Gröbenzell:Grüne Oasen statt Steinwüsten

Gröbenzell: Unerwünscht: gepflasterte Vorgärten wie hier in Gröbenzell

Unerwünscht: gepflasterte Vorgärten wie hier in Gröbenzell

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Gemeinderat Gröbenzell bringt Satzung gegen klimaschädliche Schottergärten auf den Weg

Von Ariane Lindenbach, Gröbenzell

Die "gefühlte Gartenstadt", wie der CSU-Fraktionschef Anton Kammerl seine Heimatgemeinde unlängst im Gemeinderat genannt hat, will auch in den Gärten seiner Anwohner das Grün am Boden erhalten und nicht durch Steine, Schotter oder gar Beton ersetzt wissen. Deshalb haben die Kommunalpolitiker in ihrer jüngsten Sitzung die Verwaltung damit beauftragt, eine sogenannte Freiflächengestaltungssatzung auszuarbeiten. Diese soll den Haus- und Gartenbesitzern vorschreiben, ihre Freiflächen zu bepflanzen. Damit will man dem Trend zum klima- und umweltschädlichen Schottergarten respektive zum gepflasterten Vorgarten begegnen. Gegen das von den Grünen beantragte Vorhaben stimmten Thomas Eichler (CSU) und Karin Spangenberg (UWG).

Die Tochter der langjährigen Vorsitzenden des Bund Naturschutz, Christa Spangenberg, äußert Zweifel, ob ein solches Verbot mangels Kontrolleuren sehr zielführend sei. Denn wie ihr Fraktionskollege, der Gärtnermeister Helmut Berger, erläutert, ist für die Einhaltung einer solchen Satzung das Landratsamt zuständig. "Die haben auch zu wenige Beamte, die das kontrollieren." Notwendig indes ist eine solche Satzung nach seiner Beobachtung schon. Denn die Zahl versiegelter Einfahrten, Vorgärten und sogar ganzer Gärten auch in Gröbenzell nimmt zu, wenngleich in einem moderaten Maß im Vergleich mit anderen Gemeinden.

Bergers Schilderung steht im Gegensatz zu Eichlers Meinung: "Ich sehe in Gröbenzell keinerlei Trend zu solchen Gärten", verweist der CSU-Politiker auf Beispiele aus anderen Kommunen. Deshalb würde er zum jetzigen Zeitpunkt den Erlass einer solchen Satzung "eher als Bevormundung" empfinden. "Es macht genau jetzt Sinn, und nicht, wenn Gröbenzell voller Schottergärten ist", widerspricht Peter Falk. Würde man diese Entwicklung noch abwarten, müsste die Gemeinde am Ende gegen wesentlich mehr Widerstände kämpfen, argumentiert der Vorsitzende der SPD-Fraktion.

Die Antragstellerin und Referentin für Umwelt- und Verbraucherschutz, Larissa Holmer, möchte die Satzung als "ein wichtiges und sinnvolles Zeichen an unsere Bürger" verstanden wissen. Viele Menschen wüssten offenbar nicht, wie schädlich für Umwelt und Klima die Schottergärten seien. "Ich sehe es als sehr zahnlosen Tiger", verweist Bauamtsleiter Markus Groß auf eine dem Antrag beigefügte Mustersatzung des Freistaats. Er erläutert, dass diese Satzung lediglich in Fällen greift, bei denen ein Bauantrag oder eine baurechtliche Prüfung vorliege. In bestehenden Häusern, etwa der Reihenhaussiedlung am Ascherbach greife dieses Regelwerk nicht.

Holmers Fraktionskollege Martin Runge weist darauf hin, dass die bayerische Bauordnung unlängst verändert wurde; seither hätten Kommunen mehr Spielraum. Inzwischen sei es möglich, mit den richtigen Formulierungen eine Satzung auszuarbeiten, die alle Arten von Schottergärten, zubetonierten oder gepflasterten Flächen um das Haus zu verbieten. "Es geht einfach darum, dass unbebaute Flächen begrünt werden sollen", konkretisiert Runge die Vorstellung der Grünen.

Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) bittet das Gremium um Zustimmung, "weil es ein Zeichen gibt". Zwar sei Gröbenzell nochrelativ grün in den Gärten, doch der Trend zu Stein oder Beton dort nehme spürbar zu. Mit Blick auf steigende Temperaturen und Starkregen sagt er: "Die Masse macht's halt." Trotz seines Appells wirbt der Rathauschef bei den Gemeinderäten auch für Toleranz bei den Steingärten. Nicht jeder sei schlecht, in professionell angelegten würden bisweilen seltene Eidechsen einziehen.

© SZ vom 28.07.2021
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