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Grafrath:Grafrather Verkehrswende

Das Car-Sharing-Angebot kommt nach Ansicht der Grünen so gut an, dass über ein zweites Auto nachgedacht wird

Auf allen politischen Ebenen unablässig den Druck auf die Staatsregierung massiv zu erhöhen, das fordert Martin Runge. Nur so könne man noch erreichen, dass der viergleisige Ausbau der Bahnlinie von Pasing bis Fürstenfeldbruck doch noch angepackt wird: "Wir bräuchten hierzu den Schulterschluss über Parteigrenzen hinweg." Leider könne man die Angeordneten der anderen Fraktionen dafür nicht gewinnen, bedauert der Landtagsabgeordnete. So zu planen, dass man zwar vier Gleise bauen könnte, aber doch nur drei verlegt, hält auch Jan Halbauer, Landratskandidat der Grünen, für falsch, denn "wenn die Verkehrswende gelingen soll, brauchen wir einen optimalen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ".

40 Jahre liege das Versprechen des Verkehrsministeriums nun zurück, auf der S-4-Strecke einen Zehn-Minuten-Takt einzuführen. Selbst wenn die zweite Stammstrecke irgendwann fertig sein sollte, werde man diese Zusage mit drei Gleisen nicht einlösen können, glaubt Runge. Auf einer Wahlveranstaltung des Ortsverbandes Ampermoos der Grünen zum Thema "mehr Mobilität - weniger Verkehr in Grafrath", die von Sprecherin Gaby Golling geleitet wurde, sprach sich Halbauer auch dafür aus, mehr Geld in die Hand zu nehmen, um den Busverkehr zu optimieren, um den Bau von Mobilitätsstationen möglichst schnell voranzubringen und um das Radwegenetz im Landkreis und in die Nachbarregionen zügig auszubauen.

Bezüglich der Optimierung des Radwegenetzes ist Grafrath offensichtlich anderen Kommunen schon ein Stück voraus. Wie Arthur Mosandl vorstellte, sieht die vom Gemeinderat bereits akzeptierte und von Bürgermeister Markus Kennerknecht (parteifrei) unterstützte Planung sechs Routen vor, die vom Bahnhof und von den Ortsteilen in Richtung Ortsmitte führen. "Wir haben kurze Verbindungen gefunden, auf denen man auf die Straße wenigstens einen Schutzstreifen aufbringen kann", erklärte Mosandl. Wünschenswert wäre aus Sicht des Arbeitskreises eine zusätzliche Fahrrad- und Fußgängerbrücke über die B 471, um die Ortsteile besser zu verbinden. An manchen Stellen seien je nach Straßenbreite auch zwei Radwege möglich. Einig war man sich unter den etwa 30 Besuchern im Bürgerstadl, dass man keine eigenen Bahnen für Radfahrer bräuchte, wenn man im ganzen Ort Tempo 30 anordnen könnte. "Das scheitert an der Denkweise der Behörden", befand dazu Grafraths Verkehrsreferent Roger Struzena. "Der Verkehr muss fließen" sei eines der Argumente, gegen die man kaum ankomme, sagte der Gemeinderat der Grünen und forderte mehr Aufklärung. Derzeit herrsche die Einstellung vor, "im Notfall mit dem ÖPNV". Ziel müsse aber sein, die Einstellung umzudrehen in "notfalls mit dem Auto". Dass die Menschen durchaus zum Umdenken bereit seien, zeige sich in der unerwarteten Nachfrage nach dem Car-Sharing-Auto der Gemeinde. "Wir werden in Kürze darüber beraten, ein zweites Elektro-Auto anzuschaffen, um dem Bedarf gerecht zu werden", verriet Struzena. Auch die Gemeinde Schöngeising bereite derzeit ein Car-Sharing-Angebot vor. Aus der Nachfrage in Grafrath könne man ableiten, dass die Bürger Angebote nutzten. Für Halbauer ist dies ein Beleg dafür, dass Freistaat, Landkreis und Kommunen ihr Mobilitätsangebot rasch und umfassend ausweiten müssen - "auch wenn es viel Geld kostet".

© SZ vom 06.03.2020

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