Germering:Stadt schafft Luftfilter für Schulen an

In einem zweiten Schritt sollen auch Kindergärten und Krippen ausgestattet werden

Von Ingrid Hügenell, Germering

Die Ausbreitung der Delta-Variante und ein Förderprogramm der bayerischen Staatsregierung haben die Stadt Germering zum Umdenken bewogen. Es sollen nun doch Luftfilter für Schulen und Betreuungseinrichtungen angeschafft werden. Am Dienstag hat der Hauptausschuss des Stadtrats einstimmig einen entsprechenden Beschluss gefasst.

In einer ersten Stufe sollen 168 Geräte geordert werden für Schulen, Horte und Mittagsbetreuungen sowie Jugendbetreuungseinrichtungen. In einem zweiten Schritt sollen nach einer erneuten Prüfung der Umstände auch Kitas damit ausgestattet werden. Da jedes Gerät etwa 4500 Euro kostet, muss die Stadt dafür etwa 756 000 Euro ausgeben. Der Freistaat hat Zuschüsse von 1750 Euro je Gerät zugesagt; die maximale Fördersumme von 294 000 Euro erwartet die Stadtverwaltung jedoch erst später, womöglich erst im kommenden Jahr. Pro Gerät fallen der Stadtverwaltung zufolge zudem pro Jahr 500 Euro an Wartungs- und Betriebskosten an.

Wann die Geräte eintreffen, ist unklar, da sie momentan sehr stark nachgefragt werden. "Es ist unglaublich langwierig, die zu bekommen", sagte Andreas Robrecht von der Bauverwaltung der Stadt. Ausdrücklich weist die Stadt darauf hin, dass auch bei der Ausstattung mit Luftreinigungsgeräten "keine Gewähr dafür besteht, dass der Unterrichtsbetrieb auch bei steigenden Fallzahlen dauerhaft aufrecht erhalten werden kann".

Auch Quarantänemaßnahmen könnten so nicht sicher abgewendet werden. Denn beides wird nicht von den Kommunen, sondern vom Freistaat oder vom Bund geregelt. "Wir können nicht dafür gerade stehen, dass es Präsenzunterricht gibt", sagte Oberbürgermeister Andreas Haas (CSU).

Die einzelnen Schulen sollen die Geräte selbst anschaffen. So kann eine teure europaweite Ausschreibung umgangen werden. Weil die Einrichtungen schon seit Jahren über ein jeweils eigenes Budget verfügen, ist das möglich. Stadtkämmerer René Mroncz hofft auf einen zeitlichen Vorsprung bei der Beschaffung durch dieses Vorgehen. Die Budgets werden entsprechend erhöht, die Stadtverwaltung wurde vom Ausschuss beauftragt, die nötigen finanziellen Mittel aufzutreiben.

Die Luftfilter werden nur dort eingesetzt, wo die Räume nicht ohnehin von Raumlufttechnischen Anlagen (RLT) belüftet werden. Das ist neueren oder kürzlich sanierten Gebäuden der Fall. Es sollen Hepa-Filter der Klassen 13 oder 14 gekauft werden. Andere Geräte-Varianten wurden ausgeschlossen, etwa, weil bei ihrem Betrieb schädliches Ozon frei wird. "Diese Geräte sind groß und relativ teuer", sagte Bauamtsmitarbeiter Robrecht im Ausschuss. Sie reinigen die Luft unter anderem von Viren, indem sie sie durch sehr feine Filter pressen. Sie reduzieren dadurch das Infektionsrisiko. "Luftreiniger ersetzen das Lüften aber nicht", stellte OB Haas klar.

Anders als RLT-Anlagen führen die Filteranlagen keine Frischluft von außen zu. Deshalb kann in den Klassenzimmern trotzdem der Kohlendioxid-Gehalt zu stark ansteigen. Das schadet der Konzentrationsfähigkeit. Die CO₂-Ampeln, die in den Germeringer Schulen schon zeigen, wann Frischluft nötig ist, sollen deshalb bleiben.

© SZ vom 30.07.2021
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