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Germering:Umweltbeirat entdeckt sein Gewissen

Germeringer Gremium stimmt der Erhöhung eines Gebäudes im Gewerbegebiet aus ökologischen Gründen nicht zu

Der Germeringer Umweltbeirat (UBR) hat viele Jahre lang alle Bauten und Vorhaben der Stadt abgenickt. Doch im vergangenen Sommer lehnten die Beiträte die Nutzung eines Teils des sogenannten Pappelparks für ein generationenübergreifendes Wohnprojekt abgelehnt. Jetzt widersprach das Beratungsgremium einem geplanten Hochhausbau im nördlichen Gewerbegebiet. Der UBR lehnte die beinahe verdoppelte Höhe des Hochhauses von 25 auf 47 Meter ab. Einfluss hatte das zwar nicht auf die einstimmige Entscheidung des Stadtrates, aber der Umweltbeirat scheint sich wieder zu einem ernst zu nehmenden Gremium zu mausern.

Es sieht jedenfalls danach aus, dass Herbert Krause, der seit bald zwei Jahren als Vorsitzender des UBR im Amt ist, zusammen mit seiner Stellvertreterin Michaela Schepe-Graf hier und da einen Kontrapunkt zur allgemeinen Stadtratslinie setzen will. Doch erst einmal musste ein interner Streit beigelegt werden. Krause und Architektin Schepe-Graf mussten in der Angelegenheit des geplanten Hochhauses an der B2 schnell handeln. Krause hatte am 7. Januar festgestellt, dass das Hochhausprojekt schon am 19. Januar und nicht wie erwartet erst im Februar zur Abstimmung auf der Tagesordnung des Stadtrates stand. "Da fing die Unruhe an", sagte Krause. Fünf Tage vor der Stadtratssitzung, verschickte er per E-Mail eine von ihm und Schepe-Graf entworfene Stellungnahme an den Stadtrat und den Oberbürgermeister, in der die Hochhauserhöhung aus diversen ökologischen Gründen, aber auch aufgrund befürchteter Bodenspekulation abgelehnt wurde.

Krause verzeichnete zwei zustimmende Mails aus dem Beirat, aber auch die vehemente Ablehnung des Ersatzmitglieds Franz Niedermeir, die ihm spürbar zu schaffen machte. "Ihr Verhalten ist für mich nicht tolerierbar", hatte Niedermeir über den Alleingang gewettert. Es erfolgte eine halbstündige Debatte im Gremium, was Krause und Schepe-Graf im Namen des UBR ohne vorherige Sitzung tun dürfen oder nicht. "Der Vorstand ist kompetent und genießt unser Vertrauen, wenn Not am Mann ist", gab Forstwirt Hans-Jürgen Gulder, der für den Bund Naturschutz seit vielen Jahren den UBR angehört, den Vorsitzenden Rückendeckung.

So sah es auch Helmut Ziereis, ebenfalls vom Bund Naturschutz. Monika Greczmiel, die Vorgängerin Krauses, fand für ihren Vorschlag vor einer Stellungnahme der Vorsitzenden noch die UBR-Mitglieder per Email zu sondieren keine Zustimmung der Mehrheit des Gremiums. "Habe ich nachträglich ihre Zustimmung?", fragte Krause und forderte den UBR zu einer Abstimmung auf. Der stellte sich einhellig hinter das schnelle Handeln der Vorsitzenden. Ekkehard Haseneder, freies Mitglied im UBR, legte jedoch Wert darauf, "rasch informiert zu werden". Er forderte das Gremium auf, sich jetzt um die Anzahl der Stellplätze und die Begrünung des Hochhauses zu kümmern. Auch Jürgen Knöckelmann (Bund Naturschutz) blickte nach vorne: "Der Bebauungsplan muss öffentlich ausgelegt werden, da kann der Umweltbeirat noch seine Vorstellungen einbringen."

Krause zeigte sich irritiert über das Abstimmungsverhalten der Grünen. Sie hatten, wie schon beim Pappelpark, erneut mit der Mehrheit gestimmt. "Den avisierten Hotelbau neben der Stadthalle lehnen die Grünen doch ab", sagte Krause. Der Umweltbeirat werde das Hotelprojekt genauso kritisch begleiten, verspricht Krause. Mit seiner persönlichen Meinung hält der UBR-Vorsitzende nicht hinter dem Berg: "Das Hotel darf nicht höher werden als zum Beispiel das Seniorenheim Curanum."

© SZ vom 25.01.2016

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