Gernlinden Kreatives Narrenvolk

Der Faschingszug besticht wieder mit einer bunten Themenpalette. Einige tausend Zuschauer säumen die Straßen und sehen 20 Motivwagen an sich vorbeiziehen

Von Manfred Amann, Gernlinden

Die Bienen scheinen tatsächlich auszusterben. Trotz des Aufsehen erregenden Volksbegehrens "Rettet die Bienen" wurden am Faschingssonntag in Gernlinden wider Erwarten nur vereinzelt Exemplare der fleißigen Insekten gesichtet. Beim großen Umzug war lediglich auf dem Kartell-Wagen der Ortsvereine ein emsiges Bienenpaar - reichlich Süßigkeiten in die Menge werfend - unterwegs: Bürgermeister Hans Seidl mit Frau Petra. Angeführt wurde der 72. Gaudizug traditionell vom Posaunenchor Graf Törring. Mit etwa 20 teils riesigen Motivwagen und circa zehn einfallsreichen Fußgruppen erreichte der Umzug wieder eine stattliche Länge.

Als Gorch-Fock-Piraten treten die Faschingsfreunde Schneider beim Zug durch Gernlinden auf.

(Foto: Günther Reger)

Mehrere tausend Zuschauer säumten die Straßen schon lange, bevor sich der Zug in Bewegung setzte, und in etlichen Vorgärten entlang des Weges sowie auf dem Platz vor dem Bürgerzentrum wurde bereits von Mittag an mit Hühnern, Hasen, Elefanten, Einhörnern, Eisbären, Pinguinen, Indianern und Cowboys ausgelassen gefeiert. Die als "Wilde Hilden" bekannte Frauengruppe war heuer als bunte Quallen unterwegs, Schürzenjäger forderten einen eigenen "Schürzenbräu-Jägertrunk", eine Gruppe "Blutsauger" kündigte ihr Ausschwärmen bei Dunkelheit an und die Faschingsfreunde Schneider ließen ein rostiges Schiff absaufen und skandierten: "Lasst uns die alte Gorch Fock versenken".

Bienen-Statement des Bürgermeister-Ehepaares Hans und Petra Seidl.

(Foto: Günther Reger)

"Brexit ist cool" meinte der Kellerclub Gernlinden, die Haberfeldtreiber aus dem Ort feierten als Pink Panther und die Frauen von Gernlindener Weiberfasching spielten als wandelnde Cocktail-Gläser mit Strohhalm auf die vielen Kreisverkehre an. "Nach drei Cocktails dreht sich zwischen Maisach und Gernlinden alles im Kreis, wie man weiß", war zu lesen.

Und auf dem Wagen des Burschenvereins war eine Straßenkarte mit den Kreisverkehren zu sehen, die Strecke auf der der "Kreisl-Hans" bald den "Hans-Kreisl-Cup" austragen lassen wird. Um der örtlichen CSU bei der Europawahl die Suppe zu versalzen, hatten sich die frechen Hühner heuer als Gernlindener Bürgerhexen verkleidet. Weihrauchschwaden ließen manchen Zuschauer die Nase rümpfen. "Macht nix, die CSU soll wissen, dass sie nicht allmächtig ist", erklärte eine fröhliche Hexe. Die Freiwillige Feuerwehr Gernlinden zeigte, wie das Raumschiff "Bavaria One" einmal aussehen könnte, und in der Schaufel des Frontladers lümmelte eine Markus-Söder-Puppe, der der Spruch "Ein kleiner Schritt für mich, ein großer Schritt für Bayern" zugeschrieben war.

Es werden Süßigkeiten verteilt.

(Foto: Günther Reger)

Etliche Motivwagen kamen von außerhalb, so auch der bunte Faschingszugwagen aus Olching, der zum 66. Gaudizug am Dienstag in die Nachbarstadt einlud. Eine große Gruppe kam aus Graßlfing, das offensichtlich wie das "kleine rebellische germanische Dorf" seinerseits mit Asterix und Obelix gegen die Römer, gegen die Olchinger Rathauspolitik aufbegehrt. Ein "autonomes Hoheitsgebiet Graßlfinger-Moos" forderte die Interessengemeinschaft des Olchinger Ortsteils. "Wir wollen mehr Freiheiten, wenn es um die Entwicklung unseres Dorfes geht, mehr Mitsprache und uns durch den Flächennutzungsplan oder andere Festlegungen nicht einengen lassen", befand dazu Sprecher Alois Wachtl. Dabei schleppet er einen Hinkelstein auf dem Rücken und schaute zu Bürgermeister Andreas Magg auf, der als römischer Imperator auf dem Thron sitzend abgebildet war.

Bus-Demonstration der Gernlindener Grundschüler.

(Foto: Günther Reger)

Auf dem "Jesenwanga Almrausch" feierten der Burschenverein mit der Familie vom Bürgermeister eine "fetzige Hüttengaudi". Mitglieder der Baseball- und Softball-Abteilung des Gröbenzeller Sportvereins wollten auf ihren schwarzen Wagen "einfach nur gut aussehen" und die Landjugendgruppen aus Puch und Biburg erlebten auf dem Traumschiff die Karriere "vom Fischer zum Kapitän".

Ein ernstes Thema nahmen sich Mönche und Nonnen aus Olching vor, indem sie zum Beispiel predigten, Eltern sollten ihre Kinder nicht zum Bonbon sammeln vor die Wagen schieben. Gegen die Verschwendung von Lebensmitteln protestierten die Motorsportfreunde Olching mit "Essen auf den Teller statt in die Tonne" und der aktuellen Frage "Kann Containern Sünde sein?" Gut 90 Minuten dauert der Umzug, die Feier in der Dorfmitte bis in den späten Abend hinein.