Gröbenzell:Ein weites Spektrum

PUCHHEIM: Ausstellung von GröbenArt e.V

Ins Puchheimer Kunsthaus haben die Mitglieder von "GröbenArt" ihre Ausstellung verlegt, die im Freien geplant war.

(Foto: Leonhard Simon)

Gröbenzeller Künstlergruppe präsentiert ihre Stilvielfalt

Von Sonja Pawlowa, Gröbenzell

Weil ein Kunst-Picknick im Regen für das Publikum und die Bilder unerquicklich ist, reagierte die Künstlergruppe "GröbenArt" flexibel mit einer Indoor-Ausstellung. Das war möglich, denn das Kunsthaus in Puchheim bietet Platz und ein angenehmes Ambiente. Im voluminösen Wohnzimmer mit dem ausladenden Seventies-Kronleuchter stellen acht der 17 Mitglieder Werke aus. Die visuellen Eindrücke unterstützten auditiv die Künstlerin Jenny Kim am Klavier und der 14-jährige Geiger Darian Seo. Dass ein Stück von Rachmaninoff dabei war, passte ja beinahe zu den Bildern der Ausstellung. Die Werke sind überraschend angeordnet. Nicht nach Themen und nicht nach Künstlern sind sie gruppiert. Das mag mit der spontanen Änderung der Ausstellungsfläche zusammenhängen, regt aber die Entdeckerfreude und Unvoreingenommenheit an.

Das Problem mit dem unsteten Wetter dürfte für Cassie Tumlinson nicht immer eine Rolle gespielt haben, denn sie stammt aus Kalifornien, dem Sonnenstaat der USA und hat in Arizona studiert. Seit zehn Jahren lebt sie in Deutschland, genau genommen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Künstlerhaus in der Sandbergstraße 46 in Puchheim. Dass GröbenArt ein weites Spektrum an Stilen umfasst, gefällt ihr gut. Denn Cassie Tumlinson malt nicht nur traditionell auf Leinwand. Bei der Darstellung ihres Lieblingssujets, dem weiblichen Körper, greift sie auch mal zum Faden. Allerdings näht sie keine Figuren auf die Leinwand, sondern klebt sie. Aus der Entfernung betrachtet wirken die Frauenbildnisse wie von einem feinen Stift umrissen, doch es handelt sich um Zwirn, den sie mit einem Pinsel in die gewünschte Form legt und mit Klebstoff fixiert.

Mit Fäden arbeitet auch die Vorsitzende des Vereins, Karin Piede. Nicht nur buchstäblich, indem sie Metallfäden verhäkelt und über den gezeichneten Synapsen eines Gehirns anbringt, sondern auch indem sie Verbindungen schafft. Karin Piede arbeitet als Psychotherapeutin und Coach mit kreativen und bildnerischen Methoden, die der Selbsterfahrung und der Stärkung des Selbstvertrauens dienen. Daher auch Skulpturen aus Speckstein und Marmor, die festigend und stabil das Kaminzimmer schmücken. Vor Corona wurde dort Kaffee ausgeschenkt, heute dürfen sich die Besucher im Küchen-Anbau fliegend mit Abständen verköstigen lassen.

Auch Agnieszka Jagodzinska Kapfer beschäftigt sich die ganze Woche mit Kunst: In Vollzeit als Ausstellungstechnikerin in der Pinakothek der Moderne und am Wochenende im Kunsthaus. Ihre Kinder nimmt sie einfach mit, der Blickwechsel ist ihr wichtig. Im 6000 Quadratmeter großen Areal des Kunsthauses kann der Blick schweifen, das kommt Agnieszkas Vorliebe für Landschaften sehr entgegen. Zu Hause stellt sie in einer separaten Werkstatt Bleiglasarbeiten her. Norbert Voellmecke war ursprünglich Schüler von Michaela Friedrich, die wie einige andere Mitglieder der Künstlergruppe Malkurse anbietet. Er scheut sich nicht, weibliche Farben wie Pink zu verwenden, quasi eine Diversität in der Farbwahl. Daneben stellt er die Felsformation der zwölf Apostel wie eine Reihe scharfer spitzer Zähne dar.

Gegründet wurde GröbenArt von Astrid Maleki vor 15 Jahren. Nach einer Vielzahl an Schaffensphasen wie etwa die philosophische Phase, die oftmals mit ihren Lebenspartnern zusammenhängen, widmet sich Astrid Maleki augenblicklich dem Wasser und den Wellen. Für sie symbolisiert dieses Motiv die Wiederkehr des Immergleichen, also das Sein. Seit zwei Jahren lässt sie sich zudem von griechischen Sonnenaufgängen inspirieren. "Es ist unglaublich schwierig", sagt sie. "Sonnenaufgänge sind entweder zu kitschig oder es sieht nur nach Farbe aus. Manchmal aber gelingt es." Mitgründerin Konstanze Funke beschränkt sich dagegen nicht auf die Sonne. Sie zeigt mit ihren Aquarellen neben deren Untergängen auch andere Seiten der Natur wie Bäume und Blumen.

Garten, Bäume und die Architektur des Gebäudes bieten den Künstlern in Puchheim viele Möglichkeit. Ein farbenprächtiger Sonnenuntergang an diesem ersten August gehört nicht dazu.

© SZ vom 02.08.2021
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