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Grafrath:Das geteilte Auto

60 Grafrather nutzen gemeinsam ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug der Gemeinde

Von Patricia Unterlechner, Grafrath

Bei Liane Haas steht der nächste Großeinkauf für die vierköpfige Familie an - mit dem Auto. Statt eines Autoschlüssels holt Liane Hass jedoch ihr Smartphone aus der Tasche und öffnet die App "Teilzeug". Damit kann sie den vor ihr stehenden elektrisch angetriebenen Renault Zoe R 400, das Rasso-Car aus Grafrath, entriegeln. Seit im Sommer 2019 der alte Touran der Familie kaputt gegangen ist, nutzen sie das E-Carsharing Angebot der Gemeinde.

Das E-Auto, mit einer angegebenen Reichweite bis zu 300 Kilometer ist zentral an der Schule in Grafrath geparkt. Seit dem Juli 2019 steht es allen Gemeindemitgliedern zur Verfügung. Mehr als 60 Bürger haben sich bei der Gemeinde registriert, um von dem Angebot Gebrauch zu machen. Die Nutzer zahlen keine Grundgebühr, sondern nur einen festen Tarif von 2,50 Euro pro Stunde und 25 Cent pro gefahrenem Kilometer. In den Abendstunden, von 19 Uhr bis zwei Uhr morgens, zahlt man lediglich einen Euro pro Stunde. Bezahlt wird per Lastschrift. Im Internet oder über die App "Teilzeug" kann das Auto auf- und zugesperrt werden. Der Fahrzeuganbieter "Teilzeug" aus Berg im Landkreis Starnberg managt sämtliche Buchungen und Rechnungen. Mittels der App können die Nutzer eine Fahrt vorbestellen, Reservierungen verändern oder bis zu 24 Stunden im Voraus löschen und überblicken, wann das Auto von anderen genutzt wird. Ein wiederkehrender Nutzungszeitraum kann ebenfalls fest eingetragen werden. Bei Verspätungen gilt eine Toleranzzeit von sieben Minuten. Falls eine nachfolgende Buchung vorliegt, muss der zu spät Kommende eine Strafe von 15 Euro bezahlen. Die Firma Teilzeug kümmert sich um die Instandhaltung des Renaults. Wer das Auto verschmutzt, etwas verliert oder beschädigt, muss dafür aufkommen. Wenn ein Nutzer einen großen Schadensfall verursacht, beträgt der Selbstbehalt maximal 500 Euro.

Autoteiler

Zufriedene Autoteiler: Familie Haas nutzt gerne das Angebot von Rasso-Car.

(Foto: Privat)

Barbara Hennecke nutzt schon seit zehn Jahren Carsharing. Für sie ist das die perfekte Ergänzung zu den öffentlichen Verkehrsmitteln. Zumindest war das in Berlin der Fall. Aus ihrem schwäbischen Heimatdorf kennt sie die Situation: ohne Auto im ländlichen Raum sei man meist "aufgeschmissen". Trotzdem hat sie sich beim Umzug nach Grafrath gegen ein eigenes Auto entschieden und nutzt nun also den elektrischen Renault Zoe. Parkplatznot, Staus zu Stoßzeiten, Pflegeaufwand und regelmäßige Kosten bei weitgehender Nichtnutzung - damit muss sie sich kaum herumschlagen.

Als größter Vorteil wird von den Nutzern die Umweltfreundlichkeit des geteilten Elektrofahrzeugs genannt. Barbara Hennecke: "Es ist cool, etwas zu teilen. Zoe ist unser aller Auto." Der geräuscharme elektrische Renault Zoe hat nach Angaben der Bürger die richtige Größe und die passende Reichweite. Das Carsharing ermöglicht teils genug Mobilität, um auf ein eigenes Auto verzichten zu können. Nur das Rauchen ist in dem gemeinsam genutzten Renault nicht erlaubt, und wer Tiere transportieren möchte, muss dies mittels einer Transportbox machen. Familie Haas sowie Barbara Hennecke zeichnen ein ähnliches Bild. Das Carsharing Angebot zusammen mit dem MVV und dem eigenen Fahrrad reicht ihnen, um alle gewünschten Alltagsziele anzufahren. Einzig ein längerer Urlaub muss anders geplant werden.

Autoteiler

Barbara Hennecke nutzt schon seit zehn Jahren Carsharing.

(Foto: Privat)

Die Corona-Beschränkungen im Frühjahr 2020 hatten kurzzeitig zu einem leichten Rückgang der Fahrleistung und der Nutzung geführt. In der zweiten Hälfe des Jahres nutzten die Bürger das Auto wieder mehr als im entsprechenden Zeitraum 2019. Familie Haas wünscht sich bei steigender Nutzerzahl, dass die Gemeinde ein zweites Auto bereitstellt, um flexibel zu bleiben.

© SZ vom 03.02.2021
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