Grafrath/Hattenhofen:Auf gleicher Wellenlänge

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Der kleine Größenunterschied wird nur sichtbar, wenn Sieglinde und Markus Kennerknecht Rücken an Rücken stehen. Ansonsten sind die beiden Diplomverwaltungswirte voll auf Augenhöhe. (Foto: Carmen Voxbrunner)

Markus und Sieglinde Kennerknecht haben sich an der Verwaltungshochschule kennen gelernt und teilen das Faible für Politik. Das Grafrather Rathaus ist dem amtierenden Bürgermeister ebenso vertraut wie der langjährigen Mitarbeiterin der Finanzverwaltung

Von Manfred Amann, Grafrath/Hattenhofen

Wo trifft man sich mit Markus und Sieglinde Kennerknecht zu einem Gespräch? Natürlich im Grafrather Rathaus, das beide bestens kennen. Er, weil er seit 2014 Bürgermeister und Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft (VG) ist, und sie, weil sie zehn Jahre lang in der Finanzverwaltung dieser VG beschäftigt war, bevor sie in die Mutterzeit ging. "Ich komme immer wieder gerne hierher, denn ich kenne ja die meisten", sagt sie, während ihr Mann noch in einer Besprechung sitzt.

Im Gespräch wird schnell klar, dass das Ehepaar neben dem Beruf auch das Interesse an Kommunalpolitik verbindet und die Einstellung, dass es Sinn macht, sich einzubringen und Zeit für die Gemeinschaft zu opfern. Auf die Frage, ob sie damals, als man in Grafrath nach einem Gemeindechef im Hauptamt Ausschau hielt, ihre Finger im Spiel gehabt habe, reagieren beide mit einem schmunzelnd zugewandten Blick. "Ich bin damals vom Ortssprecher der Grafrather CSU angesprochen worden, ob ich mir das Amt vorstellen könnte und habe nach reiflicher Überlegung mit Sieglinde schließlich zugesagt", stellt Markus Kennerknecht fest.

Auch wenn es am Anfang nicht einfach gewesen sei, eine für alle Bürger akzeptable Linie zu finden, habe er bald überzeugen und vieles im Sinne der Ortsentwicklung erreichen können. Dass er in diesem März gegen zwei Herausforderer mit 74 Prozent der Wählerstimmen als Bürgermeister bestätigt wurde, macht ihn "schon etwas stolz". Sieglinde Kennerknecht findet es gut, das es ihrem Mann mit "seiner gelassenen Art" gelungen ist, die lange berüchtigten Streitereien im Grafrather Gemeinderat wegzumoderieren und die Weichen zu stellen für eine kollegiale Zusammenarbeit. Die Kennerknechts leben mit ihren zwei zwölf und sieben Jahre alten Töchtern sowie dem sechs Jahre alten Sohn in Hattenhofen und sind dort in der Wählergruppe Dorfgemeinschaft (DG) aktiv. Während ihr Mann von Berufs wegen vorwiegend Grafrath im Blick hat, konnte sich Sieglinde Kennerknecht bei den Kommunalwahlen im März mit gut 15 Prozent der Stimmen einen Platz für die DG im Gemeinderat sichern. Kennengelernt haben sich Markus und Sieglinde Kennerknecht an der Verwaltungshochschule in Hof, wo beide als Diplomverwaltungswirt abschlossen. Sieglinde Kennerknecht ist 1977 In München zur Welt gekommen und aufgewachsen, arbeitete nach ihrer Ausbildung im Rechnungsprüfungsamt der Landeshauptstadt, bevor sie 2004 in die VG Grafrath wechselte. Von diesem Zeitpunkt an begann sie sich auch für Kommunalpolitik zu interessieren, "denn man ist ja stets nah dran am Geschehen".

Als sie nach ihrer Hochzeit 2003 nach Hattenhofen kamen, seien sie sehr herzlich aufgenommen worden. Nun, nachdem "ihre Jüngsten aus dem Gröbsten raus" seien, habe sie sich entschlossen, ehrenamtlich tätig zu werden, "um dem Dorf und den Menschen etwas zurückzugeben". Dass das kommunalpolitische Interesse ihres Mannes abgefärbt hat, "ist durchaus anzunehmen, wenngleich Geschehnisse, ob in Hattenhofen oder Grafrath, selten Gesprächsstoff für längere Zeit sind", verrät Sieglinde Kennerknecht. "In der Jugendzeit im Elternhaus war zumindest Kommunalpolitik kein großes Thema, im Dorf indes bekommt man zwangsläufig etwas mit, wenn man sich nicht ausgrenzt, und das tun wir beide nicht", weiß ihr Mann aus Erfahrung. "In einer Familie mit drei Kindern gibt es aber wichtigere Themen als die Politik, mit der zumindest er täglich konfrontiert sei. Das Familienleben sei der wichtigste Hort zur Erholung "Natürlich fragt man sich gegenseitig, was es Neues gibt oder ob Probleme auftauchen, aber das läuft meist so nebenbei, so die dreifache Mutter. Und manchen Ärger könne man auch nicht einfach ablegen wie ein Schultertuch. "Obwohl man weiß, dass man es nicht allen recht machen kann, zehrt so manche Kritik an den Nerven", so der Bürgermeister. Sehr positiv sei, dass er nicht in Grafrath wohne und so einen "externen Blick" auf die Entwicklung des Ortes habe. Und zu Hause finde man so leichter Abstand zur Arbeit.

Markus Kennerknecht ist 1977 in München geboren und arbeitete nach der Ausbildung zuerst bei der Regierung von Oberbayern, anschließend 13 Jahre lang im Landratsamt und dann bis zu seiner Wahl zum Grafrather Bürgermeister als Geschäftsstellenleiter im Emmeringer Rathaus. Für Sport wie Tennis, Radfahren oder auch Skifahren bleibt da zurzeit "leider wenig Zeit, zumal die Familie vorgeht".

Bisher erschienen: Peter und Hannelore Münster, Eichenau (8./9 August), Familie Off-Nesselhauf, Germering (14./15./16. August), Erwin und Markus Fraunhofer, Jesenwang (18. August), Barbara Lackermeier und Gerhard Jilka, Schöngeising (22./23. August), Wolfgang und Sandra Andre, Germering (25. August), Katrin und Emanuel Staffler (29./30. August), Gisella Gigliotti und Manfred Sengl (1. September), Michael und Valentin Schanderl (5./6. September), Michael und Johannes Bals (8. September), Agnes und Sepp Dürr (12./13. September), Josef und Maximilian Gigl (15. September), Cornelia Aicher-Leonbacher (19. September)

© SZ vom 22.09.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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