Jeder kennt sie: Asterix, den Gallier. Lucky Luke, den Cowboy, der schneller schießt als sein Schatten. Die schlauen Füchse Fix und Foxi. Das Reporter-Hund-Duo Tim und Struppi. Superman, Spiderman, Batman. Sie alle sind Protagonisten aus Comics, einer Erzählform, die aus einer Abfolge von Bildern mit wenig Text Geschichten macht. Comics gelten mit ihren Sprechblasen und Lautmalereien als unterhaltsam, wurden aber lange Zeit nicht unbedingt ernst genommen und als eher minderwertig betrachtet.
Dabei können sie gerade dann das ideale Medium sein, wenn es darum geht, Lesen zu lernen. Davon ist Martina Streble überzeugt. Weil sich diese Haltung aber bisher nicht richtig durchgesetzt hat, hat die Gröbenzellerin vor einigen Jahren einfach ihren eigenen Verlag gegründet: die Edition Helden, ein Comic-Verlag für Kinder mit Sitz in Gröbenzell.
Comics könnten den Kindern vor allem den Übergang erleichtern, wenn sie nach der Bilderbuch- und Vorlesezeit selbst lesen lernen sollen, sagt Streble. Sie weiß, das viele Familien mit dem Schuleintritt ihrer Kinder vor allem auf Erstlesebücher setzen, die die Kinder aber häufig überfordern. Mit einem Comic hingegen könnten Erstleser gleich die Erfahrung machen, „dass sie ein ganzes Buch schaffen können. Comics bringen einen einfacheren Zugang“, sagt die 44-Jährige. Das Betrachten der Bilder und das gleichzeitige Zuhören seien die Kinder vom Vorlesen gewohnt.
Strebles Erfahrung bestätigt die Stiftung Lesen, die sich der Leseförderung verschrieben hat und unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht. Dort heißt es: Die kürzeren Textabschnitte in Comics seien besser verständlich, und gerade die Kombination aus Bild und Text rege zum Lesen an. Unter Lesen versteht die Stiftung denn auch „mehr als ausschließlich ein Buch lesen“.

Als ausgebildete Buchhändlerin und studierte Buchwissenschaftlerin weiß Streble, wovon sie spricht. Aber auch als dreifache Mutter. Ihre Kinder sind mittlerweile 16, 14 und neun Jahre alt. Streble hat seither alle Phasen erlebt, wie Kinder in welchem Alter mit Büchern und Literatur umgehen. Sie weiß auch, wie schwierig der Einstieg in das Lesen als eine der Schlüsselkompetenzen sein kann.
Sie erinnert sich daran, dass ihr ältester Sohn, der sich immer so gerne Bücher vorlesen ließ, zunächst nicht so recht Lust entwickelte, selbst ein Buch in die Hand zu nehmen, und vermutete, dass ihn der bloße Umfang eines Buches abgeschreckt habe. Comics brächten den Kindern indes ein „Ich-schaffe-es“-Erlebnis, sagt sie. Auch weil Comics in der Regel weniger Seiten haben als ein Buch und weil gerade die Visualisierung in einer Welt, in der Kinder mit digitalen Medien aufwachsen, ihnen einen guten Zugang verschaffen könnte. Die Bilder helfen beim Verstehen der Inhalte.
Über ein Crowdfunding sollen tausend Exemplare für Schulklassen angeschafft werden
Der neue Comic, den der Verlag Edition Helden im April herausbringen wird, widmet sich einem ernsten Thema. In „Ida – keine Katzengeschichte“ (empfohlen ab neun Jahren) geht es um häusliche Gewalt und den Mut, aufzubrechen. Streble möchte den Comic an die Schulen bringen und hat dazu ein Crowdfunding gestartet, um die Produktion zu finanzieren und zugleich tausend kostenlose Exemplare an Schulen und pädagogische Einrichtungen verteilen zu können. Die Schulen können sich bei Interesse über die Internetseite des Verlags dafür anmelden.
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Geschrieben und gezeichnet hat die Geschichte um „Ida“ Noah Eggert. 1998 in Dresden geboren, studierte Eggert Kunstpädagogik und arbeitet mittlerweile an einer Schule in Leipzig. Der junge Künstler wird am 22. März auf der Leipziger Buchmesse am Stand des Gröbenzeller Verlags für Lesung und Gespräch präsent sein. Von der Leipziger Buchmesse und der Stiftung Lesen wurde vor drei Jahren die Reihe „Timothy Top“ aus dem Verlag Edition Helden mit dem „Lesekompass“ ausgezeichnet, der seit 2012 Neuerscheinungen im Kinder- und Jugendbereich würdigt, die besonders geeignet sind, Kinder für das Lesen zu begeistern. 2023 war zum ersten Mal auch das Genre Comic dabei.
In anderen Ländern, erzählt Streble, sei das Image von Comics nicht so schlecht gewesen wie hierzulande. Aber auch unterstützt vom Boom der aus Japan stammenden Mangas habe sich das Image zwischenzeitlich gewandelt, sodass die Bild-Text-Erzählform auch dazu genutzt wird, schwierige Sachverhalte zu erklären. So hat eine Studie an der Berliner Charité vor einigen Jahren herausgefunden, dass Comic-Zeichnungen das Begreifen der Aufklärungsinhalte vor einer Operation erleichtern und gleichzeitig die Angst der Patienten reduzieren können.
Und auch den Einzug in den bayerischen Schulunterricht haben Comics mittlerweile geschafft. So ist Lektürearbeit mit Graphic Novels, die in besonderer Weise auch ernsthafte Themen aufgreifen, im neuen bayerischen Gymnasiallehrplan Plus verankert.

