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Germering/München:Fataler Geburtstag

28-Jähriger muss sich wegen zahlreicher Vergehen verantworten

Von Andreas Salch, Germering/München

Vincent L. (Name geändert) ist 28, arbeitssuchend und nach Angaben seines Verteidigers, Rechtsanwalt Walter Huber, froh darüber, dass "er jetzt in Haft sitzt". Anfang August vergangenen Jahres wurde der Germeringer vorläufig festgenommen und kam in Untersuchungshaft. Seither wartete er auf den Beginn seines Prozesses vor dem Landgericht München II. Vincent L. ist elffach vorbestraft. In dem neuerlichen Verfahren werden ihm unter anderem Sachbeschädigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung, vorsätzliche Körperverletzung, unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmittel und räuberische Erpressung zur Last gelegt. Als Vincent L. am Dienstag zum Prozessauftakt auf der Anklagebank Platz nimmt, trägt er ein weißes Sweatshirt mit der Aufschrift "out of Control" - außer Kontrolle. Ob das eine "subtile Botschaft" an sie sein soll, fragt die Vorsitzende Richterin Marion Tischler den 28-Jährigen. Der lächelt und versichert: "Nein, Zufall."

Dafür scheint am 3. Mai vergangenen Jahres, dem 27. Geburtstag von Vincent L., einiges außer Kontrolle geraten zu sein. Denn an jenem Tag hatte er viermal mit der Polizei zu tun. "Ein eigenartiger Geburtstag", stellt Richterin Tischler fest, und will wissen, was passiert ist. Er habe zu dieser Zeit Drogen konsumiert "bis es schummrig wird", sagt der Germeringer. Dieser Zustand muss bei L. am 3. Mai 2020, bereits kurze Zeit nach Mitternacht eingesetzt haben. Denn um 1.20 Uhr zertrümmerte mit einer Rohrzange das Schaufenster eines Möbelgeschäftes und das einer Fahrschule in der Kurfürstenstraße. In der Fahrschule soll der 28-Jährige versucht haben Geld zu stehlen, was ihm aber nicht gelang. Den Schaden an den Fenstern beziffert die Staatsanwaltschaft auf insgesamt etwas mehr als 9000 Euro. L. wurde von der Polizei vorläufig festgenommen. Er hatte Marihuana bei sich. Polizeibeamte durchsuchten daraufhin seine Wohnung und wurden fündig. Unter anderem entdeckten sie 66,75 Gramm Marihuana, fünf LSD-Trips und Speed, Amphetamine also. Wieder auf freien Fuß soll Vincent L. dann am Nachmittag einen Bekannten, der ihm angeblich Geld für einen Fernseher schuldete, in dessen Wohnung in der Unteren Bahnhofstraße mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Gegen 16 Uhr soll er dann eine Bekannte vor der Germeringer Stadthalle mit Faustschlägen traktiert haben. Vincent L. spricht bei seiner Vernehmung von einer "kleinen Auseinandersetzung". Anlass sei eine "Meinungsverschiedenheit" gewesen, die damit endete, dass er eine Bierflasche nach der Frau warf. Als die Flasche vor einem Geschäft zersplitterte, forderte dessen Besitzerin ihn auf, die Scherben aufzuheben. Doch stattdessen soll der Germeringer mit einem Teil der zerbrochenen Bierflasche auf den Mann der Ladenbesitzerin losgegangen sein und diesen bei einer Rangelei am Unterarm leicht verletzt haben.

Die übrigen Vorfälle, die die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage auflistet, geschahen im Januar und Sommer vorigen Jahres. Auch in diesen Fällen gingen nachts in der Unteren Bahnhofstraße Schaufensterscheiben zu Bruch. Der Schaden: Insgesamt 4000 Euro. Vincent L. war bei der Tat betrunken, verletzte sich an der linken Hand und blutete sehr stark. Als er in ein Krankenhaus gebracht werden sollte, leistete er so heftigen Widerstand, dass vier Polizisten sich nicht anders zu helfen wussten, als ihn zu Boden zu bringen. Nach vier Einbrüchen in Kellerabteile eines Haues in der Luitpoldstraße im August wurde Vincent L. schließlich festgenommen und kam in Untersuchungshaft. Ob er Drogen konsumiere bis ihm "schummrig" wird, weil er im Leben nicht zurecht komme, fragte Richterin Tischler Vincent L. "Kann man auch so sehen", lautete die Antwort. Der Prozess dauert an.

© SZ vom 06.05.2021
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