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Gernlinden:Längst mehr als eine Faschingsgarde

Der Fanfarenzug Graf Toerring Gernlinden besteht seit 60 Jahren. Die in rot-weiße Uniformen gewandeten Musikanten spielen zum Dorffest ebenso wie zum Wiesneinzug

Von Manfred Amann, Gernlinden

Vor 60 Jahren haben Mitglieder des Burschenvereins den Fanfarenzug Graf Toerring Gernlinden als eine Art "Begleitkapelle der Faschingsgarde" gegründet. Heute sind die Bläser, die Trommler und die Fahnenschwinger von vielen Großveranstaltungen im Landkreis und darüber hinaus nicht mehr wegzudenken. Ob Leonhardifahrt, Faschingszug oder Fahnenweihe, mit ihren rot-weißen Uniformen und ihren rhythmischen Melodien sind sie stets eine große Bereicherung. "Wie das bei vielen Vereinen üblich ist, sollte so ein Jubiläum auch gebührend gefeiert werden, was aber wegen Corona nicht möglich ist", bedauert der Vorstand. Leider muss auch die kleine Jubiläumsfeier ausfallen, mit der an die Weihe des Graf-Toerring-Brunnens vor 15 Jahren erinnert werden sollte. Die Jubiläumsfeiern werden allerdings nachgeholt, und zwar von 16. bis 18. Juni 2023 mit einem Brunnenfest "mit Mittelaltermarkt und allerhand Gaukelei und Spektakulum".

Musik

Den Einzug der Wiesnwirte begleiten die Gernlindener seit 1967, gerne auch in bayerischem Gwand.

(Foto: Privat)

Der Vereinschronik ist zu entnehmen, dass der Fanfarenzug entstand, weil Mitglieder wie Heinz Dörner und Achim Dorwarth damals "Ahnung vom Trommeln und Fanfarenblasen" hatten. Die wöchentlichen Proben begannen im September 1961 zunächst in der Werkstatt von Karl-Hans Benz, dem Zugführer, und fanden später im Saal der Bahnhofsgaststätte Ritzer statt, die sich im sogenannten "Waldschlössel" befand. Mittlerweile wird im Keller des Bürgerzentrums geprobt, in dem der Verein seine Heimstatt hat.

60 Jahre Fanfarenzug Graf Toerring Gernlinden e.V.

Die rot-weiße Landsknechtstracht ist vor allem für die Teilnahme an Mittelalterfesten gedacht, wie die Ritterspiele auf Schloss Kaltenberg.

(Foto: Privat)

Bereits 1964 war der Fanfarenzug so bekannt, dass er am Trachten- und Schützenzug zum Münchner Oktoberfest teilnehmen durfte. Drei Jahre später begleitete die Gruppe erstmals auch den Einzug der Wiesnwirte. Beide Festzüge sind seither fester Bestandteil der Jahresprogramme. Als bedeutungsvoller Schritt in der 60-jährigen Vereinsgeschichte wird die Beschaffung einer historischen Tracht angeführt, um an Mittelalterveranstaltungen wie in Kaltenberg teilnehmen zu können. Da es dazu auch ein Wappen brauchte, holte der damalige Vorstand von Hans Caspar Graf zu Toerring-Jettenbach die Erlaubnis ein, dessen Familienwappen tragen zu dürfen. Schließlich hatte Hans Veit Maximilian Caspar Graf zu Toerring-Jettenbach (1862-1929) im Jahre 1908 das Gut Gernlinden gekauft, aus dem 1919 mit Hilfe der Landessiedlungsgesellschaft der Ort Gernlinden hervorging. Als Dank und Anerkennung für seine ideelle und finanzielle Unterstützung wurde Nachfahre Hans Caspar Graf zu Toerring-Jettenbach 1987 zum Ehrenmitglied des Fanfarenzuges ernannt. Im Jahr 1985 trennten sich die Musiker vom Burschenverein und ließen sich als eigenständiger Verein mit dem Namen "Fanfarenzug Graf Toerring" registrieren. Seither wird die Landsknechtsuniform getragen, die immer wieder, zum Beispiel mit einem Ledergürtel oder den historischen "Kuhmaulschuhen" ergänzt wurde. Um das mittelalterliche Bild abzurunden, werden seit 1988 die Trommler und Fanfarenbläser von Fahnenschwingern begleitet. Als die Gruppe noch zum Burschenverein gehörte, waren Frauen nicht zugelassen, heute sind sie laut Vorstand eine wichtige Stütze. Neben Proben und Auftritten ist dem Verein auch daran gelegen, selbst Spaß zu haben, die Gemeinschaft zu pflegen und das Ortsleben zu bereichern. Bei den Sammlungen von Altpapier, beim Maibaumaufstellen, bei Dorffesten, überall wird tatkräftig geholfen. Zudem werden für Mitglieder Ausflüge und Events wie Schlauchbootfahrten oder Rodeln organisiert.

© SZ vom 31.05.2021
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