Grabungen an der B 2:Heißes Pflaster unter der Fahrbahn

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Die B 2 wird in ihrem Verlauf leicht verändert. Vor den Bauarbeitern graben jetzt die Archäologen am Münchner Berg nach Zeugnissen früher Besiedlung.

Jesko zu Dohna

Brausetabletten und Archäologie haben auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam, dabei liegt der Vergleich für Archäologin Alexandra Völter auf der Hand: "Wenn man ausgegrabene Keramik aus der Bronzezeit in Wasser von Schmutz befreien will, dann löst sie sich einfach auf - wie eine Tablette Aspirin." Durchaus vorstellbar bei Scherben, die schon mehr als 3500 Jahre in der Erde ruhen.

Auf der Suche nach einer archäologisch bedeutenden Stelle bräuchte man viel Erfahrung und Gespür, sagt Grabungsleiterin Völter von Archbau Bayern. Mit ihrer privaten Grabungsfirma führt Völter die archäologischen Routinegrabungen für das Landesamt für Denkmalpflege auf dem Gelände für den Ausbau der Bundesstraße 2 am Münchner Berg durch. Dort achtet die studierte Archäologin mit ihrem Team von rund einem Dutzend Assistenten auf jede Verfärbung, die der Boden aufweist.

Die Gegend ist für Archäologen interessant. Vor Baubeginn mussten deshalb sogenannte Sicherungsgrabungen durchgeführt werden, denn bei der Stelle am südlichen Ortsausgang von Fürstenfeldbruck handelt es sich um eine Verdachtsfläche für Siedlungen aus der frühen Bronzezeit. "Wir befinden uns im Randbereich der Münchner Schotterebene", sagt Stefanie Berg-Hobohm vom Landesamt für Denkmalpflege. "Durch die Nähe zum Verkehrsweg Isar ist das ein heißes Pflaster, aus der Bronzezeit sind hier viele Siedlungen."

Auf die scherzhaft gemeinte Frage, ob Völter bei ihrer Arbeit hier schon ägyptische Pharaonen ausgraben konnte, gibt die Archäologin eine durchaus ernste Antwort, die wohl überrascht. "In der Bronzezeit gab es bereits regen Handel, sogar zwischen Afrika und Europa. Bei einer Grabung in Dänemark habe ich vor ein paar Jahren schon mal blaue ägyptische Glasperlen gefunden."

Für den Laien erscheint das Ergebnis der jetzt abgeschlossenen zweiwöchigen Grabungsarbeiten ernüchternd. Außer einer Schubkarre voll prähistorischer Scherben haben die Archäologen um Völter nicht viel gefunden. Um die für archäologische Grabungen relevanten Erdschichten sichtbar zu machen, trugen die Forscher zunächst den Humusboden ab, danach nahmen sie Stichproben. Dazu wurde der Boden bis zur geplanten Bautiefe geöffnet, dann wurden einzelne Gruben gegraben, die wie akkurat ausgestanzt wirken.

Im Querschnitt konnten die Archäologen dann Belege für Siedlungsgeschichte sichtbar machen. Dabei geben schon leichteste Verfärbungen Aufschluss. Die Archäologen entdeckten beispielsweise ein Wohnhaus mit Wirtschaftstrakt aus der Mittleren Bronzezeit um 1400 vor Christus. Völter dokumentierte Überreste von Fußböden, Pfosten und Müllhalden der ehemaligen Bewohner. "Hier könnten wir den Rand einer Siedlung erwischt haben. Die Hanglage war damals ideal für den Bau einer Siedlung", sagt Völter. Leider darf sie mit ihrer Firma nicht die ganze Gegend aufgraben, erlaubt sind ausschließlich Eingriffe auf dem Baugrundstück für den neuen Verlauf der Bundesstraße.

Bei den Brucker Grabungen handelt es sich trotz der Funde allerdings nur um Plangrabungen. Sie stellen keine Forschungsarbeiten dar, sondern sollen nur eventuelle Funde sichern und dokumentieren. Einen Baustopp gibt es nicht. Die archäologischen Denkmäler verbleiben, bis auf ein paar Scherben, unter der Fahrbahn. Das Gefundene lässt sich bis auf die Scherben nur dokumentieren, da es außer ihnen keine festen Funde gibt, die man bergen könnte. Die gefundene Siedlung war aus Holz oder vergleichbaren Materialien, die mit der Zeit verrottet sind. "Unter der Erde sind die Denkmäler, wenn man ehrlich ist, sowieso am besten aufgehoben und konserviert. Sie liegen ja schon Tausende Jahre dort unten", sagt Völter.

Ein Bau kann nur verhindert werden, wenn Funde von enormer "nationaler Bedeutung" auftauchen. Was aber laut Berg-Hobohm ohnehin so gut wie nie passiert. Dennoch wird die Ausgrabung fotografisch dokumentiert und die Keramik anschließend archiviert - somit ein zweites Mal konserviert. Die Brausetabletten-Keramik muss dafür vorher allerdings gebrannt und gehärtet werden.

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