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Germering/Starnberg:SPD setzt auf Slammerin

Kandidatin SPD Carmen Wegge

Die ehemalige Olchingerin Carmen Wegge kandidiert im Wahlkreis Germering für die SPD.

(Foto: SPD)

Carmen Wegge bewirbt sich um Bundestagsmandat

Von Patrizia Steipe, Germering/Starnberg

Die Juristin und Slammerin Carmen Wegge ist SPD-Kandidatin für den Wahlkreis Starnberg-Landsberg-Germering. Die 31 Jahre alte ehemalige Vorsitzende des Olchinger Troja-Vereins (Betreiber eines Jugendcafés) erhielt die Stimmen von 44 der 50 online zu der Aufstellungsversammlung zugeschalteten Delegierten aus den Landkreisen und der Stadt Germering. Nun muss das Wahlergebnis noch per Briefwahl bestätigt werden. Die Abstimmung war geprobt worden, schließlich haben die Parteimitglieder noch nie zuvor online über eine Kandidatur entschieden. Vor der Versammlung gab es nochmals ein rund eineinhalbstündiges Coaching von Monika Demmel vom SPD-Bezirk Oberbayern. Das "Fenster" für die Online-Abstimmungsplattform "Votes-up" musste aktiviert werden, es gab Rückkoppelungen, Mitglieder waren mehrfach angemeldet, andere kamen nicht in das Meeting hinein, wieder andere hatten sich über ein anderes digitales Endgerät eingewählt und wurden nicht erkannt, Zugangsdaten fehlten. Doch mit vereinten Kräften konnten die etwa 75 Teilnehmer die Probleme lösen und für die 50 Delegierten begann der Wahlmarathon.

Wegge, die in München zu Hause ist, ist seit 2013 in der SPD aktiv. Sie ist stellvertretende Landesvorsitzende der Jusos und vertritt diese von April an im Vorstand der Bayern-SPD. Angesichts jahrelanger Auftritte als Poetry Slammerin kann sich ihr Publikum im Wahlkampf auf kurzweilige Reden freuen. Bei der Online-Konferenz stellte Wegge ihre Themen vor, die vom Kampf gegen rechts über den Widerstand gegen das Polizeiaufgabengesetz bis zur Bodenrechtspolitik "à la Hans-Jochen Vogel", ihrem Einsatz für Kultur sowie für Gleichberechtigung reichen. Sie sei im Vorfeld als "mutig" bezeichnet worden, da sie als junge Mutter Wahlkampf machen wolle, berichtete die Kandidatin. In der SPD gelten Grundwerte wie Chancengleichheit und Teilhabe aller Geschlechter. Dieses Selbstverständnis wolle sie mit ihrer Kandidatur unterstreichen. "Klingelt mit mir an Haustüren, klebt mit mir Plakate!", forderte sie die Delegierten auf. Bei ihrer Rede brandete zwar kein Applaus auf - die Teilnehmer hatten sich stumm geschaltet -, dafür zeigten sie Emoji-Klatschhände am Bildschirm und gratulierten im Chat.

Wer gedacht hatte, dass ein Online-Treffen eine eher dröge Geschichte werden würde - auch virtuell gelingen Eklats. Als die Starnberger SPD-Kreisvorsitzende Julia Ney die Wunschkandidatin der Wahlkreis-Ortsvereine ankündigte, gab es abfällige Zwischenrufe aus dem Netz. Alexander Rupff aus Gauting hatte sich im Herbst vergebens als Gegenkandidat ins Gespräch gebracht, online gab es jedoch keinen Fürsprecher aus den Reihen der Delegierten. In den Bundeswahlkreisvorstand, der den Wahlkampf organisiert, wählten die Delegierten als Vorsitzenden Felix Büchner (Landkreis Landsberg). Im Vorstand sind Markus Noack (Dießen), der seine Kandidatur zugunsten von Wegge zurückgezogen hatte, sowie Julia Ney (Gauting), Maximilian Hermenau (Germering), Hannelore Baur (Dießen), Christiane Kern (Starnberg), Andreas Schöpf (Gilching), Johannes Landendinger (Germering) und Nico Wunderle (Pöcking).

© SZ vom 23.02.2021
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