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Germering:Post kommt Kritikern erneut entgegen

Briefverteilzentrum Germering

Blick von Südost: So soll die Fassade des Briefverteilzentrums von der Augsburger Straße aus aussehen (ganz rechts das gelbe DHL-Gebäude). Fotomontage: Deutsche Post

Die Pläne, die am Dienstag im Stadtrat präsentiert werden, sehen einen Abstand des Briefzentrums von 45 Metern zur Grundstücksgrenze vor

Wenige Tage vor der Abstimmung im Stadtrat über die Ansiedelung eines Briefzentrums in Germering kommt die Deutsche Post ihren Kritikern noch einmal ein Stück entgegen. Er werde bei der Präsentation der Pläne der Post am Dienstag darstellen, dass das Gebäude des Verteilzentrums einige weitere Meter von der westlichen Grundstücksgrenze zurückgesetzt werden könne, sagte Thomas Schlickenrieder bei einem Pressegespräch am Donnerstag. Nach den Worten des Projektleiters der Post liegt das Gebäude in den Planungen nun 45 Meter von der Grundstücksgrenze im Westen entfernt. Die Stadträte stimmen am Dienstag über einen möglichen Umzug des bisher in München ansässigen Briefverteilzentrums nach Germering ab.

Mit dem weiteren Abrücken des Gebäudes von der westlichen Grundstücksgrenze reagiert die Post auf die Kritik, der Bau des Verteilzentrums sei aus der Blickrichtung des alten Dorfes von Germering her zu massiv. In den bisherigen Diskussionen über die Planungen der Post ist das Logistikunternehmen mehrmals auf Kritik eingegangen und hat die ursprünglichen Pläne verändert. So hat das Gebäude beispielsweise einen Aufsatz erhalten und benötigt nun weniger Fläche als zunächst vorgesehen. Auch der Lärmschutz wurde verbessert. Zudem plant die Post für das Verteilzentrum eine Dachbegrünung sowie eine Begrünung der Fassade und eine Fotovoltaikanlage.

Schlickenrieder ging im Pressegespräch erneut auf die Vorteile ein, die die Stadt Germering seiner Meinung nach aus einem Zuzug des Briefverteilzentrums ziehen wird. Von den 1300 Arbeitsplätzen seien 115 für Schwerbehinderte geeignet, sagte er. Innerhalb kurzer Zeit entstünden auch zahlreiche Arbeitsplätze für Germeringer. Denn die Fluktuation im Bereich der Teilzeitkräfte beträgt seinen Worten nach etwa 30 Prozent. Bei 800 Teilzeitarbeitsplätzen bedeute dies, dass binnen Jahresfrist etwa 250 frei werden. Im Bereich der Verwaltungsjobs sind mehr als die Hälfte der Mitarbeiter 55 Jahre alt. Auch dort ist also - vor allem bedingt durch den Umzug - mit etlichen neu zu besetzenden Arbeitsplätzen zu rechnen. Dazu komme, sagte Schlickenrieder, dass Arbeitsplätze in der Stadt auch eine Reduzierung des Berufsverkehrs zur Folge hätten.

Schlickenrieder trat auch Bedenken entgegen, das Verteilzentrum könne wegen der Digitalisierung in fünfzehn Jahren nicht mehr in Germering sein oder viel weniger Arbeitsplätze bieten. Momentan gehe die Menge der Briefsendungen etwa um zwei Prozent pro Jahr zurück (allerdings verzeichnet das Geschäft mit E-Commerce starken Zuwachs). Rechne er deswegen mit einem Prozent Personalrückgang, gebe es in Germering in fünfzehn Jahren immer noch weit mehr als 1000 Mitarbeiter.

Da Postmitarbeiter auch Bedarf an Betreuungsplätzen für ihre Kinder haben, könne sich das Unternehmen auch vorstellen, sich am Bau und Betrieb einer Kindertagesstätte in Germering zu beteiligen, sagte der Projektmanager. Und er betonte, dass das Unternehmen von Anfang an in Germering Gewerbesteuer bezahlen werde. Steuerpflichtig ist seinen Worten nach nämlich das Gesamtunternehmen, nicht die Niederlassung in Germering. Das Gesamtunternehmen aber müsse an allen Standorten bezahlen. Germering könne deshalb von 2022 an mit etwa einer Million Euro an Gewerbesteuer rechnen. Ihre Argumente wird die Post auch in einer Hauswurfsendung publik machen.

Kann die Post ihre Planungen für ein Briefzentrum in Germering umsetzen, dann will sie im Jahr 2022 den Betrieb in Germering aufnehmen. Zwei Jahre, so rechnete Schlickenrieder vor, werden Planung, Bau und Umzug aus München wohl dauern.