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Germeringer Stadträtin:Mit Hund und Dreadlocks im Stadtrat

Sophie Schuhmacher

Im Stadtrat und in beim Klimaprotest engagiert: die Grünen-Kommunalpolitikerin Sophie Schuhmacher.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Grüne Sophie Schuhmacher ist die jüngste Kommunalpolitikerin im Ort und Kopf der Klimabewegung

"Wie es genau lief, ist mir ehrlich gesagt immer noch rätselhaft", sagt Sophie Schuhmacher, grüne Stadträtin, über ihre Wahl 2014. Eigentlich auf Listenplatz neun gesetzt, wurde die 23-Jährige von den Wählern auf die fünfte Stelle vorgehäufelt. Sie sei nicht mal Mitglied bei den Grünen gewesen, als sie überraschend eine E-Mail vom Ortsvorstand der Grünen, bekam und ihr angeboten wurde, für den Stadtrat zu kandidieren. Sie sei damals zwar schon gut vernetzt, an der Schule stark engagiert und ein "bunter Hund" gewesen. Ihre Dreadlocks, damals rot gefärbt, seien ihr Wiedererkennungsmerkmal gewesen.

Heute ist sie als Stadträtin etabliert und Mitorganisatorin von "Germering for Future". Das Aktionsbündnis hatte vor der Stadthalle zu einer Klimademonstration im Rahmen der weltweiten Fridays for Future-Proteste aufgerufen. "Wir waren überwältigt von dem Zuspruch, den wir erhalten haben", sagt Schuhmacher über die laut Schätzung des Bündnisses 2000 Menschen, die demonstriert haben. Der Stadtrat und Oberbürgermeister Andreas Haas hätten nun gesehen, dass viele Bürger hinter kommunalen Klimaschutzmaßnahmen stünden, so Schuhmacher. Dadurch könne man in Germering etwas bewirken. Von der Bundesregierung sei sie "aktuell noch sehr enttäuscht", gerade wenn man bedenke, dass bei deren Klimaschutzpaket die Proteste schon miteinbezogen worden seien.

Zunächst steht die Übergabe der Forderungen an den Oberbürgermeister am Freitag an. Danach bespricht das Bündnis, wie die Zukunft von Germering for Future aussehen soll. In Germering sieht sie den Spielraum für Verbesserungen des Klimaschutzes begrenzt. Die 10-H-Regel und das Fehlen freier Flächen verhinderten den Bau von Windkrafträdern. "Ich wünsche mir, dass wir auf den Dächern der Stadt möglichst viele Photovoltaikanlagen haben", sagt Sophie Schuhmacher. Dabei müsse man beim Rathaus anfangen und die vorhandenen Solarzellen ergänzen. Die notwendige Verbesserung der Fahrradinfrastruktur sei ein Thema, an dem der ganze Stadtrat arbeite.

Dessen Zusammenarbeit lobt sie generell. "Als wir im Sommer 2015 viele Flüchtlinge aufgenommen haben, hat der Stadtrat an einem Strang gezogen, um die Herausforderung zu bewältigen", nennt sie ein Beispiel. Als sie 2014 neu gewählt war, habe sie Bedenken gehabt, ob die Kollegen sie wegen ihres Alters oder ihres Habitus ernst nehmen würden. Darüber habe sie sich nie beschweren können, obwohl sie zuerst eher als Stimme der Jugend statt als Stadträtin gesehen worden sei. Mit der Zeit sei sie aber als Kollegin angesehen worden: "Mittlerweile fühle ich mich von allen Fraktionen geschätzt." So werde ihr auch verziehen, wenn ihr politisches Engagement in der Prüfungsphase des Studiums hinten anstehen müsse. Der Stadtrat und das Studium ließen sich aber generell gut nebeneinander bestreiten.

Zu Beginn ihrer politischen Karriere sei sie "erst mal niedergeschmettert" gewesen. Die Sitzungen seien oftmals viel Verwaltungsarbeit und die Möglichkeiten von Kommunen begrenzt. Hinzukomme die Größe der CSU-Fraktion, von der alle Entscheidungen im Stadtrat abhingen. "Man ist in ein juristisches System eingebettet und kann sich nur darin bewegen", beschreibt Schuhmacher die Beschränkungen. Oftmals habe sie dann Entscheidungen zu treffen, die sie als Studentin für Lehramt Deutsch und Geschichte fachlich schlecht beurteilen könne. "Ich bin weder Juristin noch Architektin. Ich sehe meine Aufgabe aber darin, zu prüfen, ob ein Vorschlag für mich so Sinn ergibt", erklärt sie ihre Verantwortung im Stadtrat. Da große Sprünge nicht möglich seien, müsse man "die kleinen Schrauben drehen". Entmutigt habe sie ihre Amtszeit dennoch nicht, im kommenden Jahr will sie wiedergewählt werden und hofft auf eine stärkere Grünen-Fraktion. Ob sie Karriere in der Politik machen will, weiß sie noch nicht. Im Stadtrat hat sie erfahren, wie schwer politische Entscheidungen sein können.

Kathi würde die höheren Ebenen wohl nicht erreichen wollen. Sie ist die kleine Hündin von Schuhmacher, die mit in Stadtratssitzungen gehen darf. "Beim ersten Mal habe ich sie noch reingeschmuggelt, weil ich sie sonst nicht unterbringen konnte", erzählt Schuhmacher. Die Hündin habe sich aber immer so tadellos benommen, dass Oberbürgermeister Haas nichts dagegen hat, wenn Kathi öfter mitkommt. Die Stadträte haben auch keine Bedenken. Mit Hund und Dreadlocks im Stadtrat wirkt Sophie Schuhmacher sehr alternativ und exotisch, dabei "bin ich eigentlich kein Hippie", sagt sie. Die Dreads sind ein Überbleibsel aus ihrer Teenagerzeit, als sie noch in der Szene unterwegs war. "Ich höre keinen Reggae, umarme keine Bäume und kiffe nicht." Inzwischen sei sie seriös geworden, wie es bei Stadträten eben ist.