GeschichteAls die Post ein Spielplatz war

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Sankt Michael in Wenigmünchen beherbergt eine kunsthistorisch wertvolle Figur des Erzengels.
Sankt Michael in Wenigmünchen beherbergt eine kunsthistorisch wertvolle Figur des Erzengels. (Foto: Gemeinde Egenhofen)

Von schon fast vergessene Ereignissen und Einrichtungen der Dörfer und Weiler erzählt das neue Heft der „Egenhofener Geschichten“. Die tiefe Verbindung zur Vergangenheit wird darin spürbar.

Von Manfred Amann, Egenhofen

Auch für das vergangene Jahr 2024 hat der Arbeitskreis Gemeindegeschichte wieder ein Heft „Egenhofener Geschichte(n)“ herausgegeben. Es ist die zehnte Sammlung von interessanten, oft schon vergessenen Ereignissen, von ehemaligen Einrichtungen, von Veränderungen der Infrastruktur, von der Entwicklung der Dörfer und Weiler sowie von Erzählungen über besonders engagierte oder auffällige Bürger. Zur Einführung wird unter anderem darauf verwiesen, dass die lokale Geschichte etwas Direktes, Persönliches habe und eine tiefe Verbindung zur Vergangenheit verspüren lasse.

Die Egenhofener Geschichte(n) seien ein solches lebendiges Beispiel. Sie seien mehr als nur eine Sammlung von Fakten, sondern „ein Teil unserer Identität, ein Fenster in die Vergangenheit, das uns hilft, die Gegenwart zu verstehen und in einen größeren Kontext einzuordnen“. Die Geschichten erinnerten daran, was war, und „laden uns ein, das Erbe unserer Heimat zu bewahren und weiterzugeben“, heißt es.

Das reich bebilderte Heft umfasst knapp 50 Seiten und beschäftigt sich mit acht Themen. Umfassend stellt Anne Mischke-Jüngst unter der Überschrift „Warum in die Ferne schweifen…“- Kirchensätze in der Region die Geschichte der Kirche Sankt Michael in Wenigmünchen mit ihrer kulturhistorisch und künstlerisch bedeutsamen Ausstattung vor und streift dabei auch die Ortsentwicklung.

„Im Zentrum des Altars steht die sehr elegante und kunsthistorisch wertvolle Figur des Kirchenpatrons, des Erzengels Michael. Er steht in einer Nische, die von einem Baldachin abgeschlossen ist. Der Erzengel steht da, als sei er gerade aus dem Himmel auf die Erde geflogen, so bewegt sind sein Gewand und seine Haltung. In der rechten Hand hält er ein Schwert, in der linken Hand die Seelenwaage, die auf das Weltgericht verweist“, schreibt die Kunsthistorikerin, die auch stellvertretende Vorsitze des Historischen Vereins für die Stadt und den Landkreis Fürstenfeldbruck ist.

Für die Kinder der Postfannerl war die Post außerhalb der Schalterstunden ein toller Spielplatz.
Für die Kinder der Postfannerl war die Post außerhalb der Schalterstunden ein toller Spielplatz. (Foto: Gemeinde Egenhofen)

Hauptthema des Heftes ist die Geschichte der Post. Gertraud Ludwig befasst sich mit der „Poststelle Unterschweinbach – Die Zeit von 1933 bis 1962“ und mit „Postbotinnen in Unterschweinbach – Erinnerungen von Leni Unkmeir und Monika Scheb“. Ganz privat mit persönlichen Erinnerungen plaudert Tochter Martina Bölck über „Die Ära der Postfannerl“ von 1970 bis 1995, ihre Mutter. „Für uns Kinder war die Post außerhalb der Schalterstunden ein toller Spielplatz. Wir konnten auf der Schreibmaschine herumtippen, die Rechenmaschine rattern lassen, irgendwelche Papiere stempeln. Es gab kleine grüne Näpfe mit einem nassen Schwamm zum Briefmarkenanfeuchten“, erinnert sich die Autorin.

Die Korbinians-Linde in Geisenhofen.
Die Korbinians-Linde in Geisenhofen. (Foto: Gemeinde Egenhofen)

Unter dem Titel „s‘Millibankerl“ als wichtiger Umschlagplatz für das Neueste aus dem Dorf, erinnert Bürgermeister Martin Obermeier an die Zeit, als noch täglich die Milch in Kannen abgeholt wurde. „Neben der Wirtschaft, dem Ratsch nach dem Kirchgang oder auch den Treffen der Vereine war es ein selbstverständlicher dörflicher Treffpunkt“, weiß der Gemeindechef aus Erzählungen. Im Weiteren erläutert Rosemary Rath die „Geschichte der Mühle an der Glonn“ in Egenhofen und Georg Strasser berichtet über die „Die Korbinians-Linde in Geisenhofen - 1924 bis 2024“. Von der „Einweihung des Fahnenschrankes des Aufkirchner Veteranenvereins“ im Jahre 2023 und wie es dazu kam, erzählt Johann Lampl. Wie üblich findet sich im Heft auch wieder ein Gemeinde-Rückblick auf das Jahr 2024.

Das Millibankerl in Aufkirchen war ein Umschlagplatz für Neuigkeiten aus dem Dorf.
Das Millibankerl in Aufkirchen war ein Umschlagplatz für Neuigkeiten aus dem Dorf. (Foto: Gemeinde Egenhofen)

Das zehnte Heft „Egenhofener Geschichte(n)“ liegt im Rathaus in Unterschweinbach auf und wird für sechs Euro abgegeben.

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