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Germering:Post kurz vor dem Ziel

Bauausschuss empfiehlt Ja zu Briefzentrum

Von Andreas Ostermeier, Germering

Die Deutsche Post kann damit rechnen, bald das Baurecht für ein Briefverteilzentrum in Germering zu erhalten. Am Dienstag empfahl der Planungs- und Bauausschuss dem Stadtrat, den Satzungsbeschluss für das Vorhaben zu erteilen. Der Stadtrat wird darüber wohl in der nächsten oder übernächsten Sitzung abstimmen. Votiert die Mehrheit für einen derartigen Beschluss, erhält das Logistikunternehmen das Recht, im Gewerbegebiet Nord bauen zu dürfen.

Der Empfehlung, die mit acht zu sechs Stimmen beschlossen wurde, ging eine längere Diskussion über Einwände aus der Einwohnerschaft sowie von Behörden und dem Umweltbeirat voraus. Vor allem auf das Verkehrsgutachten reagierten die Gegner eines Briefzentrums mit viel Kritik. SPD-Stadtrat Christian Gruber wählte scharfe Worte, für die er sich nach Wortmeldungen aus der CSU-Fraktion und von Oberbürgermeister Andreas Haas (CSU), später entschuldigte. Haas gab den Kritikern darin Recht, Aussagen eines Gutachtens hinterfragen zu dürfen, mahnte jedoch an, dabei die sachliche Ebene der Diskussion nicht zu verlassen.

Im Einzelnen äußerte Gruber Zweifel daran, dass die Transportfahrzeuge der Post in Zeiten des Berufsverkehrs in die B 2 einfahren könnten und befürchtete Staus. Fraktionskollege Daniel Liebetruth sagte, viele Fahrten zum und vom Briefzentrum fänden zu Zeiten statt, in denen "schon viel Verkehr ist". Und Angelika Kropp-Dürr von den Grünen bezeichnete die vom Verkehrsgutachter vorgelegte Grafik über Verkehrsspitzen und den voraussichtlich geringen Anteil der Postfahrzeuge daran aus eigener Erfahrung als "nicht praxistauglich".

Verkehrsexperte August Janello vom Ingenieurbüro Vössing bemühte sich, die kritischen Einwände zu entkräften. Der Verkehrsfluss auf der B 2 lasse durchaus das Einfädeln der Post-Transporter zu, sagte er. Bei einer mittleren Pkw-Fahrgeschwindigkeit von 55 Stundenkilometern rund um die Auf- und Abfahrten zur B 2 böten sich genügend Lücken, um von den Rampen in den Verkehr in Richtung München oder in Richtung Fürstenfeldbruck einzufahren.

Auch was den Kreisverkehr Spange/Lise-Meitner-Straße angeht, reicht dessen Leistungsfähigkeit nach den Worten von Janello aus, um den zusätzlichen Verkehr durch die Post-Fahrzeuge aufzunehmen. Die nördliche Zufahrt erreiche in der Abendspitzenstunde ihre Kapazitätsgrenze, heißt es in einer Stellungnahme des Ingenieurbüros. Jedoch verlassen die Autos der Post bei erster Gelegenheit den Kreisverkehr schon wieder, um nach rechts in Richtung Briefverteilzentrum abzubiegen. In Richtung B 2 fahren laut der Stellungnahme in der Abendspitzenstunde insgesamt etwa 150 Fahrzeuge (also sowohl Post als auch allgemeines Verkehrsaufkommen). Eine bauliche Veränderung am Kreisel sei ebenso wenig nötig wie ein Rückstau auf die B 2 zu erwarten, bilanziert die Stellungnahme des Ingenieurbüros.

Auch an der Länge der Zufahrten zur B 2 soll sich vorerst nichts ändern. Das zuständige Straßenbauamt Freising sehe keine Auswirkungen des Post-Vorhabens auf den Verkehr, die Änderungen nötig machten, hieß es.

© SZ vom 15.10.2020

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