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Gröbenzell:Hochwasserschutz verzögert Straßenausbau

Noch immer keine Fortschritte macht die Sanierung der Straße von Gröbenzell nach Lochhausen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Eigentlich sollte die Verbindung zwischen Gröbenzell und Lochhausen bereits vor vier Jahren erneuert und verbreitert werden. Doch dann kam der Wunsch nach einem zweiten Radweg. Und das Überschwemmungs­risiko

Von Ariane Lindenbach, Gröbenzell

Schlaglöcher und Bodenwellen, fünfeinhalb Meter Straßenbreite und nur ein gemeinsamer Geh- und Radweg an einer Seite: Was nach einer unbedeutenden, mäßig frequentierten Straße im weniger besiedelten westlichen Landkreis klingt, ist tatsächlich eine viel befahrene Verbindung nach München. Die Lochhausener Straße führt von Gröbenzell in den nach ihr benannten Münchner Stadtteil, etwa 28 000 Fahrzeuge täglich befahren sie. Die jüngsten Zahlen stammen aus dem Jahr 2017. Dabei ist die Staatsstraße mit der Nummer 2345 in desolatem Zustand. Seit Jahren schon soll das Nadelöhr ausgebaut werden. Doch seit zwei Jahren stocken die Planungen wegen eines zweiten Geh- und Radweges und neuer Berechnungen zum Hochwasser. Viel passiert ist offenbar seither nicht.

"Seitens der Landeshauptstadt München und der Gemeinde Gröbenzell besteht der Wunsch, auf der Nordseite der Staatsstraße einen zweiten Geh- und Radweg zu bauen. Hierzu sind noch weitere Abstimmungsgespräche mit beiden Partnern notwendig. Da die Straße und ein möglicher zweiter Geh- und Radweg im Überschwemmungsgebiet von Starzelbach, Ascherbach und Gröbenbach liegen, sind zudem umfangreiche Hochwasserberechnungen nötig." So lautet die aktuelle Antwort aus dem Straßenbauamt, die mit der Gemeinde Gröbenzell abgestimmt ist.

Dabei ging es bereits im März 2017 bei einer ersten gemeinsamen Sitzung des Gemeinderats Gröbenzell mit dem Bezirksausschuss Aubing, Lochhausen, Langwied um einen Geh- und Radweg beidseits der Lochhausener Straße. Allerdings ahnte damals noch niemand, dass es neue Berechnungen zu den durch Hochwasser gefährdeten Gebieten geben würde. Gröbenzells Vizebürgermeister und Langzeit-Landtagsabgeordneter Martin Runge von den Grünen hatte auf den Fehler in den Rechenmodellen zum Jahresbeginn 2019 hingewiesen. Die Auswirkungen sind so weitreichend, dass in der Gröbenbachgemeinde ein Großteil der einst gefährdeten Gebiete nun keine Präventionsmaßnahmen wegen möglicher Überschwemmungen mehr braucht. Und in Olching sind nun für die Realisierung der geplanten Umgehungsstraße ebenfalls zumindest neue Berechnungen zum Hochwasser erforderlich.

Dass die Staatsstraße erneuert werden muss, ist bereits seit Jahren bekannt. Denn schon vor Jahrzehnten, als die Zahl der zugelassenen Pkw noch deutlich geringer war und die Autos auch kompakter von ihren Außenmaßen, galt in Gröbenzell ein ungeschriebenes Gesetz: Die einzige Verbindung in die Landeshauptstadt ist zu den Hauptverkehrszeiten morgens und abends vollkommen überlastet. Also gibt es dort zweimal am Tag Stau. Daran hat sich bis heute nichts geändert, wenn man von den Ausmaßen einmal absieht. Denn natürlich sind in den letzten Jahren nicht nur die Autos größer und zahlreicher geworden. Auch leben inzwischen mehr Menschen in Gröbenzell wie in Lochhausen.

Und eigentlich sollte der Zustand schon längst verbessert sein. Planungen für einen Ausbau der Stadtstraße existieren schon mindestens seit 2016. Der Baubeginn war ursprünglich für 2017 anberaumt, doch dann kamen der Wunsch nach einem beidseitigen Radweg, später die neuen Berechnungen zum Hochwasser. Das staatliche Bauamt muss nun nachweisen, dass mit dem Vorhaben im zwischenzeitlich neu ermittelten Überschwemmungsgebiet keine nachteiligen Auswirkungen auf den Hochwasserschutz verbunden sind. Und das dauert offenbar. Wie lange noch, dazu gab es keine Antwort.

© SZ vom 18.05.2021
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