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Germering:Volkshochschule in Geldnot

Die Folgen der Corona-Pandemie haben die Germeringer Volkshochschule hart getroffen: VHS-Geschäftsführerin Evi Seidel hat eine Bilanz des ersten Halbjahres gezogen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Wegen Corona fallen viele Kurse aus und damit Einnahmen der Bildungseinrichtung in Germering weg. Um die Verluste zu verringern, verzichten die Mitarbeiterinnen auf Teile ihres Gehalts

Von Karl-Wilhelm Götte, Germering

"Die Lage ist angespannt", sagte Evi Seidel zur Lage der Volkshochschule. Was die Geschäftsführerin der Germeringer VHS bei der Mitgliederversammlung berichtete, klang aber deutlich dramatischer. Sogar von "Insolvenzsorgen" der Bildungseinrichtung sprach Seidel angesichts der Auswirkungen der Corona-Krise. Mit einem Paket von Maßnahmen, darunter Gehaltsverzicht der Mitarbeiterinnen, hat die VHS gegengesteuert, um die Existenz zu sichern. Der "Rettungsschirm der Regierung", so Seidel, könne das Defizit am Jahresende auf 20 000 Euro reduzieren. Ihre Hoffnungen setzt die Bildungseinrichtung auf das Wintersemester.

Die Staatshilfe, die bereits geflossen ist, habe 77 000 Euro betragen, erläuterte Seidel. Entscheidend waren jedoch auch die Einsparungen beim Personal der acht Teilzeitmitarbeiterinnen gewesen. Neben dem Verzicht auf die Ballungsraumzulage, die für einen Vollarbeitsplatz 270 Euro pro Monat beträgt, wurden Überstundenvergütungen nicht mehr ausgezahlt und einer 450-Euro-Mitarbeiterin in der Probezeit gekündigt. Allein der Verzicht auf die Ballungsraumzulage durch die hauptamtlichen VHS-Mitarbeiterinnen sind 22 000 Euro weniger ausgegeben worden. Insgesamt steuerten die Mitarbeiterinnen etwa 50 000 Euro bei.

"Die VHS ist uns wichtig", habe es im Team geheißen, berichtete Seidel. Diese Stimmung sei gerade in der Lockdown-Zeit gewachsen, als alle Veranstaltungen ausfielen. 45 000 Euro hat die VHS an Teilnehmergebühren zurückgezahlt. 15 000 spendeten die Kursteilnehmerinnen aber auch an die VHS. Der reguläre Zuschuss der Stadt von etwa 250 000 Euro pro Jahr wird für 2020 höher ausfallen müssen. Die Mitarbeiterinnen haben laut Seidel die Schließung auch dazu genutzt, Überstunden abzubauen und Urlaub zu nehmen.

Nach dem Lockdown habe man allein 80 Online-Kurse "aus dem Boden gestampft", so Seidel. Dafür sei man in den Pfingstferien quasi rund um die Uhr tätig gewesen. Überstunden sind dabei wieder angefallen, "die jedoch kaum genommen werden können", sagte die VHS-Leiterin, weil sonst der Betrieb nicht mehr gewährleistet werden könne. Eine Regelung müsse dafür noch gefunden werden. Die Online-Kurse seien jedoch nur eher zögerlich wahrgenommen worden, berichtete sie. Sogenannte Hybridkurse fanden kaum statt, weil in so gut wie keinem VHS-Raum Wlan vorhanden war. Regulär bietet die Germeringer VHS etwa 830 Kurse pro Semester an. Jetzt im Wintersemester sind es 20 Prozent weniger. Aufgrund der Vorgaben des Gesundheitsamtes müssen die Kursteilnehmer eineinhalb Meter Mindestabstand einhalten. So finden manche Kurse nur mit vier Teilnehmern statt. Das gestaltet sich wirtschaftlich schwierig, wird aber zum Teil durch die Kursteilnehmer aufgefangen, die 30 Prozent mehr bezahlen. "Das passiert beispielsweise in den Intensivsprachkursen in Chinesisch oder Russisch", erklärte Geschäftsführerin Seidel.

Froh ist die VHS, dass sie, nachdem die Kirchenschule ihre Räume selber benötigte, in der Wittelsbacherschule eine neue Heimat gefunden hat. "Dort haben wir größere Klassenräume, die auch mit Abstand 15 Teilnehmer ermöglichen", sagte Seidel. Eine Entlastung hat auch die Stadt Germering geschaffen. Sie hat für die VHS in der "Harfe", dem Gewerbeareal neben der Stadthalle, Räume angemietet, aus denen die Firma "Docuware" ausgezogen ist. Dort sollen ab Montag 128 Veranstaltungen mit etwa 1200 Teilnehmern stattfinden. Seidel ist mit den Anmeldungen für das Wintersemester zufrieden, obwohl das Programmheft sehr abgespeckt wurde, was jedoch weitere 7000 Euro einsparte.

Bei der Mitgliederversammlung wurde der Aufsichtsrat um den ehemaligen Gymnasiallehrer Heinz Burger ergänzt. Die Nachwahl war nötig, weil Sabine Knoblauch das Gremium verlassen hat.

© SZ vom 29.09.2020

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