Germany's Next Topmodel:"Ich war inspiriert von dem Gedanken, mich selbst als Plakat zu sehen"

Lesezeit: 4 min

Model

Das Gefühl auf dem Laufsteg vergleicht die 22-Jährige mit dem Adrenalinschub vor einer Sprintstaffel.

(Foto: Pro Sieben)

Die 22-jährige Ashley aus Fürstenfeldbruck studiert Jura und möchte einmal im Bereich des Völkerrechts arbeiten. Erst einmal nimmt sie aber an der Castingshow Germany's Next Topmodel teil. Sie glaubt: Mit Modeln kann man die Welt verbessern.

Von Florian J. Haamann, Fürstenfeldbruck

An diesem Donnerstagabend geht ein Fernsehevent in seine 16. Staffel, das die Nation spaltet wie kaum ein anderes. Für die einen ist "Germany's next Topmodel" Ausdruck all dessen, was falsch läuft in der Gesellschaft, für die Fans ist es große Unterhaltung. Auf jeden Fall ist es alters- und Bildungsschicht-übergreifendes Gesprächsthema. Mit dabei ist in diesem Jahr die 22-jährige Fürstenfeldbruckerin Ashley. Lediglich als wandelnde Litfaßsäule für die neusten Kollektionen aus Berlin, Paris oder New York versteht sich die 22-Jährige dabei keinesfalls. Vielmehr möchte die Jurastudentin die Aufmerksamkeit nutzen und ein Sprachrohr sein für alle Menschen, die weniger privilegiert sind als sie.

Nach dem Abitur am Brucker Viscardi-Gymnasium habe sie angefangen, sich "quer durch zu probieren" durch die Modelwelt, mit ersten Shootings und kleinen Laufstegjobs. "Ich wollte sehen, ob das das Richtige für mich wäre. Ich war inspiriert von dem Gedanken, mich selbst als Plakat zu sehen." Schon immer habe sie gerne die Videos von den Laufstegen der großen Shows geschaut, ihr "absolutes Ziel" sei es, einmal bei der Fashion Week in Paris laufen zu dürfen, Teil des großen Ganzen zu sein.

Vor allem aber möchte Ashley mit ihrer Modelkarriere etwas für die Menschen tun, die nicht so eine große Aufmerksamkeit bekommen wie sie selbst. Gerade in den sozialen Netzwerken, auf denen sie durch die Teilnahme bei GNTM in den kommenden Wochen wohl mit einem erheblichen Zuwachs an Followern rechnen darf, möchte sie die Aufmerksamkeit auf Themen richten, die ihr wichtig sind. "Ich will die Reichweite nutzen, um kleinen Organisationen und NGOs ein Sprachrohr zu geben und sie größer zu machen, indem sie mich als Plattform nutzen", erzählt Ashley. "Meine Familie und ich unterstützen ein Kinderheim in Togo, das von einem Mann geleitet wird, den wir vor ein paar Jahren kennengelernt haben. Durch die Corona-Pandemie sind viele Eltern gestorben, und es sind zusätzlich viele Kinder ins Heim gekommen. Mein Ziel ist es, sie zu fördern."

Mit ihrer Familie unterstützt sie die Jurastudentin ein Kinderheim in Togo

Dabei geht es der 22-Jährigen nicht nur um schöne Gesten im Internet, sondern auch um ihre berufliche Zukunft, die sie im Völkerrecht sieht. "Ich stelle mir nicht vor, die nächsten 50 Jahre zu modeln, ich finde, das ist eine tolle Sache für die Zwanziger, aber je älter ich werde, desto mehr Zeit wird meine Arbeit als Juristin einnehmen." Vielleicht schaffe sie es ja, irgendwann eine eigene NGO zu gründen oder als Botschafterin bei der UN zu arbeiten. "Wichtig ist es mir, dass ich wirklich im Einsatzgebiet mitarbeiten kann, damit ich ein Gefühl dafür bekomme, was die wirklichen Probleme sind. Natürlich kann man aus dem Büro auch viel erreichen, aber das legt eine gewisse Distanz zwischen das Problem und sich selbst", sagt Ashley.

Jetzt aber ist sie eben in ihren Zwanzigern und treibt mit der Teilnahme an GNTM ihre Modelkarriere voran. Wie die Show gelaufen ist, darüber darf sie freilich aktuell nichts erzählen. Aber zumindest über die Bewerbungsphase. Erst einmal habe sie online ein paar Fragen beantworten müssen, über sich und ihre Modelerfahrung, dazu ein paar Bilder eingeschickt. Danach seien noch mehr Fragen und ein Bewerbungsvideo dazu gekommen, bis es dann zu einem persönlichen Casting gekommen sei. Dort durfte sie laufen und in einem weißen Raum für ein paar Bilder posieren. "Und wenn es gut läuft, meldet sich einen Monat später das Team und sagt, ob man dabei ist", so Ashley.

Der Moment, bevor es auf den Laufsteg geht, erinnere sie an ihre Zeit als Sprint-Leistungssportlerin. "Kurz bevor man rausgeschickt wird, wird das Adrenalin freigesetzt, fast ein bisschen so wie bei der 400-Meter-Staffel, wenn man darauf wartet, dass der Stab übergeben wird. Dieses Gefühl, gleich könnte richtig viel schief gehen, aber trotzdem habe ich die Möglichkeit, dass für die nächsten Sekunden die Aufmerksamkeit zu 100 Prozent bei mir liegt. Man muss lernen, das zu genießen, und wenn man in diesen Genuss kommt, ist das wirklich eines der besten Gefühle. Es gibt wenige Situationen, die genau das in mir auslösen", so Ashley.

Modeln versteht sie nicht als Objektivierung, sondern als eine Art von Kunst

Mit dem Vorurteil, dass durch das Modeln der Körper objektiviert wird, kann Ashley nichts anfangen. "Ich stimme dem absolut nicht zu. Ich finde durch das Modeln wird der Körper in einer ästhetischen Art zu Kunst gemacht, es ist eine Art des eleganten Ausdrucks, genau wie beim Tanz. Das Modeln wir heute oft genutzt, um gesellschaftliche Kritik auszuüben oder Botschaften in die Welt zu tragen. Als Teil der Meinungsfreiheit finde ich das wichtig und super."

Durch die Arbeit als Model habe sie mehr gelernt, als sie vorher gedacht hat. "Vor allem, wenn es um die Frage Selbstbild und Fremdbild geht und darum, eine Balance zwischen beidem zu finden. Und was ich auch gelernt habe, ist eine starke Art von Disziplin." Eine wichtige Erkenntnis sei auch gewesen, das Modeln ein Lifestyle ist, den man am Ende rund um die Uhr vertritt. "Das kann man nicht einfach abstreifen, wenn man nach Hause kommt. Man hat eine Vorbildfunktion, und deswegen achte ich darauf, was ich esse, wie ich mich in den sozialen Medien präsentiere, dass ich mich bedacht ausdrücke. Modeln ist einfach ein Lebensstil."

"Germany's next Topmodel", Donnerstag, 4. Februar, 20.15 Uhr auf Pro Sieben

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