Grafrath:Gegen das Alleinsein

Die Nachbarschaftshilfe Grafrath bereitet einen Sonntagstreff mit Kaffee, Kuchen und Kultur vor. Zu dem dürfen Alt und Jung kommen - wenn das Infektionsgeschehen solche Kontakte wieder zulässt

Von Anna Schorr, Grafrath

Kontakt, Kaffee, Kultur: So soll das neue Projekt heißen, das die Nachbarschaftshilfe Grafrath für die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde organisiert. Die Idee: An einem Sonntagnachmittag im Monat können sich Jung und Alt treffen, um gemeinsam Kaffee, Kuchen und ein kulturelles Angebot zu genießen. Die Veranstaltung soll über Spenden finanziert werden. Das Ziel ist schnell erklärt: "nicht alleine sein." Die Organisatoren des Projekts stehen in den Startlöchern und warten nur darauf, dass die Corona-Beschränkungen ein Zusammenkommen wieder ermöglichen. Bis dahin soll "KKK" laut Christine Bloching-Hedwig, der stellvertretenden Vorsitzenden der Nachbarschaftshilfe Grafrath, ein "Ausblick für die Zeit 'nach' Corona" sein.

Dass Kontakt, Kaffee und Kultur wunderbar zusammenpassen, davon ist Bloching-Hedwig überzeugt. Sie erklärt, wie die Idee für das Nachbarschaftsprojekt zustande kam: "Für viele ältere Menschen, die alleine sind, ist der Sonntag der schlimmste Tag der Woche. Wenn sie draußen Paare und Familien vorbeilaufen sehen, wird vielen deutlicher bewusst, dass sie alleine sind." Und genau für diese Menschen soll es monatlich einen Lichtblick an trüben Sonntagnachmittagen geben. Das neue Projekt soll die Möglichkeit bieten, unter Leute zu kommen und vielleicht sogar Freundschaften zu schließen. Und da Kaffee und Kuchen praktisch automatisch zu einem gelungenen Sonntagnachmittag dazugehören, sollen die Teilnehmer auch damit versorgt werden. Laut Bloching-Hedwig backen viele für sich alleine keinen Kuchen. "Und der vom Bäcker schmeckt einigen nicht so gut wie selbst gemacht." Deshalb soll es von freiwilligen Helfern gebackene Kuchen geben. Dazu stellt sich Bloching-Hedwig eine monatlich wechselnde kulturelle Veranstaltung vor. "Das kann eine Stubenmusik, ein Theaterstück, eine Lesung, unser Frauenchor, Klezmer-Musik oder auch mal eine meditative Veranstaltung von der Kirche sein." All diese Events finden auf ehrenamtlicher Basis statt. Der Ort des Angebots wird wechseln: Bei schlechtem Wetter steht beispielsweise der Pfarrgarten Grafrath zur Verfügung, bei gutem Wetter könnte man auch im Klostergarten oder im Versuchsgarten zusammenkommen.

Da die zweite Vorsitzende nach eigenen Angaben eine große Freundin von Netzwerken ist, ist das "KKK"-Projekt ein gemeinsames: "Die Räumlichkeiten stellt der katholische Fachverband, die Arbeiterwohlfahrt backt Kuchen, Sybilla Rathmann, die Kulturreferentin der Gemeinde Grafrath, kümmert sich um die Veranstaltungen und die Nachbarschaftshilfe organisiert die Bewirtung." Ein weiterer Pluspunkt des Projektes: Für ältere Menschen, die nicht mehr mobil sind, steht ein Fahrbegleitdienst zur Verfügung. "Wer nicht mehr selbst kommen kann, wird abgeholt", versichert Bloching-Hedwig. Ansonsten könnten die Menschen vorerst ohne Anmeldung vorbeikommen.

Bei einem gemütlichen Kaffeekränzchen mit kultureller Einlage allein soll es aber nicht bleiben. Denn die Nachbarschaftshilfe Grafrath plant zudem ein "KKK - unterwegs". "Dann kann man auch mal einen Ausflug ins Umland machen, zum Bauernhofmuseum Jexhof beispielsweise oder man nimmt an einer Stadtführung in Fürstenfeldbruck teil." Diese Ausflüge sollen dann ein "normales" Treffen ersetzen. Das Projekt "KKK" richtet sich vor allem an ältere Menschen, die ihre Sonntage gerne in Gesellschaft verbringen möchten. Aber auch Familien und jüngeren Menschen soll das Angebot offenstehen.

Um herauszufinden, wer Interesse an dem Projekt hat, hat die Nachbarschaftshilfe einen kurzen Fragebogen erstellt, den Interessierte ausfüllen und bis 15. März in der Rasso-Apotheke in der Hauptstraße 48, Grafrath abgeben können. Den Fragebogen sollten Bürgerinnen und Bürger Ende Februar als Einlegeblatt im Mitteilungsblatt der Verwaltungsgemeinschaft Grafrath erhalten haben. Weitere Informationsblätter mit dem Fragebogen liegen außerdem in der Rasso-Apotheke bereit. Wer sich ehrenamtlich bei der Nachbarschaftshilfe engagieren möchte, kann sich unter Telefon 08144/290 oder 01 72/976 92 32 sowie in der Rasso-Apotheke melden. Weitere Informationen unter www.nachbarschaftshilfe-grafrath.de.

© SZ vom 12.03.2021
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