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Grafrath:Lastesel Fahrrad

"Klimaaktiv vor Ort" informiert und geht selbst mit gutem Beispiel voran: Roger Struzena (vorne, Mitte) und seine Radlergruppe.

(Foto: Günther Reger)

Auch ohne Auto lassen sich Einkäufe problemlos erledigen. Eine Initiative macht auf diese umweltfreundliche Alternative aufmerksam

Von Manfred Amann, Grafrath

Das Fahrrad als Fortbewegungsmittel erlebt derzeit einen Boom. Nach Ansicht der 2019 in Grafrath gegründeten Initiative "Klimaaktiv vor Ort" wird das Rad aber noch zu wenig für Einkaufsfahrten genutzt. "Wir wollen den Bürgern daher zeigen und vormachen, dass man das Auto in Grafrath in der Garage stehen lassen kann, weil die Geschäfte auch mit dem Fahrrad problemlos erreicht werden können", erklärt Heike Schiessel vom Sprecherteam. Gut ein Dutzend Unterstützer der Mitmachaktion "Einkaufen mit dem Fahrrad" waren trotz des Dauerregens am Samstagvormittag vor dem neuen Feneberg-Supermarkt zusammengekommen. In drei Gruppen aufgeteilt, wurden nacheinander der Bio-Markt an der Hauptstraße und der etwa 1200 Meter entfernte Neukauf am Bahnhof aufgesucht. Manche hatten Einkaufskörbe vorn oder hinten am Fahrrad angebracht, andere Seitentaschen, und auch ein Lastenanhänger war dabei. "Darin lassen sich sogar Getränkekisten transportieren und auch der Großeinkauf", sagte die Radlerin. Laut Gründungsinitiatorin Maria Leitenstern-Gulden soll mit der Aktion, die schon zum siebten Mal stattfand, nach dem Motto "steter Tropfen höhlt den Stein" zum Nachdenken angeregt und so das Bewusstsein dafür geschärft werden, dass man mit der Nutzung des Fahrrades einen kleinen, aber wertvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann. Einige, die sich schon mehrmals angeschlossen haben, seien auch dabei geblieben. Man komme mit Bekannten ins Gespräch und könne so manchen Mitbürger dazu bringen, es wenigstens auch mal zu versuchen. "Wir können feststellen, dass vor den Geschäften schon öfter Fahrräder stehen als noch vor Beginn unser Aktion", so Roger Struzena. Dass die Fahrradständer vor dem Supermarkt überdacht worden sind, könnte ein weiterer Anreiz zu Umstieg auf das Fahrrad sein. Zudem setzte sich die Gemeinde bei der Verkehrsbehörde im Landratsamt gerade für Schutzstreifen für Radfahrer sowie Geschwindigkeitsbeschränkungen für wichtige Straßen ein.

"Viele Mitbürger wissen gar nicht, dass sie mit Radl-Einkaufsfahrten nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, sondern gleichzeitig sich selbst was Gutes tun", stellte der Mitorganisator fest. Beim Einkaufen mit dem Radl könne man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden: "Stressabbau, Gesundheitsschutz, Klimaschutz und letztendlich Verantwortung für zukünftige Generationen übernehmen." Außerdem entlaste man den Verkehr. Regen dürfe für die Radnutzung kein Hindernis sein. Um den Einkauf trocken nach Hause zu bringen, gebe es einfache Hilfsmittel, so Heike Schiessel.

Die Klimaaktivgruppe hatte vor dem Feneberg-Markt auch einen Informationsstand aufgebaut, um für den Einkauf regionaler Produkte zu werben. "Wer regional und saisonal einkauft, trägt zum Klimaschutz bei und stärkt die Landwirtschaft in der Gegend", sagten Cornelia Wiedemayer und Annette Fulda. Die Vielfalt der Nahrungsmittel, die es derzeit gibt, zeigte ein Saisonkalender für den Juli. Zudem erfuhren die Besucher, wie man hautverträgliche Deos selbst herstellt und welche Vorteile dies für Nutzer und Umwelt hat. "Wenn Leute wüssten, was in den käuflichen Deos alles an Chemie steckt, würden viele die Finger davon lassen", glaubt Annette Fulda.

© SZ vom 14.07.2020

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