Gröbenzell:SPD Gröbenzell will Gemeindevater Hoegner ehren

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Gröbenzell: Festakt zur Gemeindegründung Gröbenzells mit Innenminister Wilhelm Hoegner (sitzend) und Bürgermeister Bernhard Roeßner.

Festakt zur Gemeindegründung Gröbenzells mit Innenminister Wilhelm Hoegner (sitzend) und Bürgermeister Bernhard Roeßner.

(Foto: Privat)

Platz vor dem Bahnhof soll nach dem SPD-Politiker und ehemaligen Ministerpräsident benannt werden

Von Ariane Lindenbach, Gröbenzell

Die SPD-Fraktion in Gröbenzell will die Gemeindegründung des Ortes anlässlich des 70. Jubiläums mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken und beantragt deshalb, den Platz vor der ehemaligen Bahnhofsgaststätte, also den heutigen Vorplatz des S-Bahnhofs, in "Wilhelm-Hoegner-Platz" umzubenennen. Eine Hinweistafel soll Gröbenzells Weg zur eigenständigen Kommune erläutern. Denn dieser sei lang und bisweilen strittig gewesen und habe erst im demokratischen Bayern realisiert werden können, heißt es zur Begründung des Antrags. "Treibende Kraft auf staatlicher Seite" sei Wilhelm Hoegner gewesen. Der auch als "Vater der Bayerischen Verfassung" bekannte Politiker war damals Innenminister und aufrechter Sozialdemokrat. Im SPD-Antrag wird er als "überzeugter Anhänger des kommunalen Selbstbestimmungsrechts" beschrieben. In einer Schrift von Gegnern der Eigengemeinde, veröffentlicht in der Schrift "Gröbenzell - Der Weg zur Eigengemeinde" (Herausgeber: Gröbenhüter), wird Wilhelm Hoegner als Gründungsverantwortlicher genannt und Gröbenzell "Gemeinde - Hoegnersgnaden". Es gab seinerzeit offenbar auch Appelle, seine Reden zu stören.

Wie die SPD-Fraktion weiter ausführt, sei er "ein herausragender Vertreter des demokratischen Bayern seit der Zeit der Weimarer Republik. Auch hier hatte er Kontakt zu Gröbenzell, so als Referent bei einer Versammlung am 27. Juni 1931 in Gröbenzell im Saal der Bahnhofswirtschaft zu den Gefahren des Nationalsozialismus ("Gegen die Hakenkreuzpest"). Die Münchner Post vom 30. Juni 1931 berichtet von einem vollbesetzten Saal." Er schrieb einige Bücher gegen den Nationalsozialismus und verfasste während der Nazi-Diktatur im Schweizer Exil einen Entwurf für die Bayerische Verfassung, der später in vielen Punkten umgesetzt wurde, so etwa beim Recht auf bezahlbaren Wohnraum sowie den freien Zugang zu den Naturschönheiten.

Hoegner war außerdem zentraler Redner bei der Gründungsfeier der Gemeinde Gröbenzell im Jahr 1953. Von 1954 bis 1957 , sowie direkt nach dem Krieg von 1945 bis 1946 war er außerdem bayerischer Ministerpräsident - der einzige nach dem Zweiten Weltkrieg, der nicht der CSU angehörte.

Zur Selbständigwerdung ist noch zu erwähnen, dass Gröbenzell vor 1952 (offizielles Gründungsdatum ist der 1. August 1952) eine Siedlung war, die zu den Gemeinden Olching, Geiselbullach und Puchheim sowie der Stadt München gehörte. Die 281 Hektar Fläche, die damals von der Landeshauptstadt der neu gegründeten Kommune Gröbenzell zugeschlagen wurden, waren bis dahin der 40. von 41 Münchner Stadtbezirken. Und es waren im übrigen 900 von insgesamt 1138 Bewohnern (95 Prozent) eben jenes östlichsten Teils von Gröbenzell, die bei der Volksabstimmung gegen die Eigenständigkeit gestimmt hatten. Die zu Olching und Geiselbullach zählende Bevölkerung hatte mit großer Mehrheit für die Eigenständigkeit gestimmt.

Mit der Gemeindegründung verlor Olching 3442 Einwohner - bei insgesamt 7500 Bewohnern nahezu die Hälfte (angesichts der heutigen Größe der Amperstadt sieben Jahrzehnte später kaum vorstellbar). 1138 weitere zukünftige Gröbenzeller gehörten bis dahin zu München, 495 zum damals noch eigenständigen Geiselbullach und 173 zu Puchheim.

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