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Grafrath:Grafrath will Flut der Wassersportler eindämmen

Reger Besuch: Vor allem im Corona-Sommer war die Amper das Ziel von Erholungssuchenden.

(Foto: Günther Reger)

Bürgermeister Markus Kennerknecht hält den Fluss für übernutzt und ruft nach Regelungen für das nächste Jahr

Von Manfred Amann, Grafrath

An sonnigen Wochenenden in den Ferien drängten Schwimmer und Bootfahrer an die Amper bei Grafrath. Zudem gab es Klagen über die "Mückenplage", gegen die auf Wunsch von Bürgern durch die Kommune vorgegangen werden sollte. Corona- aber auch trendbedingt wurden in diesem Jahr deutlich mehr Badegäste sowie Schlauchboot- und Kanufahrer wahrgenommen, und dementsprechend groß waren auch die Müllberge, die sie hinterließen. Bürgermeister Markus Kennerknecht (parteifrei) ist überzeugt, dass der Fluss "weit über seine Kapazitätsgrenzen hinaus" genutzt wird. Daher solle sich der Gemeinderat über die Wintermonate hinweg nun Maßnahmen überlegen, wie diese Übernutzung und ihre Folgen eindämmt werden können. "Wenn von der B-471-Brücke wegen der vielen sich auf der Amper drängelnden Schlauchboote kaum noch etwas vom Wasser zu sehen ist, macht dies deutlich, dass es zu viel ist und es einer Regelung bedarf", sagte der Rathauschef in einer Bilanz zum "Sommer in Grafrath" im Gemeinderat.

Viele Möglichkeiten habe die Gemeinde aber nicht, denn die Zuständigkeit für die Amper liege beim Freistaat und beim Landkreis, fügte Kennerknecht an. Karl Ruf (CSU/BV) wandte dagegen ein, dass die Gemeinde doch rechtliche Steuerungsmöglichkeiten haben müsse, zum Beispiel könnte sie Parkgebühren verlangen. Kennerknecht befürchtet für den Fall aber, dass die Seitenstraßen dann noch mehr belastet werden und das Ab- und Aufladen der Boote beschwerlicher werden könnte. Ein etwas unorthodoxer Vorschlag von Monika Glammert-Zwölfer (Grüne), nämlich Bildtafeln aufzustellen, auf dem der neulich im Grafrather Amperbereich gefangene, 2,5 Meter lange Riesenwaller zu sehen ist, löste in der Sitzung Lachsalven aus. "Dann trauen sich viele gar nicht mehr ins Wasser und das Überlastungsproblem wäre gelöst", sagte die Gemeinderätin schmunzelnd. Kennerknecht sagte, dass die Gemeinde mit Baumstämmen eine gewisse Parkordnung zu erwirken versucht, das wilde Parken aber zugenommen habe. Mehrmals seien Beschwerden eingegangen über Lärmbelästigung und über gefährlich abgestellte Fahrzeuge. Manche hielten mit Anhängern an der Straße, um abzuladen und dann in den Seitenstraßen zu parken. Neuerdings werde der Platz auch von Anbietern von Bootsfahrten angefahren, resümierte Kennerknecht. Ihre großen Fahrzeuge mit Anhängern für mehrere Booten würden die Situation noch verschärfen. Auf der Amper komme es manchmal gleich nach der Einlassstelle für Boote schon zu ersten Havarien. Bedenklich sei, dass sich manchmal auch Familien mit Kleinkindern im Schlauchboot treiben ließen. Auch wenn Feuerwehr, Wasserwacht und Polizei des Öfteren vor Ort seien, ein ordentlicher Ablauf sei nur schwer durchzusetzen.

Thomas Prietro Peral schimpfte energisch dagegen, dass Bootsfahrer "alles in den Uferbereichen zurücklassen, was sie offensichtlich nicht mehr brauchen". Sogar Schlauchboote und Zubehörteile habe eine Gruppe Freiwilliger beim Müllaufsammeln gefunden, sagte der Gemeinderat der Grünen. Unglaublich sei auch, was die Badegäste so alles liegen lassen. "Vielleicht sollte man Schilder: Müll abladen verboten, aufstellen und mit Sanktionen drohen", schlug er vor. Glammert-Zwölfer regte an, Freiwillige zu suchen, die "ähnlich wie Schulweghelfer" eine Art Platzaufsicht übernehmen. Als der Bürgermeister auch ansprach, darüber nachzudenken, ob und wie man etwas gegen Mückenplagen unternehmen kann, warnte die Gemeinderätin davor, umweltschädliche Mittel einzusetzen.

© SZ vom 16.09.2020

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