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Germering:Streit um Post geht weiter

Paketposthalle in München, 2019

Briefe für München und Umgebung: Das Sortierzentrum der Deutschen Post in München soll nach Germering umziehen. Die Planungen dafür stoßen auf Zuspruch und Ablehnung.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

ÖDP-Stadträtin Tanja Pfisterer kritisiert Aussagen des Wirtschaftsverbands zugunsten der Ansiedelung eines Briefzentrums. Auch unter den Lokalpolitikern gibt es Zweifel

Die politische Auseinandersetzung um eine Ansiedelung des Briefzentrums in Germering hat den Wirtschaftsverband erreicht. So geschlossen, wie er behauptet, stehen seine Mitglieder offensichtlich nicht hinter dem Vorhaben der Post. Denn nachdem der Verband sich kürzlich in einer Pressemeldung für das Projekt ausgesprochen hat, meldet sich ÖDP-Stadträtin Tanja Pfisterer zu Wort. Die Physiotherapeutin mit eigener Praxis ist Mitglied im Wirtschaftsverband und Gegnerin des Vorhabens der Deutschen Post. Sie hat erhebliche Zweifel daran, dass der Umzug des Briefzentrums von München nach Germering ein Vorteil für die einwohnerstärkste Kommune des Landkreises Fürstenfeldbruck ist.

Pfisterer glaubt nicht, dass durch den Umzug viele Arbeitsplätze für Einwohner von Germering entstehen und weist darauf hin, dass die Post in Alling angefragt habe, ob es dort ein Grundstück gebe, auf dem ein Heim für Arbeitskräfte aus dem Ausland errichtet werden könnte. Auch das Argument der Befürworter, die Post richte eine Kinderbetreuung ein, überzeugt Pfisterer nicht. Ihren Worten nach gibt es nicht zu wenige Betreuungsplätze, sondern zu wenige Erzieherinnen und Erzieher - ein Problem, das auch die Post nicht lösen könne. Außerdem ist die Stadträtin nicht einverstanden mit der Flächenversiegelung durch den Bau eines Briefzentrums. Die Hälfte des Stadtgebiets sei bereits versiegelt, zitiert Pfisterer eine Aussage des Bundes Naturschutz, durch das Briefzentrum komme ein weiteres Prozent versiegelter Fläche hinzu. Schließlich äußert sie auch Zweifel daran, dass das Briefgeschäft der Post in Zeiten der Digitalisierung zukunftssicher sei.

Auch im neu besetzten Stadtrat hat das Projekt Anhänger und Gegner. Wie schon vor der Kommunalwahl sind vor allem Lokalpolitiker von Grünen, SPD und ÖDP skeptisch. Das zeigte sich am Dienstag, als erstmals die neu gewählten Mitglieder des Bauausschusses sich mit dem Projekt befassten. So fanden die Bedenken von Umweltbeirat und Bund Naturschutz die Unterstützung bei Grünen, SPD und ÖDP. Die Naturschützer kritisieren unter anderem den Flächenverbrauch als nicht vereinbar mit einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Die noch freien Flächen sollten nicht verbraucht werden, heißt es in der Stellungnahme des Bund Naturschutz. Verwaltung und Stadtratsmehrheit sehen das anders. Stadtbaurat Jürgen Thum sagte in der Sitzung, die Entscheidung, das Gebiet im Germeringer Norden mit Gewerbe zu bebauen, sei bereits vor 20 Jahren gefallen. Jetzt gebe es eben einen Interessenten.

Gegen das Projekt der Post hat auch die Nachbarstadt Puchheim Einwände. Sie befürchtet vor allem eine Zunahme des Verkehrs auf der B 2 durch den Transport der Postsendungen. Das könne zu einem Ausweichverkehr über die Augsburger Straße führen und den Puchheimer Stadtteil Ort belasten. Die Germeringer Stadtverwaltung widerspricht dieser Befürchtung mit dem Hinweis auf ein Verkehrsgutachten. Puchheim sei nur "äußerst gering betroffen", sagte Thum.

Fast Einigkeit unter den Ratsmitgliedern gab es aber, was die Anliegen von mehreren Familien angeht, die westlich des Postgrundstücks wohnen. Ihrem Wunsch nach wird an der Grundstücksgrenze ein Erdwall errichtet und damit die Versickerungsfläche für Wasser auf dem Postgrundstück angelegt. Zudem sicherte ein Postvertreter zu, an der Westseite des vorgesehenen Gebäudes nur Notausgänge unterzubringen, sodass von dort kein störender Lärm ausgehen kann.

© SZ vom 25.06.2020

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