderator Thomas Breitenfellner eine Idealbesetzung. Das lag an seinem Stil. Ihm gelang es, eine kurzweilige, unterhaltsame Debatte zu inszenieren. Der ehemalige Kommunalpolitiker, der sich 2014 selbst für die CSU um das Amt des Bürgermeisters beworben hatte und es entgegen seinen Hoffnungen nur in die Stichwahl brachte, ging die Gesprächsleitung mit Hinweisen wie „die Bühne lebt von Emotionen“ gewitzt und frech an. So erreichte der inzwischen erfolgreiche Eventmanager und Unternehmer, dass die Bewerber respektvoll und fair miteinander umgingen und keine aggressive Stimmung aufkam. Auch nicht im Publikum, das immer wieder begeistert applaudierte.

Daniel Holmer, Kandidat der Grünen.
Daniel Holmer, Kandidat der Grünen. (Foto: Johannes Simon)

Breitenfellner hätte nicht moderiert, wenn ihm nicht andere signalisiert hätten, dass er als ehemaliger politisch ambitionierter Gröbenzeller, der es bis zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Jungen Union gebracht und der vergeblich ein Landtagsmandat angestrebt hatte, als Gesprächsleiter akzeptiert wird. Da der Unternehmer seit 20 Jahren Wahlkämpfe managt, weiß er, worauf es ankommt. So gelang es ihm zwar, in der Debatte den über Jahre in der Gemeinde hart geführten Kontroversen die Schärfe zu nehmen. Aber wer auch immer von den fünf Bewerbern die Wahl gewinnt, hat herausfordernde Aufgaben zu lösen.

Gregor von Uckermann, Kandidat der SPD.
Gregor von Uckermann, Kandidat der SPD. (Foto: Johannes Simon)

Es gilt erstens, die Gemeindefinanzen zu konsolidieren. Zweitens das Rathaus personell so aufzustellen, dass die Verwaltung dazu befähigt wird, ihre Aufgaben zu erfüllen. Drittens, nicht weiter am laufenden Band Konzepte wie beispielsweise seit Jahrzehnten zur Gestaltung der Ortsmitte zu beschließen, deren Umsetzung im Sand verläuft. Weshalb die CSU 2024 dem Vorgänger von Schäfer wegen Untätigkeit die Gefolgschaft verweigert hatte, auf Breitenfellner setzte und die Wahl verlor. Und viertens, im Gemeinderat Gräben zu überwinden und ein kollegialeres Arbeitsklima zu schaffen.

Zur Finanzsituation wies Daniel Holmer, Kandidat der Grünen und Finanzreferent des Gemeinderats, unwidersprochen darauf hin, dass wiederholt „unrealistische Haushalte“ verabschiedet worden seien. Laut ihm waren im vergangenen Jahr 20 Prozent der Stellen in Rathaus unbesetzt, was beim Personal zu Minderausgaben von 2,5 Millionen Euro führte. Weshalb der Grüne Einschnitte wie die Kürzungen beim Sozialdienst oder die Erhöhung der Kindergartengebühren sowie der Grund- und Gewerbesteuer für unnötig hielt. Holmer versprach eine solide Haushaltsführung.

Jens Wäcken, Kandidat der CSU.
Jens Wäcken, Kandidat der CSU. (Foto: Johannes Simon)

Den CSU-Bewerber Jens Wäcken störten die sich über Jahrzehnte hinziehenden Um- und Neuplanungen für die Gestaltung der Ortsmitte in der Kirchen- und Bahnhofstraße. Er riet dazu, künftig nur einmal zu planen und das Vorhaben dann umzusetzen. Er kritisierte, dass der Gemeinderat Ende Januar wieder einmal über ein modifiziertes Konzept für die Kirchenstraße beraten soll, aber die Gemeinderäte wieder „blind“, also uninformiert, in die Sitzung gehen müssen, weil ihnen immer noch nicht die neuen Planungsunterlagen vorlägen.

Claudia O'Hara-Jung, Kandidatin der UWG.
Claudia O'Hara-Jung, Kandidatin der UWG. (Foto: Johannes Simon)

Dies konterte dritter Bürgermeister und SPD-Kandidat Gregor von Uckermann mit dem Verlesen der Forderungen zur Kirchenstraße aus dem CSU-Wahlprogramm von vor sechs Jahren und sagte: Was da steht, geht jetzt laut CSU nicht mehr. Das sei „unseriös“. Wäckens Antwort: „Wir sind sechs Jahre weiter“ und „ein Wahlprogramm ist ein Wahlprogramm“, löste im Publikum Gelächter aus. Worauf Uckermann auf das anspielte, was viel dachten: „Wir können uns nicht auf die Bühne stellen und sagen, was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“.

Dieser Schlagabtausch blieb die Ausnahme. Zur Personalführung im Rathaus versuchte Wäcken mit seinen Erfahrung als Offizier der Luftwaffe im Umgang mit Angestellten und Beamten zu punkten. Sein Hinweis, mit Überwachungskameras einen Beitrag für mehr Sicherheit zu leisten, stieß im Publikum und bei Claudia O’Hara-Jung, der Kandidatin der Unabhängigen Wählergruppierung (UWG) von Bürgermeister Schäfer, auf Widerspruch.

Alisa Riechmann, Kandidatin der FDP.
Alisa Riechmann, Kandidatin der FDP. (Foto: Johannes Simon)

Überrascht zeigten sich einige im Publikum davon, wie klar sich just die UWG-Kandidatin, die Schäfer beerben will, von diesem distanzierte. Die Frage, wie sehr sie sich dem Bürgermeister verpflichtet fühle, beantwortete sie nach einer siebenjährigen Auszeit in Spanien, wo die Rechtsanwältin unter anderem als Yogalehrerin arbeitete, mit dem Hinweis: „Wir sind sehr verschieden.“ Sie werde ihr Ding machen, einen anderen Stil prägen und anders kommunizieren. Vor allem möchte sie Entscheidungen mutig umsetzen.

Für die FDP bewirbt sich Alisa Reichmann, 29, um das Bürgermeisteramt. Sie präsentierte sich als Wirtschaftsliberale. Die Unternehmensberaterin arbeitet im Politikbereich und setzt auf Wirtschaftsförderung und die Ansiedlung von Unternehmen.

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