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Germering:Sicheres Geleit für Kinder

Rupert Ehrlich stand täglich an der Germeringer Kreuzung Kirchenstraße/Untere Bahnhofstraße.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Schulweghelfer Rupert Ehrlich wird nach 20 Jahren verabschiedet

Von Karl-Wilhelm Götte, Germering

Rupert Ehrlich war so etwas wie eine Institution gewesen. 20 Jahre stand er schon morgens um 20 Minuten nach Sieben an der Kreuzung Kirchenstraße/Untere Bahnhofstraße, um die ersten Kinder sicher über die Kreuzung zur nahen Kirchenschule zu lotsen. Jetzt hat der inzwischen 77-jährige Rentner seine leuchtend neongelbe Jacke ausgezogen und seine Warnkelle weggelegt. Germerings Oberbürgermeister Andreas Haas (CSU) hat den Schulweghelfer, so der sperrige Name für die Schülerlotsen, jetzt zusammen mit Ismene Kucher, der Rektorin der Kirchenschule, ehrenvoll verabschiedet.

Rupert Ehrlich war einer der zurzeit 15 Schulweghelfer, die die Stadt Germering an den mehr oder weniger gefährlichen Straßen-Übergangsstellen beschäftigt. 30000 Schülerlotsen gibt es in Bayern. "Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Verminderung von Gefahren auf dem Schulweg und zur Verhütung von Unfällen", schreibt das Rathaus anlässlich der Verabschiedung von Rupert Ehrlich. So gab es auch in den vergangenen Jahren keine gemeldeten Unfälle mit Schulkindern in Germering. "Das möchte ich machen", erinnert sich Ehrlich an seinen Start als Schulweghelfer, der unweit seiner "Arbeitsstelle" in der Schillerstraße wohnt. Das "Machen" ging dann auch vor 20 Jahren sehr schnell. "Am gleichen Tag bin ich schon gestanden", erzählt er. "Gestanden" heißt, er musste um 7.20 und um 11.30 Uhr an seiner Kreuzung da sein. Freitags hatte er sogar drei Einsätze und kam erst nach 13 Uhr wieder nach Hause. "Die Ampel dort ist anfangs manchmal ausgefallen", so Ehrlich, "da musste ich umso mehr aufpassen". Da kam es dann auch schon mal vor, dass ein ignoranter Autofahrer ihm gedroht hat, ihn umzufahren, wenn er nicht zur Seite geht. "Dafür bekommst du keinen Preis", hat Ehrlich dann dem Autofahrer schlagfertig zugerufen. Mit der Zeit habe er seine Grundschüler "geimpft", sich richtig zu verhalten. Streng war er, wenn die Kinder mit dem Roller kamen. Roller mussten immer über die Ampel geschoben werden - fahren war bei ihm nicht erlaubt.

Ehrlich hat in den 20 Jahren viele Kindergenerationen von Erstklässlern erlebt. Viele der Kleinen sind ihm ans Herz gewachsen. Er wusste von ihrer Fahrradprüfung oder wenn jemand länger krank war. "Ich freue mich zwar darauf, jetzt auszuschlafen, aber ich werde die Kinder sicherlich auch vermissen", erklärt der langjährige Schulweghelfer noch. Seinem Nachfolger legt er die Tätigkeit ans Herz: "Das ist eine schöne und wichtige Aufgabe." Die Stadt sucht laufend Schulweghelfer, die für ihre Arbeit eine Aufwandsentschädigung erhalten, die auch in den Schulferien weiterbezahlt wird. Wer Interesse daran hat, möge sich unter der Telefonnummer 089/89419-114 bei Martina Klein-Minigshofer melden.

© SZ vom 10.05.2021
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