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Gesundheitsvorsorge:Ärzte vor Herausforderung

Jetzt versorgen sich Praxen mit Impfstoffen gegen Grippe. Ob die Vorräte reichen, zeigt sich aber erst in einigen Monaten

Von Fabiana Braunstorfer, Fürstenfeldbruck

In diesen Wochen bereiten sich Arztpraxen auf die Grippezeit vor. Aus Gründen der Prävention raten sie zu Impfungen, die einen Schutz vor den Influenza-Erregern aufbauen sollen. Wie viel Impfstoff sie dafür benötigen, das ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. In der vergangenen Grippezeit, vor allem in den Monaten Januar bis März, nahm die Grippe einen schwächeren Verlauf als im Jahr zuvor. So wurden im Klinikum Fürstenfeldbruck in den ersten Monaten dieses Jahres 56 Influenzapatienten behandelt, im Vorjahreszeitraum waren es 94. Insgesamt wurden dem Gesundheitsamt aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck in diesem Jahr knapp 1000 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle gemeldet.

Weil der Impfschutz erst nach etwa zwei Wochen besteht, sind die Monate November und Dezember die ideale Zeit für die Impfung. Die Impfung sollte jährlich erfolgen, weil sich der Virus verändert. Welche Viren voraussichtlich verbreitet werden, ist Gegenstand einer Prognose. Jakob Nies ist Arzt für innere Medizin und stellvertretender Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes Fürstenfeldbruck. Er sagt, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gebe auf Basis von statistischen Daten die Virusstämme vor, gegen die dann die Pharmaindustrie einen Impfstoff entwickelt. Wegen der Veränderungen bei Virus- und Impfstämmen variiert jedoch auch die Schutzwirkung der Impfstoffe. Bei Untersuchungen des Robert Koch Instituts in Berlin, der Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten, waren durchschnittlich 40 bis 60 von 100 geimpften Personen vor einer Grippe geschützt.

Auch Ärzte und ihre Praxen müssen in Sachen Grippe-Impfung mit Prognosen arbeiten. Jede Praxis muss im Jahr vor der Grippephase das Risiko tragen, zu wenig oder zu viel bei der Apotheke zu bestellen. "Die Sorgfaltspflicht liegt beim Arzt." Dass es in gewissen Regionen und Arztpraxen zu Engpässen kommen kann, hängt demnach mit Organisation, Kalkulation und Nachlieferbarkeit zusammen. Dass Nies schon seit dreißig Jahren als Arzt in Mammendorf praktiziert, ist für diese Kalkulation von Vorteil. 600 Impfstoffe lasse die Praxis von der Fürstenfeldbrucker Marienapotheke liefern - aufgrund beschränkter Kühlschrankkapazitäten könne man diese nur sukzessive abnehmen. Als es vergangenes Jahr zu einem Impfengpass kam, sei Nies' Praxis "nicht auf einem Impfstoff sitzen geblieben". Es seien sogar Patienten aus anderen Arztpraxen gekommen, aber man habe niemandenabweisen müssen, berichtet der Mediziner.

Der Grippevirus überträgt sich durch Tröpfchen und Hautkontakt. Erkrankte leiden etwa fünf bis sieben Tage an Fieber, Reizhusten sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Für sogenannte "Risikogruppen" kann die Grippe lebensgefährlich sein. Man empfiehlt die Impfung daher vor allem Menschen im Alter ab 60 Jahren, Schwangeren, chronisch Erkrankten oder Pflegepersonal. Jeder solle selbst entscheiden, ob er sich impfen lasse. "Wir machen ja keine Vorwurfsmedizin", sagt Nies. Er legt die Influenza-Vorbeugung aber seinen Patienten ans Herz - insbesondere denen, die im höheren Alter sind oder unter chronischen Erkrankungen, wie Diabetes, Immunsuppression leiden. Dann werde auch gleich der Schutz gegen Pneumokokken injiziert. Diese können Hirnhaut-, Lungen- oder Mittelohrentzündungen verursachen. Man impfe auch direkt in den Pflegeheimen. In diesen Einrichtungen gibt es einen Sammeltermin.

Für verbesserten "Herdenschutz", hilft es laut Nies, wenn sich auch ungefährdete Menschen impfen lassen, die viel mit anderen Personen zu tun haben. Dann würden weniger Viren übertragen. Schließlich warne die Weltgesundheitsorganisation WHO bereits seit Jahren von einer großen Epidemiewelle.

Auch wer sich nicht impfen lässt, kann es den Grippeviren schwer machen. Sich nach dem Kontakt mit Kranken die Hände zu waschen, ist eine Möglichkeit. Weitere Tipps, um das Risiko einer Erkrankung zu verringern, gibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Geimpften und Nicht-Geimpften auf ihrer Website www.infektionsschutz.de.

© SZ vom 18.11.2019

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