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Germering:Plädoyer für urbanes Bauen

Siegermodell: Beim Gestaltungswettbewerb für die Germeringer Stadtmitte hat die Jury zwei erste Preise vergeben.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Architekten empfehlen höhere Häuser im Stadtzentrum, ernten dafür aber auch Widerspruch. Vor allem die Errichtung eines Hotels bleibt umstritten

Die Diskussionen über die Entwicklung der Innenstadt versprechen spannend zu werden. Denn die Meinungen zur Bebauung des jetzigen Marktplatzes, der Errichtung eines Hotels oder weiteren Einkaufsflächen nördlich des Bahnhofs gehen auseinander. Das zeigte sich kürzlich im Umweltbeirat der Stadt ebenso wie bei einer Veranstaltung der Germeringer SPD. Momentan am meisten umstritten ist der Bau eines Hotels an der Ecke Landsberger/Untere Bahnhofstraße. Bei diesem Thema wirkt auch der Bürgerentscheid vom Jahr 2008 noch nach, durch den die Germeringer die Errichtung eines Hotelturms neben der Stadthalle ablehnten. Architekten und ein Großteil der Stadträte sind sich jedoch einig: An dieser Stelle soll gebaut werden. Der Germeringer Architekt Rudolf Graf empfiehlt das, um den Straßenraum zu fassen und der Innenstadt ein urbanes Gesicht zu geben. Angesichts von 40 000 Einwohnern und einem weiteren Zuzug solle sich Germering auch mit der Errichtung von höheren Häusern dazu bekennen, Stadt zu sein, sagte Graf. Ein Hindernis für eine solche Entwicklung sieht er allerdings darin, dass sich die Germeringer "noch nicht als Städter" verstünden. Die SPD lud den an der Technischen Universität Arbeitenden ein, Mitgliedern und Besuchern die Wettbewerbsarbeiten zur Gestaltung der Innenstadt zu erläutern. Graf gehörte auch der Jury an, die die Entwürfe bewertete.

Wie ihr Mann, so ließ auch die Architektin Michaela Graf-Schepe ihre Präferenz für eine Bebauung des Marktplatzes an der Ecke Landsberger/Untere Bahnhofstraße erkennen. Graf-Schepe, Mitglied im Umweltbeirat der Stadt, sagte bei der jüngsten Sitzung des Gremiums, der gegenwärtige Zustand an dieser Stelle sei ein "Torso". Zur Begründung verwies sie auf die Pläne aus den Achtzigerjahren, nach denen Stadthalle und Bibliothek gebaut wurden. Seinerzeit wollte Germering dort auch ein Rathaus errichten. Aus Geldmangel kam es seinerzeit nicht dazu. Rudolf Graf findet die Idee, neben der Bibliothek ein Rathaus zu bauen, immer noch reizvoll. Das jetzige Behördengebäude könne die Stadt gut verkaufen, ist Graf sicher.

Auch SPD-Stadträtin Tinka Rausch ist eine Befürworterin eines Gebäudes neben der Stadtbibliothek. Sie möchte dort allerdings ein Hotel untergebracht sehen. Grund für diesen Wunsch ist die Nähe, die Tagungsgäste dann zur Stadthalle hätten. Graf widerspricht sie: Momentan hätten Schulen und Kindergärten Priorität, der Bau eines Rathauses komme nicht in Frage. Außerdem sei das Behördengebäude erst kürzlich saniert worden.

Widerspruch zur Ansicht der Architekten regte sich im Umweltbeirat. In der Sitzung hieß es auch, der Marktplatz habe "Flair", eine Bebauung sei unnötig. Zudem gab es Sorge, dass zu viel Grün aus der Innenstadt verschwinden werde. Auch wurde der Vorschlag gemacht, die Einwohner Germerings erneut zu befragen, ob neben der Bibliothek gebaut werden solle.

Unterschiedliche Vorstellungen gibt es auch für die Bebauung des Areals zwischen Bahnhof, Hirschauer- und Landsberger Straße. Ein Investor möchte in diesem Karree Gewerbe- und Wohnflächen unterbringen. Graf erklärte an einem der Modelle, dass die Vorstellungen des Investors der Jury zu groß ausgefallen seien. Einen Gebäudekomplex mit Geschäften im Untergeschoss, der die Wegeverbindung zwischen Bahnhof und Landsberger Straße unterbricht, hält Graf für unpassend.

Aus den Reihen der Besucher der SPD-Veranstaltung gab es Kritik an Planungen für einen weiteren Einkaufsschwerpunkt in der Stadt. Es gebe bereits das Einkaufszentrum an der Münchner Straße und die Ladenmeile in der Otto-Wagner- und der Unteren Bahnhofstraße, hieß es. Außerdem böten Pasing und demnächst wohl auch Freiham alternative Einkaufsmöglichkeiten für die Germeringer. Rausch widersprach: Nur ein geringer Teil des Geldes, das die Germeringer für Konsum zur Verfügung haben, werde in der Stadt ausgegeben. Außerdem müsse, wer die Innenstadt beleben wolle, Platz für Geschäfte schaffen, sagte sie. Ähnlich argumentierte Jürgen Biffar, Vorsitzender der Geschäftsleute. Wenn die Mischung stimme, könne ein Einkaufsareal nördlich des Bahnhofes funktionieren, sagte er.

© SZ vom 25.02.2016

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