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Grafrath:Glockenreiner Abschied

Musik

Nach 17 Jahren gibt Pfarrer Franz Wich (ganz links) das Ehrenamt als Leiter des Männerchores der Grafrather Michaelkirche auf.

(Foto: Privat)

Pfarrer Franz Wich gibt die Leitung des "Arte Choralis Michaelis" ab

Von Johanna Kleinert, Grafrath

2003 übernahm der evangelische Pfarrer Franz Wich die Leitung des klassischen Männerchores "Arte Choralis Michaelis" von seinem Vorgänger Johannes Kleinjung. Nach 17 Jahren im Ehrenamt beendet der 59-jährige Seelsorger nun die musikalische Arbeit in Grafrath, wo er weiterhin wohnen bleibt. Ob der Projektchor fortbestehen wird, ist nicht absehbar.

Ein letztes Mal nun dirigiert Wich den A-capella-Chor, dessen Mitglieder sich für jedes Projekt neu zusammensetzen. Zwischen drei und fünf Darbietungen stellte Wich pro Jahr auf die Beine. "Es gibt nur wenig gedruckte Noten für unsere speziellen Interessen, deswegen arrangiere ich jedes der Stücke auf die Stimmen. Damit sind jegliche Noten individuell auch auf die Musiker zugeschnitten. Zwangsläufig ändert sich da die Besetzung von Projekt zu Projekt", erklärt der ausgebildete Kirchenmusiker, der seit 2004 im Münchener Sophie-Scholl-Gymnasium unterrichtet.

Barock, Renaissance, Romantik: Neben vergangenen Epochen band Wich auch moderne Klangexperimente, Aleatorik nennt sich das, in seine Programme ein. Besonders am Herzen lag dem 59-Jährigen die "Pflege deutschsprachiger Gregorianik". Entstanden ist diese Art des liturgischen Chorals in der protestantischen Kirche während der Nachkriegszeit der 50er Jahren. Doch immer seltener wird der dem Duktus und Satzbau des Psalms folgende Gesang vorgetragen. "Es fehlt an Leuten, die wissen, wie diese Art von Musik, die Wurzel der protestantischen Kirchenmusik schlechthin, klingen kann. Das ursprüngliche Gesangbuch aus den 50er Jahren, wurde 1994 neu aufgelegt. An dieser neuen Version hatte ich damals mitgearbeitet", erklärt Wich.

Schon vor der Übernahme von Kleinjung sang Wich gelegentlich bei "Arte Choralis Michaelis" mit, welcher aus der früheren Schola der evangelischen Gnadenkirche Fürstenfeldbruck erwachsen war. Ihren jetzigen Namen allerdings besitzt die Gruppe erst seit 2013. Wichs Proben zehren an den Kräften, verfährt er nach dem Motto "per aspera ad astra", was so viel heißt wie "durch Schwierigkeiten zu den Sternen". Seine Anforderungen sind hoch. "Wir machen keine Volksmusik", betont er. Seine Sänger hätten seine Methoden geschätzt. Der Erhalt eines Projektchores sei maßgeblich an den Dirigenten gebunden.

Das Programm für den Gottesdienst in der Michaelkirche steht bereits. Bekanntes soll gesunden werden, "Denn er hat seinen Engeln befohlen" zum Beispiel von Mendelssohn. Nach dem Fürbittengebet aber nimmt die Messe eine experimentelle Wendung: Beim Weihnachtsfestgeläut imitiert jeder der Sänger eine Glocke. "Auf alle Glocken sind Botschaften geschrieben, die während des Weihnachtsfestgeläuts gesungen werden. Die tiefste Glocke, die Gloria-Glocke, bildet den Auftakt des achtstimmigen pentatonischen Gesangs. Die hellste Glocke, das Sterbeglöckchen, markiert das Ende", veranschaulicht Wich.

Wich hält Andacht in der Respiration. "Das Atmen ist der tiefste Punkt des Lebens. Beim Singen wird dieser elementare Vorgang bewusst. Lautäußerungen verdoppeln sich im Gesang. Die individuelle Wahrnehmung wird gesteigert. Musik als Teil der Verkündigungsarbeit offenbart die tiefer liegenden Bereiche des Glaubens", erklärt der Geistliche. Und fährt fort: "Wenn nach der Messe jemand zu mir sagt: 'Das hat mich berührt', wenn Musik das erreichen kann, dann habe ich meine Aufgabe erfüllt."

Der Männerchor der evangelischen Gemeinde Grafrath begleitet den Gottesdienst am Sonntag, 2. Februar, in der Michaelkirche, Beginn 10 Uhr. Mit dabei sind auch das Blechbläserensemble "BlechvErlangen" und die Band "Bass pro toto".

© SZ vom 30.01.2020

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