Gröbenzell Die Freundin der Mutter umgebracht

Das Landgericht München ordnet die unbefristete Einweisung eines 28-Jährigen in eine psychiatrische Klinik an

Von Andreas Salch, Gröbenzell

Eine "starke Frau" sei sie gewesen, sagen die, die Veronika L. (Name von der Redaktion geändert) kannten. Egal um was es ging, "ein Nein", soll die 40-Jährige niemals akzeptiert haben. Obwohl sie wusste, dass der Sohn ihrer Bekannten an Schizophrenie erkrankt ist, hatte sie sich dazu entschlossen, sich mit dem 28-jährigen Aron S. zu treffen und ihn davon zu überzeugen, sich stationär in eine psychiatrische Klinik einweisen zu lassen. Veronika L. bezahlte diesen Versuch mit ihrem Leben. In den frühen Morgenstunden des Aschermittwoch vergangenen Jahres strangulierte Aron S. die 40-Jährige mit einem Handtuch zu Tode.

Am Montag ordneten die Richter der Schwurgerichtskammer am Landgericht München II die zeitlich unbefristete Unterbringung des 28-Jährigen in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik an. Die Richter folgten damit dem Antrag von Staatsanwältin Ines Wießner. Sie wertete die Tat als Totschlag. Da jedoch die Steuerungsfähigkeit des Beschuldigten aufgrund seiner Erkrankung zur Tatzeit aufgehoben gewesen sei, könne er strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden und müsse deshalb in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik untergebracht werden. Der Verteidiger von Aron S., Rechtsanwalt Michael Klingenfuss, forderte eine Unterbringung seines Mandanten zur Bewährung auszusetzen.

Zeugen hatten den Gröbenzeller in dem Prozess als "normalerweise nicht aggressiv" geschildert. Er sei jemand, der eine Biene lieber aufhebe und auf eine Blume setze, als sie zu zertreten. Bereits 2005 war bei Aron S. eine Psychose diagnostiziert worden. 2009 wurde er erstmals gegenüber seiner Mutter gewalttätig. S. wurde zwangsweise eingewiesen. Nach seiner Entlassung reduzierte er eigenmächtig die Dosis, der Medikamente, die er nehmen sollte. Im Januar vergangenen Jahres setze er sie schließlich komplett ab und begann wieder Cannabis zu konsumieren.

Seine Mutter hatte dies bemerkt und ihn darauf angesprochen, sich in eine Klinik zu begeben. Doch Aron S. habe davon nichts wissen wollen. In den Tagen vor der Tat hatte er sich in die Wohnung seiner Mutter begeben und sie nicht mehr verlassen. Der 28-Jährige wurde erneut aggressiv, schubste und schlug die Mutter, weil sie ihn in eine psychiatrische Klinik bringen wollte - sogar zwangsweise. Die Mutter von Aron S. und Veronika L. hatten sich über Aron S. unterhalten. Veronika L. fasste den Entschluss, zu helfen. Sie behauptete, Aron dazu zu bringen, freiwillig in eine psychiatrische Klinik zu gehen. Veronika L. ließ sich von ihrer Bekannten zu deren Wohnung fahren, in der sich Aron S. immer noch aufhielt. Nachdem sie sie am Abend des Faschingsdienstags betreten hatte, soll sie sich in einen Türrahmen gekniet und zu Aron S. gesagt haben: "Ich bin die Vroni." S. kannte die Bekannte seiner Mutter nicht. Laut seiner Aussage soll Veronika L. zu ihm im Laufe des Abends, in dem beide Wein tranken, gesagt haben: "Der Tod kommt bald." Aron S. berichtete, er habe sich vor der Bekannten seiner Mutter gefürchtet und sei verärgert über sie gewesen. Der Grund: Sie soll mehrere seiner Zigaretten zerdrückt haben. S. soll Veronika L. aufgefordert haben, abzuhauen. Rechtsanwalt Michael Klingenfuss behauptete bei seinem Plädoyer, das Opfer habe sich gegenüber seinem Mandanten "nachgerade provozierend" verhalten und sei angeblich suizidgefährdet gewesen. Nachdem Aron S. Veronika L. zu Tode strangulierte hatte, entkleidete er die 40-Jährige, zog sich ihre Kleider an und legte sich schlafen. Zu den Polizisten, die ihn am Morgen fanden, sagte er über das Opfer: "Endlich ist sie erlöst."