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Gröbenzell:Internationalität ist Trumpf

Beim ersten Fest "Gröbenzell ist bunt" herrscht großer Andrang an den vielen Ständen mit Köstlichkeiten und Kostbarkeiten aus fremden Ländern

Von Karl-Wilhelm Götte

Bunt ist jede Gemeinde gerne. Auch Gröbenzell hatte jetzt noch einmal durchgezählt und festgestellt, dass Menschen aus 99 Nationen im idyllischen Gartendorf leben. Beim ersten interkulturellen Fest waren nicht Menschen aller 99 Länder vertreten, aber bunt genug war es am Samstag auf jeden Fall. Die angestammten deutschen Bürger zeigten sich neugierig und kamen zuhauf zum Fest auf und neben dem Rathausplatz. Das dichte Gedränge der Menschen ließ Cheforganisatorin und Gemeinderätin Cordula Braun (UWG) natürlich noch mehr strahlen, als sie es schon sonst immer tut. Auch die Sonne strahlte und animierte die vielen Besucher, länger zu verweilen, um vor allem auch die Köstlichkeiten aus aller Welt zu probieren.

Auf der Bühne tanzen gerade junge Mädchen einen ukrainischen Tanz. Nach einem vietnamesischen Fächergesang folgt der Unterstufenchor des Gröbenzeller Gymnasiums. Ein buntes Programm halt. "Wir sind sehr überrascht von Gröbenzell", sagt Sven Petzel. Überrascht ist er, wie schnell er sich und seine Familie am Ort eingelebt hat. Der 38-jährige Informatiker ist vor einem Jahr von Irland nach Gröbenzell umgezogen. Seine Frau, Justyna Grabowska, 38, ist Polin und hat für den Stand einen Krakauer Käsekuchen gebacken. Neben dem Käsekuchen hat Grabowska auch ein kleines Bildungsprogramm für die Besucher aufgebaut.

"Berühmte polnische Leute" heißt die Überschrift über den Plakaten mit Kurzbiografien von Polen. Einer davon, Lukas Podolski, ist ein berühmter Deutscher geworden. Der Vorname des Fußballers aus Gliwice schreibt sich auf Polnisch Lukasz Jósef. Neben dem Komponisten Fryderyk Chopin prangt das Gesicht von Marie Curie. Ja, auch sie war Polin, wurde in Warschau geboren und hieß Maria Sklodowska, ehe sie in Paris den Wissenschaftler Pierre Curie heiratete. Sie untersuchte die Strahlungen von Uranverbindungen und prägte den Begriff "radioaktiv". Dafür bekam sie 1911 den Chemie-Nobelpreis, zuvor 1903 auch schon den Physik-Nobelpreis.

Justyna Grabowska arbeitet ebenfalls als Physikerin, deshalb kommt die Verehrung für Curie nicht überraschend. Sven Petzel ist schon jetzt überzeugt, mit dem Wohnort Gröbenzell die richtige Wahl getroffen zu haben. Auch die Chinesin Hefei Huang glaubt das schon lange. Seit zehn Jahren lebt sie in Gröbenzell und ist mit einem Deutschen verheiratet. Hefei Huang gibt Chinesisch-Unterricht und betreibt die Sprachschule Huang. Beim interkulturellen Fest schreibt sie deutsche Namen auf Chinesisch auf und fügt ganz offiziell einen roten Stempel dazu. "Leonie" sieht auf Chinesisch, weil gleich vier Vokale vorkommen, ziemlich lang aus. Dafür besteht "Karl" auf Chinesisch nur aus einem K und einem A. "Einen oder sogar zwei Konsonanten nach einem Vokal schaffen wir Chinesen nicht", erklärt sie bedauernd.

Gröbenzell: GRÖBENZELL IST BUNT - Interkulturelles Fest der Gemeinde

Auch für das leibliche Wohl war bestens gesorgt.

(Foto: Johannes Simon)

An den Tischen vor der Bühne haben sich inzwischen immer mehr Besucher eingefunden. Großen Applaus gibt es für die Tango-Argentino-Vorführung von Alfredo Foulkes und Yvonne Wiesenfeld, die in Gröbenzell Tangokurse geben. Gleich danach der bunte Wechsel zum amerikanischen Line Dance. "Volles Haus - wie immer in Gröbenzell", kommentiert Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) das quirlige Treiben sichtlich zufrieden. Er manövriert gerade sein großes Lasten-Fahrrad durch die Menge, womit am Morgen Geschirr für das Fest zum Rathausplatz transportiert hatte. Auch Lilo Nitz lächelt zufrieden. Die Leiterin des Arbeitskreises Asyl beobachtet, wie afghanische Männer von ihren Frauen gebackene "Bolami", gefüllte Teigtaschen, und "Köfte", Hackfleischbällchen, verkaufen. Nitz hat die Flüchtlinge gebeten, den Stand zu machen.

Gegenüber schenken zwei Äthiopierinnen, Lilly und Niza, Biokaffee aus. Die irakischen Familien Altaie und Hussein bieten "Dolma" an. Das sind Zwiebeln, die mit Reis und Hackfleisch gefüllt sind. "Die Menschen sind nett und aufgeschlossen", sagt Omar Altaie. Mit Frau und zwei Kindern lebt er seit drei Jahren in Gröbenzell. Gegenüber werben Waldorfschüler für den Verkauf ihrer Macadamia-Nüsse, die von Bauern aus Kenia produziert werden. Das Paket kostet 12,50 Euro. "2,50 Euro sind für uns", erklärt Felix Vetter, der zusammen mit Gabriel Becker und Raffael Böhm am Stand steht. Damit und mit anderen Aktivitäten finanzieren die 16-jährigen Schüler ihre Reise nach Kenia, um dort demnächst vier Wochen lang die Bauern bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

Auf der Konzertbühne geht es unterdessen Schlag auf Schlag und in jedem Fall bunt gemischt weiter. Die Schulband der Waldorfschule löste gerade den irakischen Volksgesang ab. Mit einem Salsa-Kurs geht das Fest "Gröbenzell ist bunt" schließlich zu Ende.

© SZ vom 20.06.2016
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