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Gröbenzell:Breites Bündnis aus Zeichensetzern

Demo Gröbenzell

In ihren politkritischen Liedern teilen Hans Well und die Wellbappn gegen AfD- und Pegida-Anhänger kräftig aus. An die 500 Menschen harren vor der Bühne auf dem Platz vor dem Gröbenzeller Bürgerhaus in der Kälte aus, um ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen.

(Foto: Günther Reger)

Rund 500 Menschen beteiligen sich in Gröbenzell an der Demonstration gegen die AfD-Veranstaltung mit dem Islamkritiker Jürgen Elsässer. Bis auf eine Gruppe von Störenfrieden verläuft die Protestkundgebung ruhig

Von Florian J. Haamann, Gröbenzell

Schon vor Beginn der Anti-AfD-Demo ist es auf dem Platz vor dem Gröbenzeller Bürgerhaus eng. Mehrere Hundert Menschen stehen bereits vor der Bühne und warten auf den ersten Redner, am Ende werden es nach Angaben von Polizei und Veranstalter an die 500 sein. Die Stimmung ist gut, bisher ist alles ruhig. Die Menschen unterhalten sich, SPD und Linksparteianhänger schwenken ihre großen roten Fahnen. "Ich finde es wichtig, hier zu stehen und ein Zeichen gegen Angstmacherei zu setzen", sagt eine Teilnehmerin und ihre Nachbarin ergänzt: "Ja, es ist wichtig, zu zeigen, dass die Mehrheit der Menschen die Gedanken von denen da drinnen ablehnt". Dabei deutet sie auf das Bürgerhaus, in dem etwa 150 Interessierte auf den Referenten Jürgen Elsässer warten. Zu der Demonstration hatte ein breites Bündnis aus allen im Gemeinderat vertretenen Parteien, der evangelischen und katholischen Kirche, dem Arbeitskreis Asyl und dem VdK eingeladen.

Doch kurz nach 19.30 Uhr wird es plötzlich unruhig auf dem Platz, während die "Wellbappn", die die Demonstration inhaltlich-musikalisch unterstützen, singen. Vom Eingang des Bürgerhauses, keine 20 Meter entfernt, hallen Sprechchöre herüber. "Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda", ruft dort eine kleine Gruppe von Gegendemonstranten. Zuvor hatten die Organisatoren noch darum geben, friedlich zu blieben und die Veranstaltung der AfD nicht durch Krawall oder Pfeifen zu stören.

Doch die mittlerweile 40 Teilnehmer der Nebendemo lassen sich davon nicht abhalten. Mit Rufen und Transparenten wollen sie den AfD-Interessierten klarmachen, was sie von ihnen halten: nämlich gar nichts. "Rechtsfutzis not welcome", heißt es etwa auf einem ihrer Plakate. "AfD-Rassistenpack, wir haben euch zum Kotzen satt", schreit ein kleiner Teil der Gruppe, der durch seine Kleidung der Antifa zuzuordnen ist. Die AfD-Verantwortlichen, die kurz zuvor noch vor dem Gebäude zusammen standen, haben sich mittlerweile nach drinnen begeben. Oben im ersten Stock, wo die Besucher immer noch auf den Beginn der Veranstaltung warten, werden die Fenster geschlossen.

Währenddessen geht auf dem Platz die Gegendemonstration zu Ende. Dort haben Vertreter mehrerer Parteien in kurzen Reden ihre Standpunkte klar gemacht, die aber durchaus unterschiedlich waren. "Wir haben lange diskutiert, ob wir uns an der Veranstaltung beteiligen", erklärt Hendrik Grallert von der FDP. "Wir wollen uns nicht vor den Problemen verschließen". Doch dann erklärt er anhand von inhaltlichen Forderungen der AfD - etwa bei Scheidungen wieder die Schuldfrage zu klären und damit tief in die Privatsphäre einzugreifen - warum sich die FDP entschieden hat, für Freiheit und Demokratie mit zu demonstrieren.

Kluge Worte hat der katholische Kreisdekan Albert Bauernfeind gefunden, die von Marianne Kaunzinger von der UWG verlesen wurden: "Wer Entzweiung sät, wird den Sturm des Unfriedens ernten." Bauernfeind fordert unabhängig von allen unterschiedlichen Ansichten Offenheit, Toleranz, Achtung der Menschenrechte und Solidarität mit den Armen. Ebenso emotional ist die Rede des SPD-Kreisvorsitzenden Michael Schrodi. Er liest aus dem Tagebuch eines ins Exil getriebenen Gröbenzeller Juden. Die Stimmung, die er beschreibt, ähnelt der aktuellen Situation. "Kein Fußbreit den Hetzern, kein Fußbreit den Rassisten", gab Schrodi den Demonstranten m it auf den Weg.

© SZ vom 18.11.2016
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