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Gröbenzell:Ex-Offizier will Bürgermeister werden

Start in den Wahlkampf: Mit der Wahl von Ingo Priebsch (Mitte) zum Bürgermeisterkandidaten erheben Gröbenzells Grünen um die Vorsitzenden Karin Frank und Walter Voit einen Machtanspruch auf den Chefsessel.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Gröbenzeller Grünen wählen Ingo Priebsch einstimmig zu ihrem Kandidaten. Der 56-Jährige ist erst seit zehn Monaten in der Partei. Er will prüfen, ob auf Gewerbebauten günstig Wohnraum entstehen kann

Von Ariane Lindenbach, Gröbenzell

Der eine oder andere mag ihn schon als begabten Moderator erlebt haben - für die Grünen, oder auch schon etwas länger für den Frauenchor Gröbenzell. Jetzt haben die Gröbenzeller Grünen mit ihrer Wahl von Ingo Priebsch zum Bürgermeisterkandidaten für die Kommunalwahl in einem Jahr den Wahlkampf eröffnet. Der 56-Jährige ehemalige Offizier ist seit November Vorstandsmitglied in der Partei und nur ein paar Monate länger dort Mitglied. Er will sich unter anderem für eine noch fahrradfreundlichere Ortsgestaltung, die Jugend und die Senioren sowie für günstigeren Wohnraum einsetzen. Bei der Aufstellungsversammlung am Mittwochabend in der Alten Schule wurde der 56-Jährige einstimmig zum Bürgermeisterkandidaten gewählt.

Als ausgebildeter Offizier, der zwölf Jahre bei der Bundeswehr war und in den 1980er Jahren den Nato-Doppel-Beschluss gegenüber Gleichaltrigen verteidigt hat, während seine jetzigen Parteifreunde seinerzeit dagegen auf die Straße gingen, ist Priebsch alles andere als der klassische Grüne. Fast könnte man ihn als Gegenstück zu dem Gröbenzeller Grünen-Urgestein Martin Runge beschreiben, der die Partei mitgründete und bis heute für sie auf mehreren Ebenen aktiv ist. Der Berufspolitiker Runge war am Mittwochabend wegen einer Haushaltsdebatte im Landtag entschuldigt. Er ist angesichts seines Landtagsmandats nicht daran interessiert, in Gröbenzell als Bürgermeister zu kandidieren.

Seit 1998 wählt Priebsch die Grünen, wie er am Mittwoch verrät. Zwar sei er erst seit zehn Monaten in der Partei, und sitze noch nicht einmal im Gemeinderat, doch der 56-Jährige sieht sich durch seine mannigfache berufliche Erfahrung für den Posten als Rathauschef qualifiziert. Er leitete eine Fallschirmjägertruppe, managte zehn Jahre für einen großen Kaffeehersteller das Marketing für ganz Deutschland und ist die letzten 14 Jahre als Berater für Unternehmen tätig, die einem starken Wandel unterworfen sind. "Wenn ihr mich wählt, ich häng mich voll rein", verspricht er.

Vorsitzender Walter Voit rechnet Priebsch trotz seiner Mankos - nicht im Gemeinderat und kein gebürtiger Gröbenzeller - gute Chancen aus. Er verweist auf die Entwicklung der Wahlergebnisse, die für die Grünen in Gröbenzell immer überdurchschnittlich gut waren, sowie auf Reaktionen aus der Bevölkerung. "Ich denke, dass wir in Gröbenzell einen großen Rückhalt haben. Das merke ich immer, wenn ich am Infostand stehe."

Voit wie Priebsch würdigen die vielen positiven Entwicklungen in Gröbenzell unter Bürgermeister Martin Schäfer (UWG), darunter Fahrradstraßen und -wege, neue Buslinien und die Neuaufstellung von Bebauungsplänen, damit im Ort flächensparender gebaut werden kann. Allerdings kritisiert der Vorsitzende, dass Schäfer bei den Haushaltsberatung gegen den Bau günstiger Wohnungen am Züblin-Zwickel gestimmt hat.

Ob günstiger Wohnraum Wahlkampfthema wird, bleibt offen. Potenzial dafür sehen Voit und Priebsch jedenfalls im Gewerbegebiet. Dort könnten Gebäude von Aldi oder Lidl mit Wohnungen überbaut werden, so wie es in Berlin getan wird. Priebsch will das prüfen. Wer den Bürgermeisterkandidaten als Moderator erleben will: am Samstag, 18. Mai, um 19.30 Uhr tritt der Frauenchor im Freizeitheim auf.

© SZ vom 17.05.2019
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