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Grafrath:Feinschliff trifft auf Naturgewalt

Die Bildhauerin Brigitte Cabell zeigt in ihrem Garten ihre Steinskulpturen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Tag des offenen Hauses bei Bildhauerin Brigitte Cabell

Von Emil Kafitz, Grafrath

Im Garten der Rassosiedlung 21 liegen einige rohe Steinbrocken über- und nebeneinander. Die meisten davon sind aus afrikanischem Serpentin, Brigitte Cabells liebstes Gestein. Es wurde in verschiedenen Skulpturen, die über den gesamten Garten verteilt sind, verarbeitet. Sie sind zumeist dunkelgrün, haben teilweise bräunliche Eiseneinlagerungen oder weißliche Adern. Cabell arbeitet die tieferliegenden Schichten aus den Steinen heraus, einige Stellen werden glattgeschliffen, andere ganz unbearbeitet gelassen. "Diese Steine können bis zu 2,3 Milliarden Jahre alt sein, darin liegt Weltgeschichte! Das will ich zeigen, es zugleich aber auch immer mit meinen Bearbeitungen und Ideen in Dialog treten lassen." Brigitte Cabell ist seit 18 Jahren Bildhauerin. Am 14. und 15. September zeigt sie im Rahmen eines "Hauses der offenen Tür" an die 60 Skulpturen und diverse Gemälde.

Cabells Skulpturen entstehen immer spontan, "aus dem Stein heraus". Die Vielzahl an Motiven, die sich darin finden lassen, ist überraschend. Von abstrakten, geometrischen Figuren über Tierformen bis zu verschiedenen Varianten des menschlichen Körpers. Häufig wird ein Kontrast oder eine Zweiseitigkeit dargestellt, beispielsweise bei Cabells Janus-köpfen. Diese haben zwei Gesichter mit unterschiedlichem emotionalem Ausdruck. Einige der Skulpturen wurden bereits in der Pauluskirche in Rom oder auf der Biennale in Florenz 2013 ausgestellt, alle sind das Ergebnis von Handarbeit.

Die ehemalige Kardiologin präsentierte bereits mit 16 Jahren ihre Ölgemälde in einer eigene Kunstausstellung, damals noch in ihrer alten Heimat Florenz. Heute malt sie noch immer, aber die Arbeit mit dem Stein hat Priorität: "Wenn ich mich einen Tag lang nicht mit den Skulpturen beschäftigen kann, werde ich geradezu unruhig. Und selbst auf meinen Bildern arbeite ich häufig mit Steinmaterialien." Dabei entstehen meistens Porträts von Freunden, Kollegen oder Familienmitgliedern.

Cabell ist es sehr wichtig, dass ihre Skulpturen und Plastiken leben und erlebt werden können. Einige stehen schon einige Zeit im Garten und setzen Flechten an. Bei der Ausstellung ist das Berühren der Kunstwerke ausdrücklich erlaubt. Außerdem werden sie zum Kauf angeboten. Dazu spielt am Samstag Klaus Winkler Didgeridoo und am Sonntag Hermann Dietzfelbinger die Cellosuite No. 1 von Johann Sebastian Bach (jeweils 15 Uhr).

Tag des offenen Hauses - Ausstellung von Brigitte Cabell. Samstag/Sonntag, 14./15. September, jeweils von 11 bis 18 Uhr. Grafrath, Rassosiedlung 21.

© SZ vom 12.09.2019 / sz
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